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An employee shows off a new Apple iPhone 5C at a Verizon store in Orem, Utah in this September 19, 2013 file photo. As the smartphone action shifts to the mass market, leaders Samsung Electronics Co Ltd and Apple Inc are under pressure to make their high-end phones more affordable to revive sales. And that may spell trouble for already-softening margins. To match Analysis SAMSUNG-ELEC/SMARTPHONES      REUTERS/George Frey/Files   (UNITED STATES - Tags: BUSINESS TELECOMS)

US-Ermittler haben angeblich das iPhone 5C des Terroristen geknackt.
Bild: GEORGE FREY/REUTERS

Gegen den Willen von Apple: FBI knackt iPhone von San-Bernardino-Attentäter

Der Streit zwischen Apple und der US-Regierung um das Entsperren des iPhones eines toten Attentäters ist vorerst vorbei. Den Ermittlern ist es gelungen, an die Daten auf dem Telefon zu kommen – offenbar ohne die Hilfe des US-Technologiekonzerns.



Die Unterstützung von Apple werde nicht mehr gebraucht, hiess es in Gerichtsunterlagen, die am Montag publik wurden. Die US-Behörden hatten bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass ihnen ein Weg dazu vorgeschlagen worden sei. Was die Ermittler auf dem iPhone fanden, war zunächst unklar.

Wer der Helfer ist und wie die Methode funktioniert, wurde bisher ebenfalls nicht bekannt. Theoretisch könnte es sein, dass die Ermittler einen Hinweis auf das Passwort bekamen. Die Mitteilung von vergangener Woche legte allerdings nahe, dass es um eine technische Lösung handelt.

epa05234201 (FILE) A handout file picture dated 27 July 2014 and made available by the US Customs and Border Protection (CBP) shows Syed Rizwan Farook (R) and Tashfeen Malik (L) arriving at O'Hare International Airport in Chicago, Illinois, USA. The couple have been identified by authorities as having killed 14 people and and wounded 21 others in a shooting in San Bernardino, California, USA, before being killed in a shootout with the police. The US Justice Department said on 28 March 2016, that the FBI had accessed the iPhone used by one of the shooters in the San Bernardino, California, terrorist attack last December and will not need the help of Apple to unblock the device. The news comes a week after a California court hearing at which Apple and the government were scheduled to appear was cancelled as federal authorities requested its postponement to test a possible way to access the iPhone. The move came after federal officials said that an unidentified third party came forward and demonstrated a possible method to accessing a locked iPhone, media reported. The announcement brings to an end a confrontation between the government and Apple that erupted when federal Judge Sheri Pym in mid-February ordered the tech giant to help the FBI access the information on the phone of the shooter, who, with his wife, killed 14 people in what is being investigated as a terrorist attack. Apple had refused to agree to the government's requests, after claiming that doing so would put the security of all iPhones in jeopardy.  EPA/US CUSTOMS AND BORDER PROTECTION -- BEST QUALITY AVAILABLE -- HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Attentäter Sayed Farook, Tashfeen Malik (l.) 
Bild: EPA/US CUSTOMS AND BORDER PROTECTION

Die Spekulationen von Experten gingen von einer Schwachstelle in Apples Software bis hin zu einem komplexen Verfahren, bei dem das Telefon geöffnet und der Speicherinhalt auf einen anderen Datenträger kopiert wird.

Laut einem unbestätigten Bericht der Zeitung «Yedioth Ahronoth» soll die Hilfe von der israelischen Firma Cellebrite kommen. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Daten aus mobilen Geräten herauszuholen.

Apples Stellungnahme

Apple hat mit einer schriftlichen Stellungnahme auf die Mitteilung des FBI reagiert und begrüsst den Rückzieher des FBI, weil sonst ein gefährlicher Präzendenzfall geschaffen worden wäre. Der Fall hätte nie vor Gericht gebracht werden sollen. Man werde Strafermittlern weiterhin bei Untersuchungen behilflich sein, gleichzeitig aber auch die Sicherheit der eigenen Produkte weiter erhöhen. 

Der Original-Wortlaut:
«From the beginning, we objected to the FBI's demand that Apple build a backdoor into the iPhone because we believed it was wrong and would set a dangerous precedent. As a result of the government’s dismissal, neither of these occurred. This case should never have been brought. We will continue to help law enforcement with their investigations, as we have done all along, and we will continue to increase the security of our products as the threats and attacks on our data become more frequent and more sophisticated.
Apple believes deeply that people in the United States and around the world deserve data protection, security and privacy. Sacrificing one for the other only puts people and countries at greater risk. This case raised issues which deserve a national conversation about our civil liberties, and our collective security and privacy. Apple remains committed to participating in that discussion.»

Furcht vor Präzedenzfall

Apple wurde Mitte Februar von der Richterin im Verfahren angewiesen, dem FBI beim Entsperren eines iPhones 5C zu helfen, das von dem Attentäter von San Bernardino genutzt worden war. In der kalifornischen Stadt hatten er und seine Frau 14 Menschen getötet. Das Paar, das die Terrororganisation «Islamischer Staat» («IS») unterstützt haben soll, starb bei einer Schiesserei mit der Polizei.

Mourners gather around a makeshift memorial in honor of victims following Wednesday's attack in San Bernardino, California December 5, 2015. Authorities are investigating the shooting as an

Angehörige trauern um die Opfer von San Bernardino. 
Bild: SANDY HUFFAKER/REUTERS

Die Behörden betonten in den vergangenen Wochen immer wieder, dass sie nicht ohne Hilfe von Apple an die Daten im Telefon herankommen könnten. Sie wollten vor allem, dass Apple per Software-Eingriff die Funktion aushebelt, die den Speicherinhalt eines Telefons löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird.

Apple wehrte sich vehement dagegen und argumentierte, durch ein solches Programm würde die Datensicherheit für alle Nutzer geschwächt.

Der Konzern störte sich zudem daran, dass die Regierung als rechtliche Grundlage für ihre Forderungen den «All Writs Act» von 1789 vorbrachte – ein Gesetz, das Richter grundsätzlich bevollmächtigt, nötige Massnahmen zu verfügen. Apple warnte, mit einem solchen Präzedenzfall könne die Tür für eine weitreichende Überwachung elektronischer Geräte geöffnet werden.

Muss FBI über Methode informieren?

Das Justizministerium entgegnete, es gehe nur um dieses eine iPhone. Der Staatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance Jr., beklagte sich vor kurzem aber, dass allein in seiner Behörde in mehr als 175 Fällen nicht entsperrbare iPhones die Ermittlungen behinderten.

In New York läuft schon seit Monaten ein ähnliches Verfahren, in dem sich der Richter auf die Seite von Apple stellte. Die grosse Debatte um die Auswirkungen von Verschlüsselung auf Ermittlungen ist also mit dem Ende des Verfahrens in Kalifornien keineswegs vorbei.

Sollten die Ermittler dank einer Sicherheitslücke in Apples Software an die Daten im iPhone des Attentäters herangekommen sein, müssten sie die dabei verwendete Methode unter Umständen dem Konzern offenlegen.

Nach US-Recht entscheidet ein Regierungsgremium, ob solche Schwachstellen geheim gehalten und von den Behörden ausgenutzt werden können – oder zur Sicherheit der Nutzer die betroffenen Anbieter informiert werden sollten. Diese Abwägungsprozedur heisst «Equities Review».

(cma/sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • SolidSnake 29.03.2016 12:04
    Highlight Highlight Nichts als pure Heuchelei.
    Apple war niemals besorgt um die Sicherheit seiner Nutzer und wird es auch nie sein. Wer ein Mac-Computer mit OSX besitzt weiss wovon ich spreche; Sicherheitsupdates kommen häufig erst Wochen nachdem die betroffene Lücke bekannt ist. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Präsenzfall mit grossem öffentlichen Interesse. Es ist nichts als Marketing welches hier von seitens Apple betrieben wird!
  • Kaspar Floigen 29.03.2016 10:06
    Highlight Highlight Toll, jetzt können sie im Namen des Attentäters Twittern.
  • C0BR4.cH 29.03.2016 09:24
    Highlight Highlight Dass das FBI das Phone knacken wird war eh klar. Mit oder ohne Hilfe von Apple. Was gut ist an der ganzen Geschichte, ist dass Apple sich gewehrt hat.

    Was nun wichtig ist, ist dass dieses "Equities Review" entscheidet, die Methode des Knackens preiszugeben. Ansonsten bleibt Lücke weitgehend Unbekannt und kann nicht geschlossen werden und somit können sich in Zukunft noch andere dieser Methode bedienen.
    • flyingdutch18 29.03.2016 10:48
      Highlight Highlight Die Lücke ist wahrscheinlich der Verschlüsselungsstandard. Den hat das NSA schon vor einiger Zeit korrumpiert, was nach Snowden zu einem Aufschrei in der Crypto-Community geführt hat.
  • Tom Garret 29.03.2016 08:45
    Highlight Highlight Ich denke Apple kommt nicht über einene Kompromiss hinweg und wird wohl mittelfristig den Zugang auf gewisse Daten vereinfachen müssen... Vielleicht nicht auf alle Daten, aber der Druck wird zu gross sein...
    Übrigens stört mich am ganzen, dass Apple nicht sagt, dass sie das gar nicht können.... denn das wäre wirklich Sicherheit...
    • flyingdutch18 29.03.2016 10:45
      Highlight Highlight Doch, Apple hat schon gesagt, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt - ohne die Entwicklung eines neuen Betriebssystems mit Hintertür - keinen Zugriff auf dieses iPhone haben. Deshalb haben sie sich dem Ansinnen des FBI/DOJ ja auch entgegengestellt.
  • Miikee 29.03.2016 06:48
    Highlight Highlight Das FBI (NSA) wisse nicht wie das geht, hahaha. Klar. Das glaube ich dennen schlicht weg nicht. Das geht rein nur um den Präzedenzfall. Bleibt stark liebe Technologie Konzerne.
    • unejamardiani 29.03.2016 08:19
      Highlight Highlight Es geht wohl eher um den Aufwand der betrieben werden muss um an die Daten zu kommen ohne ein Backdoor. Weniger um den Präzedenzfall an sich.
    • flyingdutch18 29.03.2016 08:34
      Highlight Highlight Ganz genau. Der Prozess gegen Apple war von Anfang an inszeniert. Vor der drohenden juristischen Niederlage gestanden, zaubert das FBI/DOJ die technische Lösung aus dem Hut. Ich bin gespannt, wie der Richter dieses Verhalten beurteilt.

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