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Verdacht auf Menschenjagd im Bosnien-Krieg: Ermittlungen in Österreich

Auf der gefürchteten «Sniper Alley» in Sarajewo suchen Menschen im April 1993 Schutz vor serbischen Scharfschützen.
Während des Bosnien-Kriegs wurde auf Menschen in der belagerten Stadt Sarajevo geschossen.Bild: AP

Verdacht der «Menschen-Jagd»: Ermittlungen in Österreich

In Österreich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Verdächtige, die in sogenannte «Menschen-Safaris» während des Bosnien-Kriegs (1992-1995) verwickelt gewesen sein sollen.
20.05.2026, 15:2020.05.2026, 19:58

Das bestätigte das Justizministerium in Wien. Seit 25. April 2026 sei wegen dieses Verdachts ein Ermittlungsverfahren gegen «einen österreichischen Staatsbürger sowie einen weiteren bislang unbekannten Täter» anhängig. Aus ermittlungstaktischen Erwägungen gebe es derzeit keine weiteren Auskünfte, hiess es.

Im Bosnien-Krieg sollen wohlhabende Männer aus Europa jeweils Tausende Dollar bezahlt haben, um von serbischen Positionen aus Zivilisten in der damals belagerten Stadt Sarajevo zu erschiessen. Erzählungen über den angeblichen Abschuss-Tourismus kursieren in Sarajevo seit Jahren, handfeste Belege wurden bislang nicht veröffentlicht.

Auch in Italien wird wegen Vorwürfen in dem Zusammenhang ermittelt. Nach einer Anzeige des Schriftstellers Ezio Gavazzeni hatte die Mailänder Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts des mehrfachen Mordes aus niedrigen Beweggründen gegen unbekannte Täter aufgenommen.

Serbiens Staatspräsident weist Vorwürfe zurück

Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic hatte Ende 2025 Vorwürfe zurückgewiesen, damals an Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. «Ich habe noch nie von Safaris gehört, ich habe noch nie ein Scharfschützengewehr getragen», sagte Vucic damals in einer Talkshow des regierungstreuen Portals «informer.rs» auf eine entsprechende Frage zu den Vorwürfen, die bosnische Medien und Aktivisten erhoben hatten. Auf einer Video-Aufnahme ist Vucic – damals ein Gefolgsmann des serbischen Nationalisten und Kriegsverbrechers Vojislav Seselj – in einer serbischen Scharfschützenstellung über Sarajevo kurz zu sehen. Ob er bewaffnet war, ist in den Bildern nicht klar erkennbar.

Mehr als 10'000 Tote bei Belagerung von Sarajevo

Bei der Belagerung von Sarajevo durch bosnische Serben, Einheiten der damaligen jugoslawischen Armee und Paramilitärs starben mehr als 10'000 Menschen. Viele wurden damals von Heckenschützen getötet, die von hohen Gebäuden oder umliegenden Bergen aus wahllos auf Menschen schossen. (sda/dpa)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Chris_A
20.05.2026 15:36registriert Mai 2021
Für mich ist dieser ganz Krieg nach dem Zerfall von Jugoslawien nicht im Ansatz aufgearbeitet. Dort sind so viele Kriegsverbrechen begangen worden die bis heute nicht geklärt sind.
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Faktikus
20.05.2026 16:32registriert September 2023
Wohuuu und wen wunderts, mich nicht. Dieser Krieg war etwas vom graunhaftigsten was innnerhalb Europa passiert ist. Nach dem 2.WK mochte wohl niemand mehr hinsehen. Srebrenica. Ich spreche vom Kontinent, nicht von der Eurozone.
Ich bin in Kroatien gebiren in dr Schweiz aufgewachsen und es bricht mir immer von neuem das Herz..wenn irgendo andrs grad Krieg ist.
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stronghelga
20.05.2026 17:48registriert März 2021
In Berichten und Anzeigen werden genannt: Italiener, Franzosen, Deutsche, Briten, Belgier, Schweizer, Österreicher, Russen, Kanadier und US-Amerikaner.

Das beschriebene Muster:
1. Abreise am Freitag, oft aus Norditalien/Triest.
2. Flug oder Weiterreise nach Belgrad.
3. Weitertransport durch serbische/bosnisch-serbische Kontakte.
4. Zugang zu Stellungen um Sarajevo.
5. Schießen auf Zivilisten.
6. Rückkehr ins bürgerliche Leben.

Gemäss Zeugenaussagen, habe es eine Art „Preisliste“ gegeben, bei der Kinder die höchsten Preise erzielt hätten.

Quelle: Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ (2022).
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