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Roger Federer verzichtet bei den French Open auf die Achtelfinals.
Roger Federer verzichtet bei den French Open auf die Achtelfinals.
Bild: keystone
Analyse

Federer verzichtet in Paris auf den Achtelfinal – das kostet Sympathien

Roger Federer lässt Worten Taten folgen und tritt bei den French Open nicht zu seinem Achtelfinal-Spiel gegen den Italiener Matteo Berrettini an. Sein Hauptaugenmerk gilt der Rasensaison und Wimbledon. Das kostet ihn Sympathien, ist aber konsequent. Eine Analyse.
06.06.2021, 16:3406.06.2021, 18:51
simon häring / ch media

Wie ein angezählter Boxer habe er sich gefühlt, bekannte Roger Federer um 2 Uhr Ortszeit in Paris, nachdem er sich nach über dreieinhalb Stunden hartem Kampf gegen den Deutschen Dominik Koepfer (27, ATP 59) für die Achtelfinals der French Open qualifiziert hatte. Obwohl der 7:6, 6:7, 7:6, 7:5-Krimi wegen der Ausgangssperre, die in Frankreich ab 21 Uhr in Kraft tritt, vor leeren Rängen stattfand, war es eine dieser Nächte, die Federer sentimental stimmten.

Weil er weiss, dass ihm nicht mehr viele dieser Momente bleiben. Viele glauben, er spielte nicht nur in Paris, um sich für Wimbledon vorzubereiten, sondern auch, um sich zu verabschieden.

Sagen würde er das natürlich nie, das Brimborium, das um ihn veranstaltet würde – es wäre unerträglich und würde ihn von dem ablenken, was ihn auf der Zielgeraden seiner Karriere noch antreibt: der Traum von einem letzten Triumph in Wimbledon. Es wäre bereits sein neunter.

Nach dem Erfolg gegen Dominik Koepfer sagte Federer: «Dieser Kampf wird Spuren hinterlassen, das ist völlig normal.» Interessant werde nun, wie der Körper auf die Belastung reagiere. Er stellte in Aussicht, nicht zu seinem Achtelfinal vom Montag gegen den Italiener Matteo Berrettini (25, ATP 9) anzutreten. Auch, weil er den Turniersieg als illusorisch taxiert hatte. Federer sagte: «Ich muss mich fragen: Für was soll ich ein Risiko eingehen, wenn ich das nicht muss? Wichtig ist, mich daran zu erinnern, wofür ich hierher gekommen bin, und was mein Ziel ist. Und das ist nicht, die French Open zu gewinnen.»

Federer vs. Koepfer: die Highlights der dritten Runde.

Ab übernächster Woche in Halle auf Rasen

Am Sonntag liess Federer den Worten Taten folgen und zog sich vom Turnier zurück. «Nach zwei Operationen und mehr als einem Jahr Rehabilitation ist es wichtig, dass ich auf meinen Körper höre und nichts überstürze.», Oder, um im Boxjargon zu bleiben: Federer warf das Handtuch. Schon nach dem Sieg gegen Marin Cilic hatte er gesagt: «Egal, wie das hier ausgeht: Es war die richtige Entscheidung, nach Paris zu kommen.» Er habe nicht damit gerechnet, drei Spiele bestreiten zu können. Federer testete Nerven und Körper und bestand mit Bravour.

Er zeigte auch, dass in diesem Sommer mit ihm zu rechnen sein wird.

Roger Federer träumt von einem letzten Erfolg in Wimbledon.
Roger Federer träumt von einem letzten Erfolg in Wimbledon.
Bild: AP/AP

Der Verzicht wird ihm deshalb leicht gefallen sein, auch wenn er ihm für einmal nicht unberechtigte Kritik einbringt und ihn Sympathien kostet.

Denn für die meisten Konkurrenten ist der Einzug in den Achtelfinal eines Grand-Slam-Turniers ein Höhepunkt, für den sie auch die Gesundheit opfern würde. Doch für Roger Federer gelten andere Massstäbe. Bei seinem 80. Grand-Slam-Turnier erreichte er zum 68. Mal mindestens die Achtelfinals. Sein Hauptaugenmerk aber liegt auf der Rasensaison mit Wimbledon ab Ende Juni. Seine Erfolge waren nur deshalb möglich, weil er nie davor zurückscheute, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Paris trifft es zum wiederholten Mal: 2016 verpasste Federer dort erstmals seit 1999 ein Grand-Slam-Turnier, nach 68 Teilnahmen in Folge. Bei den letzten fünf Austragungen war er viermal nicht dabei: 2019 erreichte er die Halbfinals, im letzten Herbst erholte er sich von seinen Knieoperationen. In den beiden Jahren zuvor hatte er aus freien Stücken verzichtet – weil ihm Wimbledon wichtiger war. Mats Wilander schrieb damals in der Sportzeitung «L’Equipe»: «Egal, was du für diesen Sport getan hast, du kannst nie genug tun, ihm zurückzuzahlen, was er dir gegeben hat. Roger hat eine Verantwortung gegenüber dem Sport die nie stirbt.»

Noch ist offen, ob die Familie Roger Federer wie hier 2016 nach Wimbledon wird begleiten können.
Noch ist offen, ob die Familie Roger Federer wie hier 2016 nach Wimbledon wird begleiten können.
Bild: KEYSTONE

Roger Federer war noch nie ein Freund von Halbheiten. Dass er in Paris nicht mehr antritt, ist konsequent und vorausschauend. Er hat von Anfang an offengelegt, welchen Stellenwert die French Open in diesem Jahr für ihn haben: jenen eines Vorbereitungsturniers, auch wenn ihm das in den nächsten Tagen in Frankreich noch um die Ohren fliegen könnte.

Ab der übernächsten Woche bestreitet Federer das Rasenturnier in Halle, das er schon zehn Mal gewinnen konnte, und das in diesem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wird. Danach bleibt ihm eine Woche Pause, bevor Wimbledon beginnt. Das Turnier, das er acht Mal gewonnen hat, und über das Federer einmal sagte: «Dort hat für mich alles begonnen.» Und wo vielleicht auch alles endet. Noch ist nicht restlos geklärt, ob ihn die Familie begleiten kann. Mit dem Rückzug in Paris gewinnt der vierfache Vater Zeit, die er mit den Liebsten verbringen kann.

Der Schwede Mats Wilander stimmt diesmal versöhnlichere Töne an. Gegenüber «Eurosport» sagte er: «Roger hätte schon viel früher das Handtuch werfen und sagen können: Wisst ihr was? Ich hatte genug Training für Wimbledon. Dass er es nicht tat, beeindruckt mich sehr.»

Nun warf Roger Federer bei den French Open in Paris zwar das Handtuch. Viel treffender aber wäre, zu sagen: Er spart es sich für Wimbledon auf.

Update: Diese Story wurde nach der definitiven Bekanntgabe von Roger Federers Forfait in Paris überarbeitet.

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