«Noch nie Einkäufe gemacht»: Trump erntet Kritik für Aussage zur Inflation
Die US-Inflation stieg angesichts des Irankriegs im Mai auf 4,2 Prozent. Damit stiegen die Preise so schnell wie in den vergangenen drei Jahren nicht mehr. Für Konsumentinnen und Konsumenten und Unternehmen heisst das in anderen Worten: Alles ist noch teurer geworden. Schuld daran ist auch der Irankrieg, der die Energiepreise steigen liess.
Schlechte Nachrichten für die Verbraucherinnen und Verbraucher sind jedoch offenbar gute für den US-Präsidenten. Wie US-Medien berichten, antwortete Donald Trump auf die Frage eines Journalisten, ob ihn der Anstieg beunruhige, mit den Worten: «Ich liebe es. Die Zahlen waren grossartig. Ich liebe die Inflation.»
Gleichzeitig kündigte Trump an, dass die Inflation bald sinken werde. Mit dem Ende des Irankriegs würden die Ölpreise wieder auf das Niveau sinken, auf dem sie zuvor gelegen hatten. Oder sogar noch tiefer. Weitere Erklärungen gab Trump nicht ab.
Ein Ende des Irankrieges scheint aber zumindest aktuell alles andere als nah, die USA haben am Donnerstag erneut Angriffe auf den Iran gestartet, worauf dessen Regime ankündigte, die Strasse von Hormus vollständig zu blockieren. Das würde wiederum heissen, dass es bei der Energieversorgung wieder zu massiven Engpässen und damit auch Preissteigerungen kommen könnte.
Gegenüber der New York Post sagte Trump später, seine Aussagen zur Inflation seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er habe sagen wollen, dass die Inflation viel niedriger sei als man erwartet habe. Oder anders gesagt: Er liebe den Umstand, dass die Inflation nicht höher sei.
Doch Trumps Aussage kam auch bei Politikern nicht sonderlich gut an. Auf Social Media machen sich viele seiner Gegner lustig. Der demokratische Senator Chuck Schumer schrieb etwa auf X: «Trump hat tatsächlich gesagt, er liebe die Inflation. Vor der Kamera. Damit ganz Amerika es hören kann. Seine Verachtung für euch kennt keine Grenzen.»
Trump really said, “I love the inflation.” On camera. For all of America to hear.
— Chuck Schumer (@SenSchumer) June 10, 2026
His contempt for you knows no bounds. pic.twitter.com/ezoDSBPtej
Auch Senator Bernie Sanders kommentierte Trumps Aussage: «Wissen Sie, wer die Inflation nicht liebt, Herr Präsident? Arbeitende Familien, die sich Treibstoff, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Gebrauchs wegen Ihrer desaströsen Taten kaum mehr leisten können.»
Candidate Trump: "I will end inflation on Day One."
— Bernie Sanders (@BernieSanders) June 10, 2026
President Trump today: "I love the inflation."
You know who doesn't love inflation, Mr. President? Working families struggling to afford gas, groceries and other necessities because of your disastrous actions. https://t.co/uUMf1vXSmR
Die demokratische US-Repräsentantin Diana DeGette findet ebenfalls scharfe Worte: «Donald Trump hat nie seine eigenen Einkäufe gemacht oder seinen eigenen Tank gefüllt. Natürlich liebt er die Inflation.»
Donald Trump has never bought his own groceries or filled up his own tank.
— Rep. Diana DeGette (@RepDianaDeGette) June 10, 2026
Of course he “loves inflation.” pic.twitter.com/f3lvd18kpL
Ob sich die Situation für durchschnittliche US-Bürgerinnen und -Bürger in den kommenden Monaten weiter zuspitzt, wird sich zeigen. Gespannt warten nun alle – auch Trump – auf den nächsten Zinsentscheid. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh galt eigentlich als Trumps Wunschkandidat, nachdem sich der US-Präsident an seinem Vorgänger Jerome Powell die Zähne ausgebissen hat. Powell verzichtete in den meisten Fällen trotz des Drucks aus dem Weissen Haus auf eine Zinssenkung. Das gleiche Vorgehen wird nun auch für den Juni-Entscheid erwartet. Damit könnte der neue Chef der Zentralbank den US-Präsidenten allerdings bereits verärgern. (vro)
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