Naher Osten
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Krawalle im Libanon: Demonstranten in Beirut trotzen Angriffen von Hisbollah-Anhängern



Lebanese army soldiers stand guard as a clash erupted between supporters of the Shiite Hezbollah and Amal groups and the anti-government protesters, in Beirut, Lebanon, early Monday, Nov. 25, 2019. Security forces fired tear gas amid confrontations in central Beirut that went into Monday morning between Hezbollah supporters and demonstrators protesting against Lebanon's political elite. (AP Photo/Hussein Malla)

Hisbollah-Anhänger auf den Strassen von Beirut. Bild: AP

Trotz eines nächtlichen Angriffs von Hisbollah-Anhängern auf das zentrale Lager der Demonstranten in Beirut haben erneut zahlreiche Regierungsgegner Strassen im Libanon blockiert.

Ein Aufruf zum Generalstreik fand am Montag aber nur geringe Resonanz, nachdem das Protestlager im Zentrum der libanesischen Hauptstadt in der Nacht verwüstet worden war. Die Sicherheitskräfte versuchten, die blockierten Verkehrsadern zu räumen.

Anhänger der schiitischen Hisbollah und der Amal-Bewegung hatten in der Nacht Demonstranten an einer Strassenblockade beschimpft und mit Steinen beworfen. Sicherheitskräfte stellten sich schliesslich zwischen die beiden Lager.

Hisbollah-Anhänger verwüsteten jedoch das nahegelegene Zeltlager der Protestbewegung, beschädigten umliegende Geschäfte und schlugen Autofenster ein. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden bei dem Angriff zehn Demonstranten verletzt.

Für Reform des politischen Systems

Die Hisbollah hatte schon im Oktober ein Protestcamp gestürmt, doch damit die Demonstrationen gegen die Regierung nicht beenden können. Unter ihrem Druck trat Ende Oktober Ministerpräsident Saad Hariri zurück, der auch von der Hisbollah unterstützt wurde.

Demonstranten singen «Baby Shark» für verängstigtes Kind

Video: srf

Den Demonstranten reicht dies aber nicht: Sie wollen eine komplette Reform des politischen Systems und den Austausch der gesamten als korrupt und unfähig verschrieenen Eliten.

Trotz des nächtlichen Angriffs zeigten sich die Demonstranten auch am Montag entschlossen weiterzumachen. «Der Angriff hat uns alle, zumindest jene, die jetzt hier sind, noch entschlossener gemacht», sagte der 21-jährige Demonstrant Ajjasch, der im Stadtteil Hamra eine wichtige Verkehrsader blockierte. Mit dem Angriff wollten die politischen Parteien die Leute einschüchtern, damit sie zuhause blieben und die Proteste scheiterten, sagte er.

epa08022977 Lebanese protesters shout slogans and carry the national flags during an anti-government protest at Martyrs' square in Beirut, Lebanon, 24 November 2019. Protests in Lebanon are continuing since first erupted on 17 October, as protesters aim to apply pressure on the country's political leaders over what they view as a lack of progress following the resignation of Prime Minister Saad Hariri on 29 October.  EPA/NABIL MOUNZER

Bild: EPA

Ajjasch zeigte sich enttäuscht, dass die Parteien damit teilweise Erfolg hatten, da ein Aufruf zum Generalstreik nur auf geringe Resonanz stiess.

Kritik an Sicherheitskräften

Die 24-jährige Demonstrantin Ellie warf den Sicherheitskräften vor, die Hisbollah-Anhänger gewähren zu lassen. «Die Rowdys werfen Steine und beleidigen die Sicherheitskräfte, doch sie gehen nicht gegen sie vor», kritisierte sie. Anders als die Demonstranten würden sie kaum festgenommen.

Angesichts solcher Kritiker sagte Innenministerin Raja al-Hasan, die Armee und die Polizei seien die einzigen «Garanten der Stabilität des Landes». Derweil räumten die Sicherheitskräfte wichtige Strassen, die von den Demonstranten blockiert worden waren.

Die Armee teilte mit, sie habe neun Menschen nördlich von Beirut festgenommen, die am Morgen eine Strasse mit Glassplittern und brennendem Benzin zu blockieren versucht hätten.

Noch keine neue Regierung in Sicht

Auch drei Wochen nach dem Rücktritt Hariris hat Präsident Michel Aoun noch niemanden mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Er sagt, er sei offen für eine Regierung unter Beteiligung von Experten und Vertretern der Protestbewegung.

Die Demonstranten lehnen aber jedes Kabinett ab, dem Politiker der etablierten Parteien angehören. International wächst die Sorge, dass der Libanon weiter in die Krise abrutscht, wenn nicht rasch eine Regierung gebildet wird. (aeg/sda/afp)

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Blyad 25.11.2019 18:39
    Highlight Highlight Genoss*innen dieser Welt, vereint euch!
    • Knäckebrot 26.11.2019 09:58
      Highlight Highlight Genau das tun die "Genoss*innen dieser Welt" wohl.

      Die einen finden, dass die Hizbollah die Vereinigung der Genoss*innen dieser Welt bedeutet und die anderen sehen diese Vereinigung in der aktuellen Protestbewegung...
  • Füürtüfäli 25.11.2019 17:20
    Highlight Highlight So ein kleines Land und so viel Zerissenheit...

    Vielleicht entsteht aus der Protestbewegung ja mal was gutes, aber solange nach Religionszugehörigkeit und Ethnien gewählt wird statt nach Weltanschauung, sehe ich schwarz.
    • Der Kritiker 25.11.2019 20:39
      Highlight Highlight Ich schaue soeben eine Reportage auf ARD, "Die Millionengeschäfte krimineller Clans". Ich denke nicht, dass in diesem Land noch irgend etwas Gutes entsteht. Die Clans und ihre Strukturen sind nicht nur in Deutschland ein Problem, sie sind auch in Libanon und in andern Ländern ein/das Problem. So lange solche Strukturen den Alltag bestimmen, so lange gibt's keinen Fortschritt.

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