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DEX16 - 20021122 - PARK CITY, UT, UNITED STATES : Switzerland's Michael Von Gruenigen holds up his skis after crossing the finish line of the men's Alpine Wolrd Cup Giant Slalom 22 November 2002 in Park City, Utah. Von Gruenigen won the race with a time of 2:23.08.  
EPA PHOTO AFPI/ROBERTO SCHMIDT

Schnauz und Siegerlächeln: Die Markenzeichen des Mike von Grünigen. Bild: EPA

Keiner fuhr schöner als er

Unvergessen

22.11.2002: Mike von Grünigen gelingt die Olympia-Revanche – der Grundstein zum letzten Erfolg seiner grossen Karriere

22. November 2002: Die Olympischen Spiele von Salt Lake City enden für den Schweizer Riesenslalom-Helden enttäuschend. Neun Monate später schlägt Mike von Grünigen auf dem gleichen Hang zurück. Der Sieg ist die Basis zum Gewinn des Riesenslalom-Weltcups.



Golden glänzen die zwei Medaillen von Sestriere und St.Anton im Vitrinenschrank von Mike von Grünigen. 1997 und 2001 gewinnt er die Titel im Riesenslalom, während Jahren ist er der Dominator dieser Disziplin. Entsprechend selbstbewusst reist der Schönrieder deshalb 2002 an die Olympischen Spiele von Salt Lake City – wo er enttäuschend abschneidet. Nur Rang 11 im Riesenslalom, dazu Rang 14 im Slalom. Nicht das, was sich von Grünigen und die Öffentlichkeit vorgestellt haben.

Was nun? Von Grünigen ist bereits 33-Jährig. Doch die Aussicht auf die Heim-WM in St.Moritz verlockt ihn dazu, nach der Olympia-Enttäuschung nicht zurückzutreten, sondern noch eine Saison anzuhängen. Eine Entscheidung, die sich lohnen sollte.

Die Schweizer Skirennfahrerin Sonja Nef, rechts, diskutiert am Montag, 18. Februar 2002 in Park City an den Olympischen Winterspielen 2002 mit ihrem Teamkollegen Michael von Gruenigen. Nef und von Gruenigen gehoeren zu den Favoriten in den olympischen Riesenslaloms und Slaloms. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Schweizer Favoriten: Mike von Grünigen und Sonja Nef beim gemeinsamen Spaziergang vor den Olympischen Spielen. Die Appenzellerin gewinnt im Riesenslalom Bronze. Bild: KEYSTONE

Die Form stimmt zu Beginn der neuen Saison

Im Prolog zur Saison auf dem Gletscher von Sölden wird von Grünigen Dritter. Die Verfassung stimmt also. Ende November geht es zu den Weltcup-Rennen in Übersee. Am 22. November 2002, einem Freitag, steht in Park City ein Riesenslalom auf dem Programm – auf dem gleichen Hang, auf dem nur neun Monate zuvor die Olympia-Rennen stattfanden.

Von Grünigen glückt die Revanche. Im oberen, flachen Streckenteil kommt er zwar nicht wunschgemäss auf Touren, dennoch resultiert Rang drei nach dem ersten Durchgang. «Ich kann halt nicht gleiten», kommentiert der Berner Oberländer trocken.

DEX21 - 20021122 - PARK CITY, UT, UNITED STATES : Switzerland's Michael Von Gruenigen races in the men's Alpine World Cup Giant Slalom 22 November, 2002 in Park City, Utah. Von Gruenigen won the race with a time of 2:23.08.  
EPA PHOTO AFPI/DON EMMERT

Angriffig unterwegs zum Sieg: Mike von Grünigen in Park City. Bild: EPA

Schlecht gefahren und trotzdem gewonnen

Auch der zweite Durchgang gelingt ihm gut. Von Grünigen setzt sich an die Spitze, seine Bestzeit hat auch nach den Fahrten von Max Blardone und Stephan Eberharter noch Bestand. Er siegt, zum dritten Mal schon in Park City und zum 21. Mal insgesamt im Weltcup.

Der Erfolg überrascht von Grünigen, er spricht von einem schlechten zweiten Durchgang. Doch die Kontrahenten fuhren auf der durch hohe Temperaturen wellig gewordenen Piste offensichtlich noch schlechter.

Austria's Christian Mayer, Switzerland's Michael Von Gruenigen and Austria's Benjamin Raich, left to right, stand on the podium after the America's Opening men's World Cup giant slalom race Friday, Nov. 22, 2002, in Park City. Utah. Von Gruenigen won; Mayer took second; and Raich finished third.  (AP Photo/Douglas C. Pizac)

Ein Podest, wie es immer aussehen sollte: Die Österreicher geschlagen, der Schweizer Sieger in der Mitte. Christian Mayer, Mike von Grünigen, Benjamin Raich (von links). Bild: AP

«Ich habe wohl ein wenig das richtige Timing verpasst …»

Ob der Triumph nicht neun Monate zu spät gekommen sei, wird er gefragt. «Nein, das ist vergessen», antwortet von Grünigen, er habe nun wenigstens die beiden Rennen vor und nach Olympia gewonnen. «Ich habe wohl ein wenig das richtige Timing verpasst …», kommentiert er etwas sarkastisch.

Der Österreicher Eberharter tröstet sich damit, dass er es war, der im Rennen der Winterspiele gewonnen hat. «In 20 Jahren wird man sich nicht an den Weltcup-, sondern an den Olympiasieger erinnern.» Nun, zwölf Jahre später erinnern zumindest wir uns auch immer noch gerne an Mike von Grünigen …

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Eine Fahrt wie ein Gedicht: Mike von Grünigen unterwegs zum Sieg in Adelboden 1996. Er fährt so perfekt, dass man meinen könnte, der Zielhang des Chuenisbärglis sei flach wie Holland. Video: Youtube/bardosilente

«Das Fossil und die Jugend»

Der Schweizer sagt nach dem Rennen, im Moment stimme bei ihm alles. Auch der Wechsel des Bindungsherstellers verursacht keine Probleme. «Das Fossil und die Jugend», titelt die «NZZ am Sonntag» nach dem Sieg über den Routinier. Erfahrung kompensiere vieles, meint der Erfolgsfahrer, der den jungen Gegnern immer noch oft vor der Sonne steht.

Als von Grünigen, der als Bub Vollwaise wurde, sein Weltcupdebüt gibt, fahren Pirmin Zurbriggen, Alberto Tomba und Marc Girardelli um die Siege im Riesenslalom. Selbst der alte Schwede Ingemar Stenmark ist immer noch da und gewinnt in diesem Winter zum 86. und letzten Mal ein Weltcuprennen. Wir befinden uns im Jahr 1989, von Grünigen ist noch keine 20 Jahre alt.

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«Wetten, dass …?»-Auftritt: Von Grünigen bezwingt 1997 in einem Parallelslalom den Snowboard-Vizeweltmeister Peter Bauer. Video: Youtube/Peter Lein

Abgang mit Kugel und Stil

Mit 46 Podestplätzen in Weltcup-Riesenslaloms (und zwei in Slaloms) wird Mike von Grünigen selber zu einer Legende. Über all die Jahre gelingt es ihm, sich nicht nur auf neue Gegner einzustellen, sondern auch auf eine sich ändernde Technik. Er, der weitherum als Fahrer mit dem schönsten Stil angesehen wird, muss auf die alten Tage auf den Carving-Schwung umstellen. Es gelingt ihm.

Von Grünigen siegt in der Saison 2002/03 nicht nur in Park City. Er gewinnt auch die Riesenslaloms in Val d'Isère und im koreanischen Yongpyong. Überlegen holt er sich zum Abschluss seiner Karriere noch einmal eine Kristallkugel für den Sieg im Disziplinen-Weltcup, vor Bode Miller und Hans Knauss. Der Österreicher schwärmt: «Er ist menschlich wie sportlich eine Extraklasse. Ich habe immer seine Videos studiert. So ein eleganter Skifahrer – das ist unglaublich!»

Swiss skier Michael von Gruenigen with the overall Giant Slalom World Cup trophy, after the last race at in Hafjell, Saturday 15 March 2003.  (KEYSTONE/EPA PHOTO SCANPIX/CORNELIUS POPPE)

Zum vierten und letzten Mal der beste Riesenslalom-Fahrer des Winters. Bild: EPa

Der Erfolg im Disziplinen-Weltcup tröstet Mike von Grünigen auch darüber hinweg, dass er bei seinem letzten WM-Rennen keine Medaille gewinnen kann. In St.Moritz wird er Siebter. Sein allerletztes Rennen bestreitet von Grünigen wenige Wochen später beim Weltcupfinal im norwegischen Hafjell – in historischer Skiausrüstung. Selbst auf Holzlatten macht der Stilist eine gute Falle.

Michael Von Gruenigen of Switzerland speeds down the course wearing traditional dresses in Hafjell, Norway, Sunday, March 16, 2003. Von Gruenigen, announced Saturday he would retire from competition after winning the World Cup giant slalom overall title. (AP Photo/Alessando Trovati)

Der letzte Renneinsatz war ein grosses Gaudi. Bild: AP

Der Schnee lässt ihn nicht los

Mit dem Skisport ist Mike von Grünigen auch elf Jahre nach seinem Rücktritt noch verbunden. Immer noch lebt er in Schönried, wo er im Skiclub engagiert ist. Zudem ist er Trainer im Regionalen Leistungszentrum in Gstaad, er arbeitet für eine Skimarke und betreut an Rennen die Kunden eines Autoherstellers. Ausserdem vertreibt der Vater dreier Söhne europaweit ein Fitnessgerät speziell für Skifahrer.

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Der Rückblick auf die Karriere des «Mister Riesenslaloms» im Schweizer Fernsehen. Video: Youtube/Alexx87

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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