Astronomie
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Fast radio bursts: Animation showing the randomness of FRBs.
https://vimeo.com/146295242Fast radio bursts: Animation showing the randomness of FRBs.
https://vimeo.com/146295242

Die Animation zeigt die scheinbar zufällige Verteilung der Quellen von bisherigen schnellen Radioblitzen. GIF: NRAO Outreach/Vimeo

Rätselhafte Radioblitze aus den Tiefen des Alls verblüffen Astronomen



Sie gehören zu den grössten Rätseln der Astrophysik: Schnelle Radioblitze – sogenannte Fast Radio Burst (FRBs) – dauern nur wenige Millisekunden, setzen dabei aber so viel Energie frei wie die Sonne in 10'000 Jahren. Die Astronomen wissen nach wie vor nicht, was diese Radioblitze auslöst und woher genau sie kommen.

Die allermeisten dieser energiereichen Ereignisse wiederholen sich nicht – darum ist es auch so schwierig, sie zu analysieren und ihre Herkunft zu ermitteln. Bisher kannten die Forscher nur gerade zwei sogenannte «Repeater», also FRBs, die wiederholt blitzen: FRB 121102 und – erst seit wenigen Monaten bekannt – FRB 180814. Doch nun könnte die Wissenschaft den rätselhaften Radioblitzen näher auf die Spur kommen: Kanadische Astronomen haben, wie das Wissenschaftsmagazin «Science Alert» berichtet, gleich acht Repeater entdeckt.

Fast Radio Burst (FRB) 121102

Die Quelle des ersten aufgefangenen wiederholten Radioblitzes FRB 121102. Bild: Gemini Observatory/AURA/NSF/NRC

Die Astronomen um Bridget Andersen und Emmanuel Fonseca von der McGill University hatten den Nordhimmel mit dem Radioteleskop des «Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment» (CHIME) durchforstet und die Signale zwischen August 2018 und März 2019 aufgefangen, wie sie auf ArXiv.org vermelden. Damit beträgt die Anzahl der bekannten Repeater zehn, was ein Indiz dafür ist, dass diese spezifischen FRBs häufiger sind, als man bisher angenommen hatte.

Radioteleskop Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment (CHIME)

Das CHIME-Radioteleskop in der kanadischen Provinz British Columbia. Bild: chime-experiment.ca

Kosmisches Flackern

Der Befund der kanadischen Astronomen deutet darauf hin, dass manche der wiederholten FRBs intensiver sind als andere. Zwei der Repeater – FRB 180916 und FRB 181119 – sendeten mehr als zweimal, nämlich zehn- beziehungsweise dreimal. Die längste Pause zwischen den Ausbrüchen dauerte 20 Stunden.

Bei der mit zehn Ausbrüchen besonders aktiven Quelle folgten die Signale phasenweise: Die Quelle sendete, verstummte darauf mehrere Stunden und sendete dann erneut mehrmals hintereinander – ein Muster, das bereits vom ersten bekannten Repeater FRB 121102 bekannt war. Die neuen Daten zeigen überdies, dass die einzelnen Signale der Repeater jeweils ein wenig länger dauerten als Ausbrüche von FRBs, die nur einmal blitzten. Die Forscher stellten zudem fest, dass die Frequenz der Signale nach den ersten Ausbrüchen merklich abnahm. Die Astronomen sind sich noch nicht im Klaren, wie diese Befunde zu deuten sind, erhoffen sich aber Hinweise auf die Natur der Radioblitze.

So könnte es sein, dass die Repeater womöglich eine andere Ursache als die einmaligen FRBs haben. Letztere könnten beispielsweise durch die Verschmelzung von zwei Neutronensternen entstehen – ein Vorgang, der sich naturgemäss nicht an derselben Stelle wiederholt. Repeater hingegen haben möglicherweise mit rotierenden Neutronensternen zu tun, die ein extrem starkes Magnetfeld aufweisen – sogenannte Magnetare.

Künstlerische Darstellung eines Magnetars.

Künstlerische Darstellung eines Magnetars. Bild: NASA

Botschaften von Aliens?

Wie immer, wenn es um Signale aus den Tiefen des Alls geht, stellt sich die Frage: Könnten sie künstlichen Ursprungs sein, also das Produkt einer ausserirdischen Zivilisation? Wer allerdings hofft – oder je nach Standpunkt – befürchtet, dies könnte hier der Fall sein, wird sich den Vorwurf des übertriebenen Optimismus oder eben Pessimismus gefallen lassen müssen. Ausschliessen lässt sich diese These zwar nicht einfach so, doch man sollte sich vor Augen halten, dass eine Annahme, die nicht widerlegt ist, deswegen noch lange nicht wahr sein muss.

Allein die gigantischen Energiemengen, die bei den FRBs im Spiel sind, verbieten eigentlich jeden Gedanken an einen künstlichen Ursprung dieser Radioblitze. Und der Astrophysiker Shriharsh Tendulkar von der McGill University dürfte mit seiner Einschätzung Recht behalten, die er anlässlich der Entdeckung von FRB 180814 abgab:

«Als Wissenschaftler kann ich das nicht zu 100 Prozent ausschliessen. Aber intelligentes Leben hat kein Astronom als Quelle dieser FRBs im Kopf.»

Fast Radio Burst (FRB)

Schnelle Radioblitze sind Ausbrüche von wenigen Millisekunden Dauer im Bereich der Radiostrahlung. Sie werden auch als Blitzar oder Extragalactic Fast Radio Transient bezeichnet; letzteres verweist auf den vermutlich extragalaktischen Ursprung der Radioblitze. FRBs sind seit 2006 bekannt. Damals wurde in Archivdaten ein Radioblitz entdeckt, der bereits fünf Jahre zuvor von einem australischen Radioteleskop aufgefangen worden war. Als mögliche Ursachen für die Ausbrüche sind diverse Theorien im Umlauf, von denen die meisten einen Zusammenhang mit Neutronensternen postulieren. Beispielsweise könnten sie durch den Zusammenbruch des Magnetfelds eines Neutronensterns durch eine nahe Supernova-Explosion entstehen oder durch die Verschmelzung zweier Neutronensterne in einem engen Doppelsternsystem.
Andere Theorien sehen FRBs als Folge einer Verschmelzung zweier Weisser Zwerge oder der Verdampfung eines Schwarzen Lochs.

abspielen

«Mysterious Signals Are Coming From Space — No One Knows Why.» Video: YouTube/Tech Insider

(dhr)

So schön sieht ein «Blut-Blau-Super-Mond» aus

Video: srf

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die besten Bilder vom Mars. Eine Raumfahrt-Geschichte

Baby-Galaxien

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die galaktische Hochzeit der Milchstrasse mit Andromeda hat schon begonnen

Unsere Heimatgalaxie, die Milchstrasse, und die «nur» 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromeda-Galaxie (M31) sind mit Abstand die beiden schwersten Gebilde in der sogenannten Lokalen Gruppe, quasi unserer Ecke des Universums. Und die beiden Giganten sind auf Kollisionskurs: Sie rasen mit einer Geschwindigkeit von 110 Kilometern pro Sekunde aufeinander zu und werden unweigerlich aufeinandertreffen. Zu allem Überfluss könnte auch noch die kleinere Dreiecksgalaxie (M33), die sich ebenfalls …

Artikel lesen
Link zum Artikel