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epa06241094 Mourners pay tributes at a makeshift memorial on the Las Vegas Strip for the victims of a mass shooting in Las Vegas, Nevada, USA, 02 October 2017. The mass shooting, which left at least 58 people dead and more than 500 injured on 01 October, is the largest in modern US history. The gunman, identified by the police as Stephen Paddock, 64, fired from an upper floor of the Mandalay Bay hotel before reportedly killing himself as police made their way into his hotel room.  EPA/EUGENE GARCIA

Menschen trauern um die Opfer des Amoklaufs von Las Vegas. Bild: EPA/EPA

58 Menschen starben in Las Vegas – jetzt verkauft die Ruag ganz in der Nähe ihre Munition

58 Menschen starben im Kugelhagel von Las Vegas. Nur Monate später nimmt der Schweizer Rüstungskonzern Ruag an einer Waffenmesse in unmittelbarer Nähe teil.

Lorenz Honegger / Schweiz am Wochenende



Die Reaktion der amerikanischen Waffenlobby nach Amokläufen wie diese Woche in Florida ist immer die gleiche: «Thoughts and Prayers». Der Ausdruck beinhaltet zwei Botschaften. Erstens: In «Gedanken und Gebeten» sind wir bei den Opfern. Zweitens: Mehr als Beileid gibts nicht.

Eine Verschärfung der Waffengesetze steht ausser Diskussion. Das Milliardengeschäft mit Gewehren, Pistolen und Munition muss weitergehen. Und mittendrin ist auch die Schweiz mit ihrem Rüstungskonzern Ruag, dessen Aktien zu 100 Prozent der Eidgenossenschaft gehören.

Recherchen zeigen: Das Unternehmen hat mit seiner amerikanischen Tochterfirma Ammotec USA nur dreieinhalb Monate nach dem schlimmsten Amoklauf der US-Geschichte an der Waffenmesse Shot Show in Las Vegas teilgenommen. Zehn Fahrminuten vom Gelände des Mandalay Bay Hotel entfernt, das Anfang Oktober 2017 weltberühmt wurde.

Aus dem 32. Stock des Hotels erschoss der 64-jährige Stephen Paddock 58 Menschen und verletzte 851 Personen zum Teil schwer. Nie zuvor hat ein Einzeltäter in den USA mehr Menschen umgebracht. Die Opfer waren für ein Country-Festival nach Las Vegas gereist.

385 Millionen mit Munition

Für die Ruag geht es nach dem Amoklauf weiter wie bisher. Im Sands Expo and Convention Center, vier Kilometer Luftlinie vom Tatort, hat die Munitionsherstellerin Ruag Ammotec USA Ende Januar während knapp einer Woche Verkaufsgespräche mit Geschäftskunden geführt.

64'000 Besucher nahmen an der Waffenmesse teil. Auf die Frage, ob das Unternehmen erwogen habe, aus Pietätsgründen auf eine Teilnahme an der Shot Show zu verzichten, schreibt die Pressestelle: «Nein.»

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«Business as usual»: Vertreter der Munitionssparte der Ruag an der Waffenmesse Shot Show in Las Vegas im Januar 2018. bild: zvg

Ein Blick in den Geschäftsbericht erklärt warum. Die Ruag verdiente 2016 mit ihrer Munitionssparte 385 Millionen Franken. Sie betont: Bei den Vereinigten Staaten handle es sich um «den grössten Munitionsmarkt der Welt».

Die Umsätze sind aber seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump unter Druck: Nur wenn sich Gewehr- und Pistolenbesitzer fürchten, dass die Regierung die Gesetze verschärft, kaufen sie besonders viel ein. Der waffenfreundliche Trump ist laut dem Ruag-Jahresbericht schlecht für den Absatz: Das US-Geschäft dürfte «vor dem Hintergrund des Regierungswechsels schwieriger werden». Auf viel Verständnis stösst sie damit nicht.

«Ein Hohn für die Opfer»

Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA)

In Bundesbern sorgt der Auftritt des Schweizer Rüstungsherstellers in Las Vegas für Kopfschütteln. Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) spricht von «einem Hohn für die Opfer». Es sei absolut fragwürdig, wenn ein staatliches Unternehmen so kurz nach einem Amoklauf in unmittelbarer Nähe des Tatorts an einer Waffenmesse teilnehme, sagt GSoA-Sekretär Lewin Lempert.

Der Konzern werde «je länger, desto skrupelloser» in wirtschaftsethischen Fragen. Als weitere Beispiele nennt Lempert die Eröffnung eines Ruag-Büros im Nahen Osten oder die Expansion der Munitionssparte nach Brasilien, «einem Land mit extrem vielen Schusswaffentoten».

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bild: saw

Auch Beat Flach, Nationalrat und Sicherheitspolitiker der Grünliberalen Partei, stellt die «ethische Grundausrichtung» der Ruag infrage. Der Konzern hätte sich seiner Meinung nach überlegen müssen, auf die Teilnahme an der Waffenmesse zu verzichten. SP-Nationalrat Cédric Wermuth bezeichnet das Verhalten der Ruag als «unglaublich unsensibel».

Ähnlich äussern sich einige bürgerliche Politiker. Mit Namen hinstehen will allerdings keiner von ihnen. Etli- che werfen aber die Frage auf: Wie sehr soll sich die Ruag mit ihren internationalen Tochtergesellschaften in Bereichen wie dem US-Munitionsgeschäft bewegen, die nur wenig mit den sicherheitspolitischen Interessen der Schweiz zu tun haben?

Wunsch nach Teilprivatisierung

Im Parlament mehren sich die Stimmen, die einen Verkauf aller Ruag- Gesellschaften ohne Bezug zur Schweiz anstreben. Die Geschäftsprüfungskommissionen werden dieses Szenario voraussichtlich Anfang Sommer in einem Bericht zur Diskussion stellen.

Die Ruag selber hätte kaum etwas gegen eine teilweise oder vollständige Privatisierung: Ihr Führungspersonal beklagte sich in der Vergangenheit wiederholt über die hohen Anforderungen, welche das Unternehmen wegen seines Status als Staatsbetrieb beim Waffenexport zur erfüllen habe.

Vorerst bleibt alles beim Alten. Bundesrätin Doris Leuthard, die 2017 als Bundespräsidentin den Opfern von Las Vegas im Namen der Schweiz ihr Beileid aussprach, teilt auf Anfrage mit: «Die Schiesserei von Las Vegas ist nach wie vor abscheulich. Die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden lei- den immer noch. Wie diese verurteile ich auch alle anderen Taten, die auf den missbräuchlichen Waffengebrauch zurückzuführen sind.» Für weitere Fragen sei das Verteidigungsdepartement zu kontaktieren. Dort heisst es brüsk: Man bedaure und verurteile «jeglichen Missbrauch» einer Waffe. «Thoughts and Prayers». Auch in der Schweiz.

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 17.02.2018 14:16
    Highlight Highlight Ja, und die NRA kauft sie, die Munition. USA, das doppelbödige Land: Zuerst Beileid heulen und nachher wieder rumballern lassen. Und das immer wieder und immer wieder......
  • manuel0263 17.02.2018 14:06
    Highlight Highlight Der Gipfel der Perversion: ein waffenfreundlicher Präsident sorgt für schwache Umsätze (z.Z. z.B. Remington); ein besonnener Präsident, der zumindest gewisse Restriktionen einführt, löst gerade deshalb grosse Nachfrage aus. Was für eine bescheuerte Welt...aber jetzt noch schnell einkaufen. Wir haben erst 50 Knarren und nur noch 500 Schachteln Munition im Keller!
  • AllknowingP 17.02.2018 13:44
    Highlight Highlight An all die Trolle die meinen "Die Waffe Tötet nicht der Mensch"... Das wirklich störende an disem Fall ist ja folgendes...Die RUAG ist ein Schweizer Staatsbetrieb. Das unser Bundesrat bei jedem Massaker heuchlerisch kondoliert, aber danach die RUAG an Waffenmessen in allen Herrenländern schickt um die zuvor verurteilte Waffengewalt zu fördern & fette Gewinne einzuschreichen. Oder nehmt ihr das für ein paar Schweizer Arbeitsplätze billigend in Kauf ? Ich könnte Kotzen deswegen....
  • Edel Weiss 17.02.2018 13:20
    Highlight Highlight Bei den wöchentlichen Schiessereien und Massakern in den USA sterben Menschen aus allen möglichen Nationen. Somit bleibt die Schweizer Neutralität gewahrt und nichts spricht dagegen, wenn wir weiter daran Geld verdienen.
    Benutzer Bild
  • Töfflifahrer 17.02.2018 13:00
    Highlight Highlight Was wohl mehr zu denken geben sollte ist, dass Deutschland nach der Freilassung des Jurnis keine Hindernisse mehr sieht um Waffen an die Türkei zu liefern. Die seien ja Nato Miglied, also kein Problem. Dass die damit Kurden angreifen und es in der Ägäis immer wieder mal zu gefährlichen Zwischenfällen mit Griechenland kommt, das auch Nato Mitglied ist, ineressiert die Deutschen nicht wirklich.
    Es geht ja schliesslich um Arbeitsplätze.
    • Fiona Odermatt 17.02.2018 17:23
      Highlight Highlight @Töfflifahrer Ja diese bösen Deutschen aber auch.... Was genau ist daran schlimmer als wenn die Ruag nach Brasilien verkauft? Wir sollten uns alle klar machen dass wir indirekt vom Waffenhandel profitieren ........ und bei uns aufräumen bevor wir uns über andere Staaten entrüsten.
  • Dubio 17.02.2018 12:40
    Highlight Highlight Ein ziemlich ärgerlicher Artikel, der recht billig auf den „Empörungszug“ aufspringt.

    Oder anders formuliert: Wäre die Ruag aus „Pietätsgründen“ nicht an die Messe, wäre es der Gipfel der Doppelmoral gewesen!

    Das hätte ja nichts anderes bedeutet, als dass die Toten von Las Vegas mehr Gewicht hätten, als unbekannte Tote in einem Konflikt irgendwo in Afrika oder sonstwo auf der Welt, von dem nichts berichtet wird.

    Irgendwie ist‘s mir da fast lieber, wenn die RUAG zu ihrem Business steht und gar nicht erst versucht, das durch irgendwelche pseudo-moralische Aktionen, zu beschönigen.
  • Posersalami 17.02.2018 11:27
    Highlight Highlight Keine Waffen und Munition für Kriegs- und Krisengebiete wie Irak, Syrien oder die USA! Werdet endlich vernünftig.
  • Granini 17.02.2018 10:49
    Highlight Highlight Was ist den jetzt genau das Problem? Die Messe wird schon immer dort stattgefunden haben. Die RUAG hat gegen keine Gesetze verstossen mit ihrer Repräsentation an dieser Waffenmesse.
    Das ausgerechnet die GSoA wieder etwas von sich gibt verwundert mich nicht. Diejenigen die etwas dazu zu sagen haben sind die Angehörigen der 58 Opfer. Diese scheren sich nicht drum (warum auch, ist ja nicht die einzige Messe in den USA) oder gehen selbst an diese Messe. Von einer Privatisierung der RUAG halte ich nichts. Lieber einen staatlichen Produzent als ein privater mit fehlender Transparenz.
    • Selbstverantwortin 17.02.2018 13:00
      Highlight Highlight @Granini: nur rechtlich betrachtet hast du natürlich recht.

      ...und dann gibt es noch Menschen, die haben ein Gewissen und für die ist Moral wichtig.

      Und für jene, denen das gleich ist: bitte auch nicht beklagen, wenn sich andere Euch gegenüber unanständig benehmen.
  • RETO1 17.02.2018 10:48
    Highlight Highlight Würde sich durch den Rückzug von RUAG an den Verhältnissen in den USA oder Brasilien etwas ändern?
    Klare Antwort: nein, absolut nichts
    • Hades69 17.02.2018 11:34
      Highlight Highlight Wohl eher relativ nichts.
    • Caturix 17.02.2018 12:18
      Highlight Highlight Ja also wenn sich schon nichts aendert kann man ja mitmachen am Massaker ? Komische weltanschauung.
    • Selbstverantwortin 17.02.2018 13:03
      Highlight Highlight Gell, weil es Mörder gibt, dürfen jetzt alle ohne schlechtes Gewissen morden...
      🤦‍♂️
    Weitere Antworten anzeigen
  • valve 17.02.2018 10:30
    Highlight Highlight Munitionsverkäufer habens nicht leicht.
    Wie soll man da noch einen Standort in den USA finden, bei all den Amokläufen und Schiessereien.
    Benutzer Bild
  • Hardy18 17.02.2018 10:20
    Highlight Highlight Man darf nicht Amerika mit Europa vergleichen. Die haben da drüben einen ganz anderen Bezug zu Waffen und dem ganzen Drumherum, wie wir hier. Ich möchte meinen, dass sie diesen Ort nicht ganz um sonst dort ausgesucht haben.
    • Norbert Riedi 17.02.2018 20:54
      Highlight Highlight @kleiner_Schurke
      60‘000 tote durch schusswaffen pro jahr? woher haben sie diese zahl? everytownresearch.org, beispielsweise, listet im jahresdurchschnitt zwischen 2012–2016 35‘141 tote durch schusswaffen in den usa. davon 21‘637 als selbstmorde.
  • Spi 17.02.2018 10:18
    Highlight Highlight Da muss man sicher nicht die RUAG anprangern, sondern die Messe an sich. Wenn RUAG da nicht teilnimmt, machen eben andere den Umsatz. That‘s business!
  • Leguan 17.02.2018 10:16
    Highlight Highlight Dieser Vorfall liegt gemessen, am digitalen Zeitalter, schon eine Ewigkeit zurück.
    Wenn Kugeln fliegen, spielt es keine Rolle woher sie kommen, nur wer sie abfeuert und wen sie treffen. Denn irgendwer wird sie immer verkaufen. Also, was soll hier diese Moralapostelei?
    • Knut Atteslander 17.02.2018 12:12
      Highlight Highlight Ds wäre mal eine spannende Verteidigung. Er wäre ja eh früher oder später gestorben, was machts da für einen Unterschied ob ich den Abzug gedrückt habe.

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