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Ausserirdische Botschaft oder irdischer Störsender? Signal aus dem All alarmiert Astronomen



Es kam aus der Richtung des Sterns HD 164595 im Sternbild Herkules: ein auffälliges, starkes Signal, das – wie seine Entdecker angaben – von einer intelligenten Quelle stammen könnte. Das mysteriöse Signal wurde bereits am 15. Mai 2015 (Sternzeit 18:01:15.65) von russischen Astronomen aufgefangen, aber erst am vergangenen Wochenende machte der Astronom Paul Gilster die Entdeckung auf seiner Website bekannt.

Das potentielle SETI-Signal des Ratan-600-Radioteleskops

Deutlicher Ausschlag: Das Signal aus potenziell intelligenter Quelle. Diagramm: Bursov et al.

Das Team um Nikolaj Bursow fing das Signal auf einer Wellenlänge von 2,7 cm mit dem grössten Radioteleskop der Welt auf: Das Ratan-600-Radioteleskop des Selentschuk-Observatoriums steht in der russischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien im Kaukasus und hat einen Durchmesser von 576 Metern. In den rund 15 Monaten seit seiner Entdeckung ist das Signal jedoch kein einziges weiteres Mal aufgefangen worden. 

«Bei SETI gibt es immer das Problem, dass du eine Zivilisation hast, die Signale jederzeit verfälschen kann – und zwar die Menschheit.»

SETI-Direktor Shostak

Ratan 600, das grösste Radio-Teleskop der Welt

Das grösste Radioteleskop der Welt: Das Ratan-600 in Selentschukskaja.  Bild: infoglaz.ru

Schmalband-Signal für Kommunikationsinhalte

Laut den russischen Astronomen entspricht das Signal einem Schmalband-Signal, das sich besonders als Trägermedium für Kommunikationsinhalte eignet. Mit einer Frequenz von elf Gigahertz entspricht es dem Profil des internationalen SETI-Standards – das Akronym SETI steht für «Search for Extraterrestrial Intelligence» (Suche nach extraterrestrischer Intelligenz) – für eine Übertragung einer ausserirdischen Quelle. 

Ob das Signal wirklich von einer extraterrestrischen Zivilisation gesendet wurde, oder ob es kosmische oder irdische Ursachen hat, ist derzeit aber noch unklar. Eine mögliche Erklärung wären beispielsweise irdische Radiointerferenzen. SETI-Direktor Seth Shostak kommentiert dies mit dem Spruch: «Bei SETI gibt es immer das Problem, dass du eine Zivilisation hast, die Signale jederzeit verfälschen kann – und zwar die Menschheit.» Möglich wäre aber auch ein Mikrolinseneffekt – dabei werden gestreute Signale durch den Gravitationseffekt einer grossen Masse gebündelt.

«Und es ist auch kaum zu verstehen, warum jemand ausgerechnet unser Sonnensystem mit einem starken Signal ins Visier nehmen sollte.»

SETI-Direktor Shostak

HD 164595 ähnelt unserer Sonne

Dennoch hat die Entdeckung die internationale SETI-Gemeinde elektrisiert. Mehrere Observatorien, darunter das amerikanische SETI-Institute, haben den Ursprungsort des Signals ins Visier genommen. Und dieser ist es, der das Signal besonders interessant macht: Die Sonne HD 164595 ist ein 4,5 Milliarden Jahre alter, sonnenähnlicher Stern mit 0,99 Sonnenmassen, der «nur» 94,5 Lichtjahre von uns entfernt ist. 

Zudem wird diese ferne Sonne von mindestens einem Exoplaneten (HD 164595 b) umkreist. Dieser Trabant, ein Gasplanet von 0,05 Jupitermassen, ist rund 16-mal massereicher als die Erde. Er zählt zur Klasse der «warmen Neptune» – warm deshalb, weil er sein Zentralgestirn in relativ geringem Abstand in nur 40 Tagen umrundet. 

Unvorstellbare Energiemengen

Sollte es sich tatsächlich um ein Signal einer ausserirdischen Zivilisation handeln, hätte diese eine enorme Energiemenge dafür aufwenden müssen. Falls es kugelförmig in alle Richtungen abgestrahlt wurde, wäre eine Leistung von 1020 Watt notwendig. «Das ist das Hundertfache der Gesamtenergie, die von der Sonne auf die Erde trifft», erklärte Shostak im New Scientis»

Seth Shostak, Direktor SETI-Institute

Seth Shostak, Direktor des SETI-Institute. Bild: Spaceanswers.com

Wenn es dagegen zielgenau auf die Erde gerichtet wurde, wäre die benötigte Energiemenge mit 1013 Watt zwar bedeutend geringer, aber immer noch beeindruckend. Es wäre nämlich laut Shostak immer noch die Energiemenge, die wir als gesamte Menschheit verbrauchen: «Das ist mehr oder weniger die ganze Energie, die von der Menschheit benötigt wird – alle Autos, alle Flugzeuge, alle elektronischen Geräte, alles.»

Fortgeschrittene Zivilisationen

Eine Zivilisation, die in der Lage wäre, ein solches zielgerichtetes Signal zu senden, müsste somit in der Lage sein, sämtliche Energiequellen eines Planeten anzuzapfen. Das entspräche nach der Kardaschow-Skala einer Zivilisation vom Typ I. Die Menschheit schafft gemäss dem amerikanischen Astronomen Carl Sagan (1934-1996) rund 70 Prozent davon – wir sind gewissermassen noch eine Zivilisation des Typs 0. 

This undated handout photo provided by Seth Shostak, SETI Institute, shows the Arecibo radio telescope in Puerto Rico. The world’s largest single antenna, it has a million watt transmitter. Astronomers have their own cosmic version of the single person’s Valentine’s Day dilemma: Do you wait for that interesting person to call you or do you make the call yourself and risk getting shot down. Their version involves E.T. Instead of  love, astronomers are looking for life out there in the universe. For decades, astronomers have sat by their telescopes, listened and waited for a call from E.T. only to be left alone. So now some of them want to aim their best radars and lasers out to the sky to say “We’re here, call us” to the closest few thousand worlds. They can bring us all sorts of new technologies and answers to burning questions, some hope. (AP Photo/Seth Shostak, SETI Institute)

Die derzeit grösste Sendeanlage der Menschheit: Das Radioteleskop von Arecibo kann auch Signale ins All schicken.   Bild: AP/SETI Institute

Ein ungerichtetes Signal senden könnte dagegen nur eine Zivilisation, die mindestens dem Kardaschow-Typ II entspräche: Sie müsste über die gesamte Energie ihres Zentralgestirns – etwa 4 x 1037 Watt – verfügen. «Beide Szenarien erfordern eine Leistung weit, weit über derjenigen, die wir selber erbringen könnten» kommentierte Shostak auf der SETI-Website. «Und es ist auch kaum zu verstehen, warum jemand ausgerechnet unser Sonnensystem mit einem starken Signal ins Visier nehmen sollte.»

Gibt es ausserirdisches Leben?

Die Observatorien, die in den letzten Tagen den Stern HD 164595 abgehorcht haben, sind bisher nicht fündig geworden: Das Signal, wenn es denn nicht ohnehin ein Fehlalarm ist, scheint vorerst verstummt zu sein.

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Quiz: Kennst du unser Sonnensystem?

Quiz
1.Unser Mond ist bei grösster Distanz rund 406'000 Kilometer von der Erde entfernt. Welche der anderen sieben Planeten hätten dann zwischen Erde und Mond Platz?
Bild zur Frage
Die fünf kleinsten.
Die fünf kleinsten.
Die sechs kleinsten.
Die sechs kleinsten.
Alle sieben.
Alle sieben.
2.Bis auf Merkur und Venus haben alle Planeten in unserem Sonnensystem Monde. Welcher ist der grösste?
Bild zur Frage
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Titan
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Ganymed
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Ganymed
Kallisto
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Kallisto
3.Welcher Planet ist kleiner als der grösste Mond?
Sonnensystem, Planeten
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Merkur
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Merkur
Venus
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Venus
Mars
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Mars
4.Jupiter ist der grösste der Planeten in unserem System. Wie gross ist sein Anteil an der Gesamtmasse aller Planeten?
Jupiter
Shutterstock
37 Prozent
52 Prozent
71 Prozent
5.Ein anderes Bild entsteht, wenn das Zentralgestirn, die Sonne, miteinbezogen wird. Wie gross ist deren Anteil an der Gesamtmasse des Sonnensystems?
Sonne
Shutterstock
69,84 Prozent
88,79 Prozent
99,86 Prozent
6.Nichts ist schneller als Licht. Doch benötigt es rund acht Minuten, um von der Sonne zu uns zu gelangen. Wie lange unterwegs ist aber ein Photon, das im Inneren der Sonne entsteht, bis es deren Oberfläche erreicht?
Sonne Eruption
Über 1 Million Jahre.
Über 10'000 Jahre.
Über 10 Jahre.
7.Der Mars ist kleiner als die Erde. Wie gross ist seine Oberfläche, wenn man sie mit der Erdoberfläche vergleicht?
Mars-erde-Grössenvergleich
Nasa
Wasserhalbkugel Erde, Wasserhemisphäre
Wikipedia
So gross wie die gesamte Wasserfläche der Erde.
Landhalbkugel Erde, Landhemisphäre
Wikipedia
So gross wie die gesamte Landfläche der Erde.
Eurasien
Wikipedia
So gross wie Europa und Asien zusammen.
8.Der Mars hat zwei kleine Monde, Phobos und Deimos. Welche der folgenden Aussagen zu den Marstrabanten ist frei erfunden?
Marsmonde Phobos Deimos
Die Oberfläche von Phobos ist so gross wie die Fläche von London.
Phobos ist derjenige Mond im Sonnensystem, der sich am nächsten zu seinem Planeten befindet.
Phobos wird auf seiner Umlaufbahn seinerseits von Deimos umkreist.
9.Unser anderer Nachbarplanet, die Venus, zeichnet sich durch eine spezielle Eigenschaft aus. Welche?
Bild zur Frage
Shutterstock
Sie hat nur am Südpol eine Eiskappe.
Sie besitzt kein Magnetfeld.
Der höchste Vulkan im Sonnensystem befindet sich auf der Venus.
10.Der Planet der Ringe, der Saturn, weist noch eine weitere Besonderheit auf. Welche ist es?
Saturn
Nasa
Er rotiert so langsam, dass ein Tag länger dauert als ein Jahr.
Er hat mehr Monde als der Jupiter.
Seine Dichte ist so niedrig, dass er auf Wasser schwimmen würde.
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