Bonjour! Etwas Trost für das nasskalte Wetter: Soupe à l'oignon!
Bild: obi
Okay, Leute. Das mag jetzt vielleicht schräg klingen, aber bei diesem Thema hier hängen bei mir Emotionen dran. Jap, hier hat wer eine eine tiefe, persönliche Verbindung zu einem klassischen französischen Bistrot-Gericht, die bis ins zarte Kindheitsalter zurückreicht.
Let me explain.
Wie viele Kinder meiner Generation war ich ein grosser Fan der Asterix-Comics. Und durch eine dieser Geschichten – damals noch aus der Feder des grossartigen René Goscinny – begegnete ich zum ersten Mal dem Konzept der soupe à l'oignon.
Die Handlung von «Asterix und der Kupferkessel» («Astérix et le chaudron» im französischen Original oder, wie ich es kannte, «Asterix and the Cauldron») dreht sich um Korruption und Steuerhinterziehung sowie den angeblichen Diebstahl einer gehörigen Summe Sersterzen, die in einem Kupferkessel aufbewahrt wurden.
Der Umstand, dass letzterer zuvor zum Kochen von Zwiebelsuppe verwendet worden war, entpuppt sich als Schlüsselelement des Plot, als Asterix einen römischen Steuereintreiber ausraubt und bemerkt, dass die Münzen nach Zwiebelsuppe riechen, wodurch der Schwindel aufgedeckt wird.
Ich liebte diesen Asterix-Band, und ich liebte auch Zwiebeln. Und als ich im Alter von 8 Jahren mit meinem Vater zum ersten Mal Paris besuchte, war das Erste, was ich essen wollte, ... soupe à l'oignon.
Ich wurde nicht enttäuscht.
Und Jahre später, als ich «The Les Halles Cookbook» geschenkt bekam, Anthony Bourdains grossartiges Standardwerk zur französischen Bistrot-Küche, war es wiederum das Rezept zur klassischen Zwiebelsuppe, das ich als erstes ausprobierte.
Und bis heute – und ganz besonders, wenn es, wie gerade jetzt, draussen nass und kalt ist – schlage ich Seite 45 dieser Erstausgabe von 2004 auf und mache mich daran, eines der wohligsten Comfort Foods aller Zeiten zuzubereiten.
Und zwar wie folgt:
Zutaten:
Für 4 Personen als Vorspeise, für 2 als Hauptgang
- 100 g Butter
- 4 grosse Zwiebeln oder 6 mittelgrosse Zwiebeln in dünne Scheiben geschnitten
- 5 cl Aceto balsamico
- 5 cl Portwein oder Marsala
- 1,2 Liter dunkle Hühnerbrühe oder Rindfleischbrühe
- 100 g Speckwürfeli
- 1 Bouquet garni (Kräutersträusschen – traditionell aus etwas frischer Petersilie, Thymian und einem Lorbeerblatt bestehend)
- ca. 8 Scheiben Baguette im Ofen mit etwas Olivenöl knusprig geröstet
- 250 g Gruyère, grob gerieben
Zubereitung:
- In einem grossen Topf bei mittlerer Hitze Butter schmelzen lassen, Zwiebeln dazugeben und unter gelegentlichem Rühren dünsten, bis sie weich und schön gebräunt sind (dauert circa 20 Minuten).
- Mit Portwein und Essig ablöschen, dabei den Topfboden mit der Holzkelle abschaben. Hühnerbrühe hinzufügen. Speck und Bouquet garni dazugeben und aufkochen.
- Hitze auf niedrig drehen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und 45 Minuten bis zu 1 Stunde köcheln lassen.
- Den Ofengrill anwerfen. Auf höchster Stufe.
- Wenn die Suppe fertig gekocht ist, Bouquet Garni entfernen. Suppe in einzelne, ofenfeste (wichtig!) Suppenschalen geben. Auf jeder so viele Croûton-Scheiben, wie Platz haben, nebeneinander oben «schwimmen» lassen. Eine grosszügige, gehäufte Menge Käse auf die Oberseite der Suppen geben. Der Käse darf ruhig jeweils über den Topfrand hinaus hängen.
- Suppenschalen unter den vulkanisch heissen Ofengrill stellen, bis der Käse schmilzt. Dabei soll er durchaus braun gefleckt, an einzelnen Stellen gar etwas angebrannt sein. Ach, du besitzt einen Flambierbrenner? Mit dem kannst auch nachhelfen.
- Sofort servieren – und zwar VORSICHTIG. Die Dinger sind sauheiss.
Und nun: geniessen. Die wohlige Wärme spüren. Und schon ist dir das nasskalte Wetter draussen sowas von egal.
Bon appétit.
