DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Toronto Maple Leafs center Auston Matthews (34) celebrates his goal with teammates Justin Holl (3) and Zach Hyman (11) during the second period of an NHL hockey game against the Vancouver Canucks on Thursday, Feb. 4, 2021, in Toronto. (Frank Gunn/The Canadian Press via AP)

Die kanadischen Teams wurden von Covid-19 bislang mehrheitlich verschont. Bild: keystone

Warum das Eishockey ein so grosses Problem mit Corona hat

Das Eishockey weltweit kämpft mit dem Coronavirus. Wie im Schweizer Eishockey kommt es auch in der NHL zu diversen Spielverschiebungen. Der Verdacht erhärtet sich, dass es auch auf dem Eis zu Übertragungen der Krankheit kommen kann.



Nicht nur im Schweizer Eishockey, auch in der NHL stellt sich das Coronavirus als grosses Problem heraus. Rund 100 Spieler wurden bereits auf die Covid-19-Liste gesetzt, jüngst auch Nico Hischier. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie sich mit dem Virus infiziert haben, es kann auch sein, dass sie Kontakt hatten mit einer positiv getesteten Person oder aus anderen Gründen in Quarantäne mussten.

Aktuell ist bei vier Teams der Spielbetrieb eingestellt: den New Jersey Devils, den Buffalo Sabres, den Minnesota Wild und den Colorado Avalanche. Früher in der Saison hat es bereits die Dallas Stars, die Vegas Golden Knights und die Carolina Hurricanes erwischt. Es fällt auf, dass es bei den kanadischen Teams bislang kaum Covid-bedingte Ausfälle gegeben hat. Dabei profitieren die Mannschaften aus Kanada von der besseren Lage in ihrem Land und davon, dass sie aufgrund der neuen Divisions nicht in die USA reisen müssen.

Kanada vs USA Covid-Fälle pro 1 Million Einwohner seit 1. Oktober 2020

Die täglich neu bestätigten Corona-Fälle pro 1 Million Einwohner der Vereinigten Staaten und Kanada seit dem 1. Oktober 2020. Bild: screenshot ourworldindata.org

Übertragungen auf dem Eis

Denn in den anderen drei Divisions gibt es Probleme. So hat beispielsweise New Jersey gegen Buffalo gespielt, während einer oder mehrere der Devils-Spieler bereits ansteckend waren. Das Resultat: Mittlerweile sind nicht nur über 20 Spieler von New Jersey auf der Liste, sondern auch Spieler und Headcoach Ralph Krueger bei Buffalo sowie die zwei Linienrichter dieser Partien.

Es ist nicht das erste Mal, dass Übertragungen auf dem Eis stattgefunden haben. Bei einem Amateur-Spiel in Tampa, Florida ist ein Fall bekannt, wo ein infizierter Spieler in einem Spiel 13 weitere Personen angesteckt hat. Dennoch betonten sowohl die NHL als auch die Spielergewerkschaft noch vor kurzem, dass es keine Beweise für Übertragungen des Virus auf dem Eis gebe.

Doch woran liegt es, dass das Eishockey offensichtlich grössere Probleme hat als andere Sportarten, wie etwa Fussball oder Handball? Einer der Gründe ist die schlechte Luftqualität, wie das kanadische öffentlich-rechtliche Fernsehen CBC berichtet. Dem Bericht nach sei längst bekannt, dass sich verschmutzte Luft in Eishallen lange halten kann.

Infektiöse Partikel bleiben

In älteren Studien ging es dabei vor allem um Zambonis, die Maschinen für die Eisreinigung. Dabei wurde bewiesen, dass deren Abgase in der kalten Luft einer Eishalle kaum aufsteigen können, weshalb sie lange in der Luftschicht direkt über dem Eis bestehen bleiben. Auch eine Belüftungsanlage in der Halle kann das Problem nicht lösen.

Dasselbe Prinzip gelte nun auch für Luft, die mit Covid-19-Aerosolen verschmutzt sei, sagt Jeffrey Siegel, Professor für Ingenieurswesen und Luftqualität an der Universität von Toronto gegenüber CBC. «Die Konzentration von Aerosolen ist dabei deutlich höher als in anderen Situationen, weil sich die Spieler physisch so verausgaben», erklärt Siegel.

Auch andere Studien bestätigen das. Eine Untersuchung der Luftqualität in Eishallen der Purdue University in Indiana habe gezeigt, dass die Spieler mit ihren Bewegungen über das Eis die infektiösen Partikel auch an andere Stellen des Felds tragen können.

Tempers flare between Ottawa Senators' left wing Austin Watson (16) and Alex Galchenyuk (17) and Montreal Canadiens defenseman Brett Kulak (77) during the second period of an NHL hockey game in Ottawa on Saturday, Feb. 6, 2021. (Sean Kilpatrick/The Canadian Press via AP)

Auf dem Eis kommen sich die Spieler sehr nahe. Bild: keystone

Dazu kommen auch direktere Übertragungsarten, von denen auch Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» warnte: «Die Spieler sind extrem nahe zusammen, duellieren sich an der Bande, es bilden sich Klumpen vor dem Tor. Die Kontakte sind intensiver als etwa im Fussball. Ja, aus meiner Sicht sind Infektionen auf dem Eis durchaus möglich.» Auch auf der Bank herrscht Gefahr, wo die nach einem Einsatz schwer atmenden Spieler extrem nahe zusammensitzen.

Welche Lösungsansätze?

Die perfekte Lösung haben sowohl NHL als auch das Schweizer Eishockey noch nicht gefunden. Huldrych Günthard schlägt häufiges Testen vor, damit das Risiko minimiert werden kann, dass infektiöse Spieler tatsächlich auch noch spielen.

In der Schweiz haben die ZSC Lions eine Massnahme ergriffen, um das Risiko einer Infektion auf der Spielerbank zu minimieren. Plexiglas-Abtrennungen sorgen dafür, dass die Spieler zwar noch miteinander sprechen, aber sich nicht mehr direkt ins Gesicht atmen können.

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DIE NATIONAL LEAGUE IHREN SPIELBETRIEB BIS AM 1. DEZEMBER AUFRECHT ERHAELT, AM DONNERSTAG, 29. OKTOBER 2020 - Plexiglasscheiben schuetzen die ZSC Spieler vor dem Coronavirus im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern am Freitag, 16. Oktober 2020, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Diese Plexiglas-Abtrennungen sollen die ZSC-Spieler auf der Bank schützen. Bild: keystone

Auch die NHL hat nach den Problemen insbesondere bei den Partien zwischen den New Jersey und Buffalo reagiert. In allen Stadien wurden die Plexiglas-Abtrennung hinter den Spieler- und Strafbänken entfernt, was für eine bessere Luftzirkulation und somit ein geringeres Infektionsrisiko sorgen soll. Zudem prüft die Liga den Einsatz von Luftreinigern in der Nähe der Spielerbank.

Neben den PCR-Tests, die die Spieler jeden Morgen auf sich nehmen müssen, könnten bald auch noch zusätzliche Schnelltests vor jedem Spiel dazu kommen. Die NHL will zudem positive Testresultate künftig sequenzieren lassen, um herauszufinden, ob es sich dabei um mutierte Corona-Stämme handelt und um besser nachvollziehen zu können, wie sich das Virus verbreitet hat – über die Familien, in Spielen oder in der Garderobe.

Bild

Ein Eishockeyhelm mit Vollvisier. Bild: bauer.com

Ein Vollvisier – das sogenannte «Goldfischglas» – schützt zwar vor Tröpfchen, ist aber gegen Aerosole auch kein sicherer Schutz. Solange nicht komplett verhindert werden kann, dass infektiöse Spieler auf dem Eis stehen, wird das Eishockey in dieser Hinsicht immer Nachteile gegenüber anderen Sportarten haben.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die spektakulärsten Rekorde aus der NHL

1 / 27
Die spektakulärsten Rekorde aus der NHL
quelle: keystone, watson / keystone, watson
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Feuerwerk um 3 Uhr morgens – das Playoff-Märchen der SCRJ Lakers geht weiter

Die Rapperswil-Jona Lakers sind in den Playoffs weiter nicht zu bremsen. Nach Biel schalten die St.Galler auch das klar favorisierte Lugano aus und stehen zum zweiten Mal in der Klubgeschichte im Halbfinal.

Als am 13. Februar dieses Jahres die Meldung die Runde machte, die Rapperswil-Jona Lakers würden die Zusammenarbeit mit ihrem Erfolgscoach Jeff Tomlinson nicht über die laufende Saison hinaus verlängern, rieben sich viele die Augen. Immerhin hatte der Deutschkanadier die St.Galler 2018 zurück in die National League und im selben Jahr als Unterklassiger zum Cuptitel geführt. Der Klub begründete den Entscheid damit, dass «der Zeitpunkt für einen Wechsel und den nächsten Schritt gekommen ist.»

Am …

Artikel lesen
Link zum Artikel