Wirtschaft
Analyse

Inflation USA: Preise steigen so schnell wie seit Jahren nicht mehr

epa12984351 Fuel prices are displayed outside a gas station in Washington, DC, USA, 22 May 2026. Average US gasoline prices rose above 4.50 US dollars per gallon, according to the American Automobile  ...
Vor einer Tankstelle in Washington, D.C., USA, werden am 22. Mai 2026 die Kraftstoffpreise angezeigt. Die durchschnittlichen Benzinpreise in den USA stiegen auf über 4,50 US-Dollar pro Gallone.Bild: keystone
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Preise in den USA steigen so schnell wie seit Jahren nicht mehr

Ein wichtiger Inflationsindikator stieg im April auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Die Federal Reserve (Fed) signalisiert zunehmend Bereitschaft, eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen.
29.05.2026, 11:4229.05.2026, 11:42

Der Iran-Krieg drückt nicht nur in den USA, aber insbesondere dort, die Preise nach oben. Der sogenannte «Personal Consumption Expenditures Index», der die Inflation bei privaten Konsumausgaben anzeigt, stieg im April gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,8 Prozent. Der Index ist ein für die Notenbanker zentrales Mass für deren Einschätzungen der Lage.

Dies ist das schnellste jährliche Wachstum in diesem Bereich seit Mai 2023, als das Land die Folgen der Coronapandemie einholten, wie die New York Times schreibt. Damals war die US-Notenbank Fed kurz davor, die Zinsen anzuheben.

Auch die sogenannte Kerninflation, bei der die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden, liegt mit einer Rate von 3,3 Prozent auf einem Mehrjahreshoch.

Der Iran-Krieg stellt die Notenbanker in den USA, aber auch anderswo, seit Wochen vor eine schwere Aufgabe. Denn normalerweise erhöhen sie bei einem solchen externen «Schock» nicht sofort die Zinsen, da davon ausgegangen wird, dass es eine vorübergehende Entwicklung ist. Die Leitzinsen zu erhöhen, wenn das eigentlich nicht zur generellen wirtschaftlichen Entwicklung passt, könnte die Wirtschaft zu stark bremsen.

«Bereit, die Zinsen anzuheben»

Nun mehren sich in den USA aber die Stimmen von Notenbankern (die USA haben 19 stimmberechtigte Notenbanker, die das sogenannte Federal Open Market Committee, das Offenmarktausschuss-Gremium, bilden), die jetzt eine Leitzinserhöhung in Betracht ziehen. Denn die Folgen des Iran-Kriegs bilden laut «NYT» den vierten Schock innerhalb von fünf Jahren, der die Inflation weiter vom 2-Prozent-Ziel der Fed entfernt. Zuvor waren es die Pandemie, der russische Angriff auf die Ukraine sowie Trumps Handelskrieg, die allesamt inflationär auf das amerikanische Wirtschaftssystem wirkten.

«Ich möchte meine Risikoeinschätzung klarstellen: Die Risiken tendieren weiterhin zu einer höheren Inflation», sagte Lisa D. Cook, Mitglied des Gouverneursrats der Fed, am Mittwoch in einer Stellungnahme. Sie sei daher bereit, die Zinsen anzuheben, «falls die erwartete Desinflation nicht rechtzeitig eintritt».

Lisa Cook, a Federal Reserve Board of Governors member, speaks during an event at the Brookings Institution, Monday, Nov. 3, 2025, in Washington. (AP Photo/Mark Schiefelbein)
Lisa Cook
Lisa Cook.Bild: keystone

Zuvor hatte bereits Christopher J. Waller, ein weiterer Gouverneur, deutlich gemacht, dass er Zinserhöhungen in der Zukunft nicht mehr ausschliessen könne, «sollte die Inflation nicht bald nachlassen». Dies gelte insbesondere dann, «wenn die Messgrössen für die Inflationserwartungen, von denen einige in letzter Zeit gestiegen sind, Anzeichen dafür zeigen, dass sie sich nicht mehr stabilisieren», fügte Waller hinzu.

Auch die Märkte scheinen mittlerweile so zu denken. Letzte Woche machte der Anleihenmarkt von sich reden, als die Renditen vieler langjähriger Staatsanleihen rekordverdächtig schnell in die Höhe schossen. Das bedeutet unter anderem, dass Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer glauben, dass in Zukunft höhere Inflation herrschen wird. Sie wollen daher für diese höheren Risiken entschädigt werden.

Trump will tiefere Zinsen

Das Ganze dürfte dem US-Präsidenten nicht gefallen. Immer wieder attackierte er in der Vergangenheit den kürzlich aus dem Amt geschiedenen Fed-Präsidenten Jerome Powell, er habe die Zinsen nicht genug gesenkt. Jetzt zeigt sich: Powell hat wohl das Richtige getan. Und sein Nachfolger, der letzte Woche ins Amt gekommene und von Trump nominierte Kevin Warsh, scheint also gut beraten, nicht voreilig von diesem Kurs abzukommen.

Amerikanerinnen und Amerikaner scheinen derweil die hohe Inflation deutlich zu spüren, insbesondere an der Zapfsäule:
Die Benzinpreise stiegen in den USA im April um 12,3 Prozent. Seit Beginn des Krieges Ende Februar sind es gar 50 Prozent.

Die Konsumentinnen und Konsumenten haben den am Donnerstag veröffentlichten Daten zufolge daher bereits begonnen, ihre Ausgaben zu drosseln. Inflationsbereinigt stiegen diese im April um lediglich 0,1 Prozent – angesichts des Wachstums in der Wirtschaft und der Preise ein sehr tiefer Wert. Gleichzeitig stagnieren die Einkommen und die Sparquote fiel auf den niedrigsten Stand seit Juni 2022.

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