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Die Konföderierten-Flagge weht unterhalb der US-Flagge: Szene eines NASCAR-Rennens in Alabama.
Die Konföderierten-Flagge weht unterhalb der US-Flagge: Szene eines NASCAR-Rennens in Alabama.Bild: www.imago-images.de

Der Streit um die Konföderierten-Flagge in den USA in 5 Punkten

Bei den Autorennen der NASCAR-Serien in den USA darf die Konföderierten-Flagge nicht mehr gezeigt werden.
11.06.2020, 16:1711.06.2020, 17:02

Was ist entschieden worden?

Bild: AP

Bei allen NASCAR-Anlässen ist es verboten, die Konföderierten-Flagge zu zeigen. Die Organisatoren der beliebtesten Motorsport-Serie der USA schreiben: «Die Anwesenheit der Konföderierten-Flagge bei NASCAR-Veranstaltungen widerspricht unserer Verpflichtung, ein inklusives Umfeld für alle unsere Fans, Teilnehmer und unsere Industrie zu bieten»

Wieso ist die Flagge umstritten?

Kurz erklärt: Warum es zum Bürgerkrieg kam.

Sie ist in den Augen vieler ein Symbol für Rassismus und Unterdrückung. Die konföderierten Südstaaten hatten von 1861 bis 1865 im Amerikanischen Bürgerkrieg gegen den Norden gekämpft. Sie hatten sich von der Union abgespalten, um die Abschaffung der Sklaverei und mehr Rechte für Schwarze zu verhindern. Die Konföderierten verloren den Sezessionskrieg gegen den numerisch und technisch überlegenen Gegner.

Heute wird die Flagge von den einen stolz in Erinnerung an gefallene Vorfahren gezeigt, von anderen aber auch als trotziges Symbol dafür benutzt, um auszudrücken, dass man sich im Süden vom Norden bevormundet fühlt. Dass man nicht einverstanden ist, wie sich die Dinge entwickelt haben, oder im Extremfall damit, dass nicht mehr alles wie früher ist, als Schwarze auf den Baumwollplantagen noch wie Vieh behandelt werden durften.

Warum gerade jetzt?

Auslöser der aktuellen Debatte ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd, der bei einem brutalen Polizeieinsatz sein Leben verloren hat. Seit Tagen gibt es in den USA – und auch in anderen Ländern – Proteste und Demonstrationen gegen Rassismus.

In der NASCAR-Serie hatte Bubba Wallace ein Verbot der Konföderierten-Flagge gefordert. Er ist der einzige schwarze Rennfahrer. Gestern Abend äusserte er sich vor dem Start in Ridgeway (Virginia) erfreut darüber, dass seine Forderung umgesetzt wurde. Wallace trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck «I Can't Breathe» und fuhr in seinem Chevrolet in einem speziellen «Black Lives Matter»-Design auf Rang 11.

Bubba Wallace vor seinem Chevrolet …
Bubba Wallace vor seinem Chevrolet …Bild: keystone
… und in seinem Gefährt mit Spezial-Design.
… und in seinem Gefährt mit Spezial-Design.Bild: keystone

Wie fallen die Reaktionen aus?

NASCAR-Präsident Steve Phelps sagte noch vor dem Verbot der Flagge am Sonntag: «Unser Land leidet, und die Menschen sind zu Recht wütend und verlangen, gehört zu werden. Die schwarze Gemeinschaft und alle farbigen Menschen haben in unserem Land gelitten, und es hat viel zu lange gedauert, bis wir ihre Forderungen nach Veränderung gehört haben. Unser Sport muss besser werden. Unser Land muss es besser machen.»

Der siebenfache NASCAR-Champion Jimmie Johnson sagte gestern, er unterstütze das Anliegen von Konkurrent Bubba Wallace: «Die Konföderierten-Flagge sollte nicht an unseren Rennstrecken zu sehen sein.»

Die Zusammenfassung des gestrigen Rennens.

«Ich bin wirklich stolz auf das, was er tut, auf die Anstrengungen, die er unternimmt, und darauf, dass er irgendwie die Führung übernehmen will», sagte Ryan Blaney, nachdem er gestern Abend Zweiter wurde. Er ist ein Freund von Wallace und betonte, dass er mit seinem Support nicht alleine sei: «Ich stehe hinter ihm. Eine Menge Leute stehen hinter ihm. Nicht nur die Fahrer, sondern auch viele Teams. Die Besatzungsmitglieder. Das Auto, das er heute Abend fuhr, war grossartig.»

Nun liegt es in der Natur der Sache, dass sich ein Pilot nicht abschätzig über einen Entscheid der Rennserie äussert. Blickt man bei Twitter auf die Antworten zum NASCAR-Tweet – nichts anderes als eine Kommentarspalte –, wird man dort wenig überraschend mit gegenteiligen Meinungen konfrontiert. «Ihr habt euch in diesem Kampf für die falsche Seite entschieden», heisst es da etwa, oder auch: «Das war der letzte Tropfen. Ihr habt einen wertvollen Kunden verloren» oder «Aber ich wette, die dürfen ihre Regenbogen-Flagge weiterhin flattern lassen».

Was sagt Donald Trump?

Trump führt das Feld an: Im Februar war der US-Präsident Ehrengast beim legendären Rennen Daytona 500.
Trump führt das Feld an: Im Februar war der US-Präsident Ehrengast beim legendären Rennen Daytona 500.Bild: AP

Der US-Präsident hat sich nicht direkt zum Flaggenverbot in der NASCAR-Serie geäussert. Allerdings ist diese Diskussion auch nur ein Teil einer grossen Debatte über Symbole für die rassistische Vergangenheit. Und zu der hat sich Trump gestern geäussert. Er twitterte, dass es Pläne gebe, «zehn unserer legendären Militärbasen» umzubenennen. Trump stellte klar, dass das unter seiner Führung kein Thema sei, man werde noch nicht einmal darüber nachdenken. Die Basen seien Monumente und Teil des grossen amerikanischen Erbes, sie stünden «für Siege und Freiheit».

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Aus für die Südstaaten-Flagge

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Aus für die Südstaaten-Flagge
quelle: ap/ap / john bazemore
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Was struktureller Rassismus ist und warum es ihn auch in der Schweiz gibt

Video: watson

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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PsychoP
11.06.2020 19:25registriert April 2020
Da wird aber einer auf die Barrikade oder seine inexistente Mauer steigen wenn sein Schmusetuch jetzt auch noch verboten wird.
Trumps Staatsstreich: So könnte er seine Abwahl verhindern
Da wird sich sicher in seinem Gefolge ein speichelleckender Dixie finden, der ihm Nachhilfe in Geschichte erteilt und ihn dann noch auf die Idee bringt auf den Spuren von Jefferson Davis zu wandeln und die konföderierten Staaten erneut zu gründen.
Seine Rednecks und Hillbillies werden ihm ja sicher begeistert zu Diensten sein.
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dmark
11.06.2020 16:53registriert Juli 2016
Die Einen habe ihre Flagge und wir haben Mohrenköpfe...
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Madison Pierce
11.06.2020 16:59registriert September 2015
Da wird ein grosses Fass aufgemacht...

Es ist nicht so einfach mit gut und böse wie es sich gewisse Leute vorstellen. Der "gute" Norden hat zwar die Sklaverei abgeschafft, dafür war man mit den Indianern nicht zimperlich. Die Flagge der Union ist für sie nicht weniger diskriminierend als die Konföderiertenflagge für die Schwarzen. Und wenn man die Statuen von General Lee abräumt, müsste man auch die von General Custer und Präsident Grant entfernen.
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Paris Hilton war ein Eishockey-Talent – 25 Promis mit einer Sport-Karriere
Sie sind heute Politiker oder Schauspielerin, sie verdienen ihr Geld mit Musik oder sind zur Fürstin aufgestiegen. Und sie eint eines: Bevor sie in ihrer Branche Erfolg hatten, waren sie mehr oder weniger talentierte Sportler.

Als berühmtestes «It-Girl» der Welt war Paris Hilton zu Beginn des Jahrtausends urplötzlich in aller Munde, obwohl niemand richtig wusste, weshalb. Weniger bekannt als ihre TV-Soap («The Simple Life»), ihre Musik («Stars Are Blind») oder ihr Sextape («1 Night In Paris») ist die Tatsache, dass die heute 41-jährige Amerikanerin auch eine (zugegeben: eher etwas bescheidene) Sportkarriere hinter sich hat. Paris Hilton spielte in der Highschool Eishockey. Sie veröffentlichte ein Team-Foto und besitzt ein Profil auf dem führenden Eishockey-Portal «eliteprospects.com».

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