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Was macht Hilary Swank in einem blutroten Pyjama nachts in einem Zug? Etwas Schreckliches natürlich! Bild: Universal

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Trumps Hass-Tweet machte den Horrorfilm «The Hunt» legendär. Zu Recht?

Mini-Spoiler-Alert. Wer mehr wissen will, ist herzlich eingeladen, mehr zu lesen.



Wenn Hil(l)ary drauf steht, kann nichts Gutes drin sein, dachte sich Donald Trump wohl, als er am 9. August 2019 folgenden Tweet absonderte:

«Das liberale Hollywood ist zutiefst rassistisch und voller grossem Zorn und Hass. Sie nennen sich gerne ‹Elite›, aber sie sind keine Elite. Es sind oft die Menschen, die sie so stark bekämpfen, die in Wahrheit die Elite sind. Der Film, der herauskommt, ist gemacht, um einen Brand zu legen und Chaos zu erzeugen. Sie schaffen ihre eigene Gewalt und versuchen, anderen die Schuld zu geben. Sie sind die wahren Rassisten und sehr schlecht für unser Land.»

Die Hilary, die in dem mutmasslichen Weltenbrand eines Films eine Hauptrolle spielt, sitzt uns an jenem Tag am Filmfestival Locarno gegenüber. Sie heisst nicht Hillary Clinton, sondern Hilary Swank, ist eine doppelte Oscargewinnerin und wird in Locarno für ihr bisheriges Lebenswerk ausgezeichnet.

epa07764899 US actress Hilary Swank receives the Leopard Club Award at the Piazza Grande during the 72nd Locarno International Film Festival, in Locarno, Switzerland, 09 August 2019. The Festival del film Locarno runs from 07 to 17 August.  EPA/URS FLUEELER

Am 9. August 2019 tritt Swank auf der Piazza Grande in Locarno auf und lässt sich nichts anmerken. Bild: EPA

Allen ist klar: Die Frau mauert. Reagiert auffallend ausweichend auf Fragen, die Politisches auch nur streifen. Den Kontext sehen wir erst danach, der ist uns in jenen Stunden noch nicht bewusst.

Aber klar: Wenn sich gerade der Präsident auf deinen neuen Film einschiesst und dafür plädiert, ihn nicht in den Kinos starten zu lassen, dann bist du erst einmal geschockt. Und Trump erreicht sein Ziel: «The Hunt» ist nicht in die Kinos gekommen und wird das auch nicht mehr, dafür startet er jetzt bei diversen Streaming-Anbietern.

Trailer zu «The Hunt»

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Was also ist da los? Hat Trump, ein Präsident, der Waffengewalt alles andere als abhold ist und der seine Bevölkerung auch schon mal dazu auffordert, in Zeiten der Krise für das Recht auf geradezu menschenfeindlichen Individualismus zu demonstrieren, etwa für einmal recht? Oder hat er schon wieder was verdreht?

Hat er natürlich. Bloss hat er sich dafür den falschen Feind gesucht. Nämlich einen schwachen. Der es eigentlich nicht verdient hat, jetzt mit dem Slogan «Der Film des Jahres, über den am meisten gesprochen wird, ist einer, den niemand gesehen hat» werben zu können.

Denn der Independent-Film von Regisseur Graic Zobel und Drehbuchautor Damon Lindelof («Lost», «The Leftovers») ist ein höchst konfuses Ding. Ein bekanntes Horror-Motiv – eine Gruppe Menschen veranstaltet mit einer andern Gruppe eine Menschenjagd – wird mit hektisch zusammengerührten, zeitgemässen Spurenelementen angereichert.

Die «Abgehängten» werden gejagt. Doch zuerst werden sie mit Waffen versorgt und fühlen sich damit ganz wohl. Bild: Universal

Verschwörungstheorien, Medienkritik, Gesinnungsterror von rechts wie von links, Fake News, die so lange als Realität behauptet werden, bis sie real sind – alles hat Platz im grossen, blutigen Smoothie-Mixer von «The Hunt». Logik, Psychologie oder auch nur ein ansatzweise zu Ende geführter Gedanke nicht. Vieles ist ironisch gemeint, doch wer das Florett der Ironie nicht mit geschickter Hand, sondern mit einer Baggerschaufel zu führen versucht, hat sie nicht verstanden.

Wir lernen: Die Elite und die Abgehängten haben beide George Orwells «Animal Farm» gelesen und trinken beide gern Champagner. Und beide Seiten sind böse, haben aber vielleicht doch irgendwo einen guten Kern, bloss lassen sie den einander nicht sehen.

Nach dieser Szene werden Hilary Swank, Betty Gilpin und die Küche ganz anders aussehen. Bild: Universal

Immerhin kann man sagen: Hilary Swank als sadistische Menschenjägerin aus der Chefetage und Betty Gilpin als Ex-Soldatin, Verschwörungs-Podcasterin und gewaltverliebte Gejagte ergeben ein cooles Feindinnen-Paar. Und wer Blut, zerfetzte Leiber und quellendes Gedärm mag, wird sich nicht langweilen, diese Schlachtplatte ist hübsch angerichtet.

Überhaupt sind Langeweile oder mangelndes Tempo nicht das Problem des Films. Aber Witze, die so schlecht sind, und ein Drehbuch, das derart hoffnungslos verschrieben ist, dass man sich vor Fremdscham am liebsten in einem dunklen Schrank einschliessen und eine Runde heulen möchte.

Theoretisch hätten die Ideen hinter «The Hunt» das Potenzial zu einem bedrängenden, beklemmenden und nach allen Seiten hin düster gesellschaftskritischen Film im Stil einer perfekten «Black Mirror»-Folge gehabt. Leider kam der Theorie die Praxis in die Quere.

«The Hunt» läuft ab dem 14. Mai auf Sky, Apple TV, Teleclub on demand und Google Play.

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