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Nestlés neues Fitnessband für 6-Jährige misst Herzfrequenz – Firma erntet prompt Kritik

Der Nahrungsmittelgigant hat im Ausland ein elektronisches Band für Kinder lanciert, um sie zu mehr Bewegung zu motivieren. Die Eltern erhalten die Daten auf ihr Handy. Eine Marketingexpertin und eine Psychologin finden das keine gute Idee.

Benjamin Weinmann / ch media



Fitness-Armbänder haben in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Sie zählen die Anzahl Schritte, die Distanz beim Joggen oder die verbrannten Kalorien. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat für diese so ­genannten «Wearables» eine neue Kundschaft ausgemacht: Kinder.

Auch sie sind Kunden von Nestlé: Sechs- bis zwölfjährige Kinder, die der Nahrungsmittelmulti mit Fitnessarmbändern ausrüsten will.

Auch sie sind Kunden von Nestlé: Sechs- bis zwölfjährige Kinder, die der Nahrungsmittelmulti mit Fitnessarmbändern ausrüsten will. Bild: shutterstock.com

In Australien hat der Hersteller von Thomy-Mayonnaise, Nespresso-Kaffee und Kitkat-Schokolade kürzlich ein Fitnessband für Kinder namens «Milo Champ Band» lanciert. Weitere Märkte in Südamerika und Südostasien sollen bald folgen. Einem kleinen Kreis von Journalisten stellte Nestlé-Geschäftsleitungsmitglied Stefan Palzer die Innovation kürzlich am Hauptsitz in Vevey vor. Auch CH Media war dabei.

«Mit diesem Gerät können Mütter die Bewegung ihrer Kinder kontrollieren und schauen, ob das Kind aktiver sein sollte», sagt Palzer, der bei Nestlé für die technologische Entwicklung zuständig ist.

Das Konzept funktioniert so: Eltern kaufen das Fitnessband für umgerechnet knapp 30 Franken und downloaden die entsprechende App. Dort geben sie den Spitznamen ihres sechs- bis zwölfjährigen Kindes ein, dessen Geburtsdatum und Geschlecht.

Elektronische Abzeichen als Belohnung

Nestlé verspricht auf der Website, dass das Kind mit dem Armband nicht lokalisiert werden kann. Das elektronische Armband zählt die Schritte der Kinder und sogar ihren Herzschlag. Nestlé argumentiert, das Produkt diene der Förderung eines gesunden Lebensstils der Kinder.

Um die jungen Kunden zu mehr Bewegung und Sport anzuregen, erhalten sie je nach Bewegungshäufigkeit elektronische Abzeichen. Sie können einen elektronischen Avatar kreieren, erhalten Tipps von einem virtuellen Trainer und können mit anderen Kindern wetteifern, wer sportlicher ist.

Nestlé wearable

Armband, App und Avatar: Nestlés «Milo Champ Band». Bild: zvg

Doch wie glaubwürdig ist der Absender? Milo ist eine grosse Nestlé-Marke in Ozeanien, Südamerika, Südostasien und in Teilen Afrikas für Schokoladen- und Malz-Getränke, Frühstücks­flocken und Snackriegel. Das Unterwegs-­Getränk «Milo 2 Go» à 200 Milliliter, das einen sportlichen Jungen auf der ­Verpackung zeigt, weist pro 100 Milliliter 8.4 Gramm Zucker auf.

Adrienne Suvada, Dozentin für Marketing-Management an der Zürcher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften, ist angesichts Nestlés Strategie nicht überrascht: «Viele Hersteller von Cerealien und Schokogetränken positionieren ihre Produkte als Nahrungsmittel für sportliche Kinder. Insofern ergibt Nestlés Armband Sinn, auch wenn die stark zuckerhaltigen Produkte natürlich nie so gesund sind wie ein Apfel.»

«Dann wird es heikel...»

Dennoch übt Suvada Kritik: «Wenn Grosskonzerne wie Nestlé mit sehr sensiblen Daten wie dem Herzschlag von Kindern operieren, wird es sehr heikel.» Vielen Eltern dürfte dies nicht gefallen. Zudem sei es auch ein Image-Risiko für Nestlé, sollte es zu einem Datenmissbrauch kommen.

Ein Nestlé-Sprecher sagt, dass die Datensicherheit «höchste Priorität» habe. Die Daten blieben auf der App ­verschlüsselt. «Sobald sie gelöscht wird, werden die Daten auch gelöscht.» Die Auswertung der gespeicherten Daten diene nur der Verbesserung der App und würde nicht an Dritte weitergegeben. «Unser Cyber-Sicherheitsteam verwendet die modernsten Verschlüsselungsstandards.»

Gesundheitspsychologin Liliana Vas von der Fernfachhochschule Schweiz meldet Bedenken an: «Unsere Gesellschaft trimmt unsere Kinder dazu, schlank und rank zu sein.» Viele Kinder, die übergewichtig seien, würden ausgegrenzt. «Ein solches Fitnessband hilft nicht, insofern finde ich es sehr heikel.» Bewegung sei gut, aber das Ganze solle ein Spiel bleiben und Spass machen.

Vorerst nicht in Europa – aber...

Für sportliche Kinder ab 10 Jahren möge ein solches Band sinnvoll sein, sagt Vas. «Aber sicher nicht für 6-Jährige. Sie sollten nicht in einem ständigen Wettkampf mit anderen Kindern sein und sich über ihre Schrittzahlen sorgen, das führt bloss zu Stress.» Die Psychologin nimmt die Eltern in die Pflicht. Sie würden in der Regel gut abschätzen können, ob ihr Kind sich genügend bewege.

Ausserdem sei es für das Vertrauensverhältnis zwischen dem Kind und den Eltern nicht förderlich, wenn es sich ständig überwacht fühle. In Europa ist eine Lancierung des «Milo Champ Band» laut eines Sprechers nicht geplant, da hier die Marke Milo nicht verkauft wird. Doch Nestlé hat viele Marken. (aargauerzeitung.ch)

Nestlé immer wieder in der Kritik. Das ist die Geschichte

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hans Jürg 26.02.2020 10:06
    Highlight Highlight Egal, welche Firma. Egal welches Produkt. Egal ob es sinnvoll ist oder nicht. Egal wie wichtig oder unwichtig es ist. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche:

    Es gibt IMMER einen Shitstorm. Es gibt immer Leute, die sich darüber aufregen.

    (und es gibt immer Medien, die dies gerne transportieren...)
  • bogan 25.02.2020 18:57
    Highlight Highlight Was für eine dumme Idee. JA, Kinder sollen sich mehr bewegen. Aber Bewegung im Spiel, Bewegung um die Grobmotorik und Koordination zu verbessern und Bewegung der Bewegung zuliebe. Sicher nicht Bewegung um solche externen Belohnungen zu bekommen. Sowas zerstört die intrinsische Motivation sich zu bewegen. Bewegung soll Spass machen. Völlig kontraproduktiv diese Idee.
  • P. Meier 25.02.2020 11:36
    Highlight Highlight Wenn in einem Sportverein das Tragen von Schmuck, Armbändern usw. nicht gestattet ist, wird die Aktivitätserfassung aber stark verfälscht. Sprich, dann müssen die Kids nach dem Training nochmal das nicht erfasste Training anderweitig nachholen.
  • Jeremy Liquidpsy 25.02.2020 10:53
    Highlight Highlight Und wo liegt jetzt genau das problem ??

    Die meisten kinder sind doch eh schon auf social media unterwegs. Dort werden viel seniblere daten preisgegeben als bloss der herzschlag..

  • MGPC 25.02.2020 10:23
    Highlight Highlight Und in 40 Jahren werden mich meine Enkel fragen. Opa, erzählst du uns nochmal die Geschichte von der Zeit als ihr euch noch selbst bestimmen konntet. Und von diesen Orten wo ihr immer mit Mama wart. Wie hiess das noch? Spielplätze? Oder Fussballplätze? 🤦🏻‍♂️
  • Hardy18 25.02.2020 10:00
    Highlight Highlight Wenn man ein bisschen weiss wie ein gesundes Kind aussieht, auch im guten Wissen ist das es nicht nur Frist und sich ständig bewegt, braucht auch keine Technik.
    Und wer nicht erkennt das dass eigene Kind irgendwie, doch ein klein wenig FETT ist, sollte dann auf den Arzt hören. Aber meistens sind die Eltern nicht besser dran. 🙄
  • Robin Le Chapeau 25.02.2020 07:49
    Highlight Highlight Immer wenn ich denke, der Tiefpunkt vom Blödsinn ist erreicht und es kann nur noch aufwärts gehen, kommt wieder so eine Nachricht welche vom unendlichen Schwachsinn zeugt, der die Menschheit aufgrund von "money money money-Profit", kreiert... wie degeneriert ist denn das... ein Fitnessband für Kinder. Mir kommt das K***en.
  • who cares? 25.02.2020 07:33
    Highlight Highlight Ich finde ja auch, dass Kinder sich durch draussen spielen, sportliche Aktivitäten in der Familie und Sportvereine gesund und normalgewichtig halten sollten. Und bei normaler Ernährung funktioniert das auch und keine Schritte müssen gezählt werden und kein Herzschlag überwacht. Aber "Unsere Gesellschaft trimmt unsere Kinder dazu, schlank und rank zu sein" ist meiner Meinung nach nicht wahr, wenn man die steigende Anzahl übergewichtiger Kinder anschaut.
  • Nick Name 25.02.2020 06:48
    Highlight Highlight Ein Nahrungsmittelkonzern will Elektronik und ein «Fitnessarmband» für Kinder verkaufen.

    Jaja, das ist völlig normal. Die sorgen sich wüki nur um die Gesundheit der Kinder und handeln völlig altruistisch.

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