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US-Ermittler haben angeblich das iPhone 5C des Terroristen geknackt.<br data-editable="remove">
US-Ermittler haben angeblich das iPhone 5C des Terroristen geknackt.
Bild: GEORGE FREY/REUTERS

Gegen den Willen von Apple: FBI knackt iPhone von San-Bernardino-Attentäter

Der Streit zwischen Apple und der US-Regierung um das Entsperren des iPhones eines toten Attentäters ist vorerst vorbei. Den Ermittlern ist es gelungen, an die Daten auf dem Telefon zu kommen – offenbar ohne die Hilfe des US-Technologiekonzerns.
29.03.2016, 01:1501.04.2016, 15:01

Die Unterstützung von Apple werde nicht mehr gebraucht, hiess es in Gerichtsunterlagen, die am Montag publik wurden. Die US-Behörden hatten bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass ihnen ein Weg dazu vorgeschlagen worden sei. Was die Ermittler auf dem iPhone fanden, war zunächst unklar.

Wer der Helfer ist und wie die Methode funktioniert, wurde bisher ebenfalls nicht bekannt. Theoretisch könnte es sein, dass die Ermittler einen Hinweis auf das Passwort bekamen. Die Mitteilung von vergangener Woche legte allerdings nahe, dass es um eine technische Lösung handelt.

Attentäter Sayed Farook, Tashfeen Malik (l.)&nbsp;<br data-editable="remove">
Attentäter Sayed Farook, Tashfeen Malik (l.) 
Bild: EPA/US CUSTOMS AND BORDER PROTECTION

Die Spekulationen von Experten gingen von einer Schwachstelle in Apples Software bis hin zu einem komplexen Verfahren, bei dem das Telefon geöffnet und der Speicherinhalt auf einen anderen Datenträger kopiert wird.

Laut einem unbestätigten Bericht der Zeitung «Yedioth Ahronoth» soll die Hilfe von der israelischen Firma Cellebrite kommen. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Daten aus mobilen Geräten herauszuholen.

Apples Stellungnahme
Apple hat mit einer schriftlichen Stellungnahme auf die Mitteilung des FBI reagiert und begrüsst den Rückzieher des FBI, weil sonst ein gefährlicher Präzendenzfall geschaffen worden wäre. Der Fall hätte nie vor Gericht gebracht werden sollen. Man werde Strafermittlern weiterhin bei Untersuchungen behilflich sein, gleichzeitig aber auch die Sicherheit der eigenen Produkte weiter erhöhen. 

Der Original-Wortlaut:
«From the beginning, we objected to the FBI's demand that Apple build a backdoor into the iPhone because we believed it was wrong and would set a dangerous precedent. As a result of the government’s dismissal, neither of these occurred. This case should never have been brought. We will continue to help law enforcement with their investigations, as we have done all along, and we will continue to increase the security of our products as the threats and attacks on our data become more frequent and more sophisticated.

Apple believes deeply that people in the United States and around the world deserve data protection, security and privacy. Sacrificing one for the other only puts people and countries at greater risk.

This case raised issues which deserve a national conversation about our civil liberties, and our collective security and privacy. Apple remains committed to participating in that discussion.»

Furcht vor Präzedenzfall

Apple wurde Mitte Februar von der Richterin im Verfahren angewiesen, dem FBI beim Entsperren eines iPhones 5C zu helfen, das von dem Attentäter von San Bernardino genutzt worden war. In der kalifornischen Stadt hatten er und seine Frau 14 Menschen getötet. Das Paar, das die Terrororganisation «Islamischer Staat» («IS») unterstützt haben soll, starb bei einer Schiesserei mit der Polizei.

Angehörige trauern um die Opfer von San Bernardino.&nbsp;<br data-editable="remove">
Angehörige trauern um die Opfer von San Bernardino. 
Bild: SANDY HUFFAKER/REUTERS

Die Behörden betonten in den vergangenen Wochen immer wieder, dass sie nicht ohne Hilfe von Apple an die Daten im Telefon herankommen könnten. Sie wollten vor allem, dass Apple per Software-Eingriff die Funktion aushebelt, die den Speicherinhalt eines Telefons löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird.

Apple wehrte sich vehement dagegen und argumentierte, durch ein solches Programm würde die Datensicherheit für alle Nutzer geschwächt.

Der Konzern störte sich zudem daran, dass die Regierung als rechtliche Grundlage für ihre Forderungen den «All Writs Act» von 1789 vorbrachte – ein Gesetz, das Richter grundsätzlich bevollmächtigt, nötige Massnahmen zu verfügen. Apple warnte, mit einem solchen Präzedenzfall könne die Tür für eine weitreichende Überwachung elektronischer Geräte geöffnet werden.

Muss FBI über Methode informieren?

Das Justizministerium entgegnete, es gehe nur um dieses eine iPhone. Der Staatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance Jr., beklagte sich vor kurzem aber, dass allein in seiner Behörde in mehr als 175 Fällen nicht entsperrbare iPhones die Ermittlungen behinderten.

In New York läuft schon seit Monaten ein ähnliches Verfahren, in dem sich der Richter auf die Seite von Apple stellte. Die grosse Debatte um die Auswirkungen von Verschlüsselung auf Ermittlungen ist also mit dem Ende des Verfahrens in Kalifornien keineswegs vorbei.

Sollten die Ermittler dank einer Sicherheitslücke in Apples Software an die Daten im iPhone des Attentäters herangekommen sein, müssten sie die dabei verwendete Methode unter Umständen dem Konzern offenlegen.

Nach US-Recht entscheidet ein Regierungsgremium, ob solche Schwachstellen geheim gehalten und von den Behörden ausgenutzt werden können – oder zur Sicherheit der Nutzer die betroffenen Anbieter informiert werden sollten. Diese Abwägungsprozedur heisst «Equities Review».

(cma/sda/dpa/afp)

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fondue
29.03.2016 06:48registriert Januar 2015
Das FBI (NSA) wisse nicht wie das geht, hahaha. Klar. Das glaube ich dennen schlicht weg nicht. Das geht rein nur um den Präzedenzfall. Bleibt stark liebe Technologie Konzerne.
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