Reiselust der Schweizer bleibt – aber diese Ziele stehen jetzt im Fokus
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zieht sich schon über vier Jahre hin. Die Ereignisse im Nahen Osten überschlagen sich, die Weltlage bleibt unsicher und angespannt. Mit den Problemen rund um die Strasse von Hormus sind auch Öl- und Kerosinmangel ein Thema.
Da stellt sich die Frage: Schlagen all diese Meldungen, Unsicherheiten und Preissteigerungen auf die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer?
Bei den grossen Schweizer Reiseanbietern tönt es auf Anfrage überall ähnlich: Das Bedürfnis nach Reisen ist weiterhin vorhanden. Die Buchungsentwicklung verläuft mehr oder weniger auf dem Niveau vom Vorjahr. «Von einer generellen Zurückhaltung bei Buchungen für die Sommer- und Herbstferien kann derzeit nicht gesprochen werden», schreibt Andreas Marti, Mediensprecher von Edelweiss.
Alles wird kurzfristiger
Etwas mehr ins Detail geht Knecht Reisen: «Wir verzeichnen keine flächendeckende Zurückhaltung, bislang ist sie eher als ‹lokal unterschiedlich› zu bezeichnen», schreibt Mediensprecher Matthias Reimann. In einigen der 20 Reisebüros des Unternehmens sei die «Zurückhaltung interessanterweise bei einer städtischen Kundschaft grösser als bei jener in ländlicheren Gebieten». Warum dies so ist, könnten sie nicht einschätzen.
Bei Dertour und Tui stellt man allgemein fest, dass sich Kundinnen und Kunden «tendenziell eher kurzfristig entscheiden» und die Buchungslage volatiler geworden ist.
Zypern, Ägypten oder die Türkei leiden
Klar ist dabei auch, dass Ziele in Richtung Osten aktuell weniger nachgefragt werden. Darunter fallen gemäss Edelweiss auch Ziele wie Zypern, Ägypten oder die Türkei. Auch Buchungen in die USA seien momentan rückläufig.
Von der aktuellen Situation profitieren ansonsten Ziele im Westen: Spanien, Frankreich, Italien oder auch Portugal und Norwegen werden oft nachgefragt. Bei Fernreisen stossen die Karibik mit Mexiko oder der Dominikanischen Republik oder auch das südliche Afrika auf grosses Interesse.
Die Preisentwicklung für die nächsten Wochen lässt sich nicht vorhersagen. Einzelne kleine Erhöhungen wurden bereits kommuniziert. Aufgrund des unsicheren Ölpreises wurde beispielsweise die «International Surcharge» angepasst. Mit dieser kompensieren die Fluggesellschaften der Lufthansa Group – und damit auch die Swiss – einen Teil der nicht beeinflussbaren Gebühren und Kosten. Treibstoff bildet dabei eine Position dieses Zuschlags.
Preisentwicklung bleibt offen
Wie weit die Preiserhöhungen in den nächsten Wochen weitergegeben werden, hängt auch von der Reiseart ab. Sonja Ptassek, Mediensprecherin von Tui, schreibt:
Solche, in gewissen Fällen stabileren Preise durch vorab eingekaufte Kontingente, erwähnt auch Dertour-Mediensprecherin Amélie Schnidrig. Kurzfristig wirken natürlich auch Angebot und Nachfrage auf die Preise ein. Auch wenn flächendeckende Preissteigerungen sich (noch) nicht zeigen und dynamische Preise sowieso zu laufenden Anpassungen führen, gilt: «In stark nachgefragten Destinationen, insbesondere in Europa und im Mittelmeerraum, führt dies tendenziell zu steigenden Preisen.»
