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Ein Schlafraum fuer maximal zehn Asylbewerber in der ehemaligen Kaserne in Losone fotografiert waehrend eines Medienrundgangs am Freitag, 30. Januar 2015. Das Bundeszentrum fuer Asylsuchende San Giorgio in Losone bietet 130 Bewerbern eine Unterkunft. (Keystone/Ti-Press/Samuel Golay)

Viele Flüchtlinge in der Schweiz leben unter dem Boden.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Deutsche Medien über unterirdische Asylheime: «Ausgerechnet in der reichen Schweiz»

«Keine Privatsphäre, keine frische Luft»: Leicht empört berichtet welt.de nach einer Reise nach Muri über die «ungewöhnliche Lösung», Flüchtlinge im «Bunker» einzuquartieren. Ein deutscher Blick auf die Schweizer Asyl-Praxis.

simone morger / Aargauer Zeitung



Besonders eindringlich ist das Video, welches die Reporter bei ihrem Besuch im Aargau drehten. Zu dramatischer Musik nimmt es den Betrachter mit auf einen Gang durch die geschützte Operationsstelle des Spitals Muri, die seit Oktober als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wird.

«Wir wissen nicht, wie die Schweizer so sind»

«Im Schweizer Kanton Aargau leben 820 Flüchtlinge in Bunkern», heisst es im Video. «Es fehlt hier unten schon ein bisschen an Sauerstoff», sagt einer der Flüchtlinge in Muri dazu. Ein anderer: «Wir wissen überhaupt nicht, wie die Schweizer so sind, wie sie leben.»

«Vom Treiben im Atomschutzbunker bekommt die Schweizer Bevölkerung wenig mit», doppelt später ein Texteinblender nach. Der «Bunker» sei gut ausgestattet und sauber, so die Welt. Doch für die «oft traumatisierten» Flüchtlinge sei das «trotzdem eine extreme Belastung».

Einer der Flüchtlinge sagt denn auch: «Es war ein Schock. Ich dachte, in Europa ist das Leben besser. Wir sollten hier doch nicht unterirdisch leben.» Er sagt aber auch, dass die Schweiz keine Schuld treffe. «Es sind einfach zu viele Flüchtlinge.»

«Das sind Übergangslösungen»

Auch Sandro Vescovi, der den Betrieb der Asylunterkunft in Muri leitet, rechtfertigt: «Der Kanton Aargau ist bei der oberirdischen Unterbringung an die Grenze der Kapazität gelangt. Das sind Übergangslösungen.»

«Ausgerechnet in der wohlhabenden Schweiz werden Flüchtlinge jetzt in unterirdische Bunker einquartiert», schreibt die Redaktion der deutschen Tageszeitung in der Legende zum Video. Da schwingt Empörung mit.

«Frauen und Kinder bleiben verschont»

Der Rest des Artikels ist im Vergleich zum Video dann eher nüchtern gehalten. Die Reporter erklären, tischen Fakten auf. «Die Unterbringung im Bunker ist das letzte Mittel. Deshalb trifft es ausschliesslich junge Männer. Frauen und Kinder bleiben verschont», heisst es.

Auch das Gespräch mit Betriebsleiter Vescovi wird weiter ausgeführt. Der 40-Jährige wirke «äusserst angespannt», wähle seine Worte sorgfältig. «Das Thema Flüchtlinge spaltet auch in der Schweiz», schreiben die deutschen Journalisten.

«Recycling scheint den Schweizern am Herzen zu liegen»

Noch mehr schweizerische Eigenheiten fallen den Reportern auf. Die Regeln, die Ordnung und das Recycling, über das die Asylbewerber aufgeklärt werden und das «den Schweizern am Herzen zu liegen scheint».

«Möglich, dass der Bunker gereinigt wird, bevor sich Besuch ankündigt. Möglich aber auch, dass die Schweizer ihre Flüchtlinge im Griff haben», mutmassen die Journalisten. «Es ist eine eigenartige Mischung aus Autonomie und Kontrolle, mit der die Schweizer den Fremden begegnen», so das deutsche Fazit.

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