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Geneve-Servette's Head coach Chris McSorley shouts against his players, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Kloten Flyers, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, January 26, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Servette kriegt den heiligen Zorn von Chris McSorley zu spüren. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Millionen-Abfindung für Chris McSorley? Die Anwälte tanzen auf den Tischen

Chris McSorley hat Servette wieder gross gemacht. Doch die fast zwanzigjährige Beziehung endet nun definitiv im grössten und teuersten «Rosenkrieg» unserer Hockeygeschichte.



Im Sommer 2001 kommt Chris McSorley nach Genf. Im Auftrag der amerikanischen Anschutz-Gruppe macht er aus dem darbenden NLB-Team Servette eine der ersten Adressen in unserem Hockey. Später zieht sich Anschutz aus dem helvetischen Geschäft zurück und Chris McSorley übernimmt den Klub. Er ist nun die «heilige Dreifaltigkeit»: Besitzer, Manager und Trainer.

ARCHIV – ZUR ENTLASSUNG VON CHRIS MCSORLEY BEIM HC SERVETTE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Chris McSorley nouveau coach de la premiere equipe pour la saison prochaine du Geneve Servette HC, pose avec le logo, lors d'un conference de presse du Geneve Servette hockey club sur la vision et les perspectives du club, ce vendredi 6 Avril 2001 a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

So jung war McSorley 2001 bei seiner Ankunft in Genf. Bild: keystone

Schliesslich überlässt der Kanadier nach einigen Wirrungen und Irrungen seine Anteile der Rolex-Stiftung. Im Gegenzug erhält er im Sommer 2019 einen für Schweizer Verhältnisse sehr, sehr, sehr hoch dotierten Rentenvertrag mit mehr als 800'000 Franken Jahressalär als General Manager bis 2028.

Im Sommer 2020 kommt es zur Trennung. Chris McSorley wird entlassen/freigestellt/des Amtes enthoben/gefeuert – je nach Leseart der Parteien. Gleichzeitig wird sein Name, wo es immer geht, aus der Geschichte gestrichen. Sogar die nach ihm benannten Burger im Stadionrestaurant (das nun auch nicht mehr seinen Namen trägt) sind von der Speisekarte verschwunden.

Geneve-Servette HC Cheftrainer Chris McSorley waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und Geneve-Servette HC am Freitag, 22. Februar 2019, in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

McSorleys Abgang bei Servette war seiner unwürdig. Bild: KEYSTONE

Eine gütliche Einigung scheitert. Und so fordert er nun die gesamte Restanz aus diesem Vertrag in der Höhe von 7,65 Millionen Franken auf dem Rechtsweg ein. Er bestätigt: «Ja, das ist so. Ich bedauere diese Entwicklung sehr. Ich habe alles in meiner Macht stehende für eine gütliche Einigung unternommen.»

Der Fall lässt die Anwälte auf den Tischen tanzen. Denn für sie gibt es viel, viel Geld zu verdienen. Keine der beiden Parteien dürfte eine Niederlage in der ersten Instanz akzeptieren. Hier sind so viele Emotionen und Egos im Spiel, hier geht es um so viel Geld, dass die ganze Geschichte schliesslich vor Bundesgericht enden könnte.

Was den Fall so interessant macht: Es geht nicht nur um Arbeitsrecht. Chris McSorleys Vertrag ist aufgeladen mit Strafzahlungen für beide Seiten im Falle einer vorzeitigen Auflösung.

L'entraineur genevois Chris McSorley, parle au telephone apres l'annulation de la rencontre suite a un ecran geant lumineux au milieu de la patinoire, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le Geneve-Servette HC, ce vendredi 23 octobre 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Nicht nur wegen ihm spielt Servette noch immer im veralteten Stadion Les Vernets. Bild: KEYSTONE

Zu untersuchen gibt es dabei mancherlei: Sind diese Strafzahlungen rechtens? Unterliegen sie auch der Schadenminderungspflicht? Will heissen: Verringert sich die zu zahlende Summe durch das, was Chris McSorley nun als Cheftrainer in Lugano verdient? Sind die Gründe für die Auflösung des Vertrages stichhaltig? Angeblich sind Chris McSorley zwei Gründe genannt worden: Mit 59 sei er zu alt und er habe das Projekt eines neuen Stadions nicht gut gemanagt. Und angeblich seien Angestellte des Klubs von Verwaltungsräten dazu «ermuntert» worden, illoyales Verhalten ihres Chefs schriftlich zu dokumentieren, um etwas gegen ihn in der Hand zu haben. Was nicht funktioniert habe.

Kein Wunder: Als letzte Amtshandlung vor seiner Absetzung hat Chris McSorley im Sommer 2020 die Mannschaft zusammengestellt, die soeben im letzten Frühjahr den Final erreicht hat. Er hat dem Klub eine «Belle Epoque» beschert: Dreimal Finalist, zweimal Spengler-Cup-Sieger. In Genf wird er als «Jesus Chris» verehrt. Ihm illoyales Veralten vorzuwerfen ist wohl so absurd, wie Roger Köppel heimliche Sympathien für die SP zu unterstellen.

Chris McSorley freut sich sehr, dass er sich in Lugano zum ersten Mal in seiner Karriere nur ums Coaching kümmern muss. Darüber hinaus hat er nun auch noch ein spannendes Hobby – ein juristisches Glücksspiel um 7,65 Millionen. Die Chancen, dass er mit Lugano im Laufe seines Dreijahresvertrags Meister wird, sind wesentlich höher als ein vollständiger Sieg in diesem Rechtsstreit.

Chris McSorley, links, neuer Cheftrainer des HC Lugano, gibt Anweisungen waehrend eines Trainings, am Montag, 2. August 2021, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

In Lugano ist McSorley wieder in seinem Element. Bild: keystone

Mag sein, dass Chris McSorley in dieser Sache ohne Fehl und Tadel ist. Aber Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Schuhe. Eine alte Weisheit sagt: Auf hoher See und vor Gericht sind wir in Gottes Hand.

Und auf den Tischen tanzen die Anwälte.

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