Emma Amour
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material: shutterstock / bearbeitung: watson

Emma Amour

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

*Neulich wagen sich der Zyklop und ich in die Pärchen-Hölle. Schreiende Kartoffeln, weinende Frauen und überdurchschnittlich schlecht gelaunte Dudes inklusive.



*Achtung: Diese Geschichte ereignete sich kurz vor dem Lockdown!

Ich könnte jetzt behaupten, dass in meiner Wohnung nur sehr coole Einzelstück-Möbel stehen, die ich aus allen Herren Länder importiert habe. Oder zumindest in Brockenhäusern gefunden habe. Designerteile halt. Lässig, exklusiv, stylish.

Das wäre zu 80 Prozent gelogen. Ich bin seit meinem ersten WG-Zimmer Ikea-Fan. Ich liebe die XL-Teelichter-Packung, die Daim-Torte und die einen Tassen, von denen ich nur noch eine habe, weil mir alle anderen halt runtergefallen sind.

Also will, nein, MUSS ich Nachschub besorgen. Ich will Cleo mitnehmen. Kann ich vergessen. Ikea kommt ihr nicht ins Haus und sie kommt nicht zu Ikea – «das ist alles billigster Kram, Emma!». Sophie fragt, ob ich des Todes bin, dass ich da an einem Samstag hin will. Selbst meine Mutter ist raus, «bei Lipo ist eh alles günstiger!».

Ich könnte alleine fahren. Das ist aber beim Menschen beobachten und Hot-Dogs essen nicht lustig.

Ich, Emma, kann nicht in Parkhäusern parkieren!

Also frage ich den Zyklopen, ob er mitkommen mag. Er sagt Ja. Danke, Verliebtheit. Mir ist bewusst, dass er in Zukunft die Frage wohl nie wieder mit Ja beantworten wird. So aber stehen wir also vergangenen Samstag um 14 Uhr in der Kolonne vor dem Parkhaus.

Das ist die erste Herausforderung. Ich fahre. Und bin sehr schlecht im Parkieren. Vor allem in engen Parkhäusern. Will mir aber die Blösse nicht geben. Nach 45 Minuten und zwei verpassten Parkplätzen, da zu eng für mich, fragt er, ob es mir lieber wäre, wenn er das Parkieren übernimmt.

Ich gebe mich geschlagen. Er lacht, ich lache, alles gut.

Beim Lift dann schon der erste Terror: Eine sehr vielköpfige Familie hält alles auf. Die eine Kartoffel drückt ständig den Liftknopf, so dass der volle Lift nicht wegfahren und Platz für eine neue Liftfahrt machen kann. Eine andere Kartoffel wälzt sich am Boden und schreit. Die dritte Kartoffel hat mir gerade fast sein Glacé auf meine Jeans geleert.

Wir nehmen die Treppe.

Und dann kotzt das Kind im Strahl!

Bei der Verkaufsfläche angekommen, versperrt uns ein turtelndes Paar den Weg. Dafür haben wir – logisch – Verständnis. Auch dafür, dass sie sich viel zu lange verliebt anschauen und beide biz nervig kichern.

Wir begegnen den beiden 200 Meter weiter. Jetzt weint sie fast. Und er ist hässig. Sie will ein weisses Sofa. Sehr heikel. Findet auch er, versteht sie aber nicht. Das würde doch so gut zu der goldenen Lampe passen. Die hätte er eh auch von Anfang an hässlich gefunden. Drama!

Auf unserem Streifzug durch die hübsch eingerichteten Pseudoräume begegnen wir mehreren Paaren, die sich anschreien, passiv aggressiv anschweigen oder volle Pulle aneinander vorbei reden.

«Gell, vor dem über-über-übernächsten Leben ziehen wir nicht zusammen?» frage ich den Zyklopen.

«Natürlich nicht», antwortet er.

Wir machen einen Zwischenhalt im Restaurant. Während wir uns Köttbullar zu Gemüte führen, kotzt ein ca. Dreijähriger am Nebentisch auf den Boden. Seine Eltern streiten jetzt darüber, wer den Buben waschen geht und wer da bleibt, um das Baby zu schöppelen.

Die Diskussion dauert noch zwei weitere Kotz-Attacken an.

Ein paar Tische weiter schreit ein Mädchen wie am Spiess. Auf den mitgebrachten Brei hat es keine Lust. Also spuckt es ihn im hohen Bogen wieder raus. Derweil muss der Bruder dringend «go Gaggi mache». Der sehr genervte Vater will aber zuerst mal rauchen gehen.

Die Mutter, eine Frau um die 30 mit tiefen Augenringen und dünnem Nervenkostüm, schreit abwechselnd das Spuck-Mädchen und den passiven Rauch-Vater an. Ich mach mir derweil Sorgen, dass der «Gaggi» des Buben in seiner Hose landet.

«Emma», sagt der Zyklop etwas entnervt. «Gehen wir bald heim?»

«Ja», sage ich.

«Und können wir daheim so tun, als würden wir Babys machen, dabei aber ganz sicher und noch für sehr lange Zeit keine machen?»

«Unbedingt», schlage ich ein.

Auf dem Heimweg schweigen wir uns zum ersten Mal ein bisschen an. Und auch daheim will nicht so recht sexy Stimmung aufkommen. Es fühlt sich fast ein bisschen so an, als hätte uns jemand kurzfristig von Wolke 7 gestossen.

Wir liegen so biz auf der Couch rum und zappen uns durchs TV-Programm. Auf irgendeinem Sender zeigen sie gerade eine Schoggi-Werbung mit sehr glücklichen Menschen, die alle als sehr glückliche Familie sehr glücklich Schokolade essen. Mein Familienbild für irgendwann und meine Laune sind wieder geflickt.

Und auch der Zyklop hüpft leichtfüssig auf. Er verschwindet husch, um 5 Minuten später strahlend mit einer Schoggi-Schachtel aus dem 24-Stunden-Shop in meinem Wohnzimmer zu stehen.

Und so endet ein übler Nachmittag mit Schokolade, Sex und Schmetterlingen im Bauch.

Ende gut, alles gut.

Adieu,

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Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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