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Steht vor einer kniffligen Entscheidung: Apple-CEO Tim Cook.<br data-editable="remove">
Steht vor einer kniffligen Entscheidung: Apple-CEO Tim Cook.
Bild: Richard Drew/AP/KEYSTONE

Ist der Apple faul geworden – oder verhindern Tim Cook & Co. einen Big-Brother-Staat?

Sämtliche IT-Firmen des Silicon Valleys unterstützen Apple im Kampf gegen das FBI. Für die einen ist das die Arroganz der neuen «Masters of the Universe», für die anderen der notwendige Widerstand gegen einen Schnüffelstaat.
04.03.2016, 15:5204.03.2016, 16:24

Alle sprechen von der faschistischen Gefahr, die von einem denkbar gewordenen US-Präsidenten Donald Trump ausgeht. Im Windschatten dieser immer bizarrer werdenden Debatte spielt sich gleichzeitig ein epischer juristischer Streit zwischen Apple und dem FBI ab, dessen Ausgang ebenfalls weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts haben könnte.  

Nach zehn Mal ist Schluss

Das IT-Unternehmen weigert sich, der Bundespolizei Zugang zu den Daten zu verschaffen, die sich auf einem iPhone befinden, das die Terroristen von San Bernandino benützt haben. Jetzt müssen die Richter entscheiden, ob Apple dazu gezwungen werden kann oder nicht.   iPhones sind mit einem Sicherheitscode geschützt. Wenn man mehr als zehn Mal den falschen Code eingibt, werden alle Daten automatisch gelöscht. Bisher ist es den FBI-Spezialisten nicht gelungen, diesen Code zu knacken, deshalb fordern sie Hilfe bei den Apple-Software-Ingenieuren an.

Diesen Code kann das FBI nicht knacken.<br data-editable="remove">
Diesen Code kann das FBI nicht knacken.
Bild: ERIK S. LESSER/EPA/KEYSTONE

Dagegen hat Tim Cook sein Veto eingelegt. Das wäre ein gefährlicher Präzedenzfall, so der Apple-CEO, der eine Hintertür für alle denkbaren und ungebetenen Eindringlinge öffnen würde.

«Es wäre selbstmörderisch, die Sicherheit der IT-Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu schwächen, in dem verschiedenste Institutionen anfällig für Hackerangriffe geworden sind.»
Evgeny Morozov

Normalerweise bekämpfen sich die IT-Unternehmen im Silicon Valley bis aufs Blut. Jetzt aber ist es zu einer eindrücklichen Solidaritäts-Demonstration mit Apple gekommen. Google, Amazon, Facebook, Microsoft & Co. haben sich hinter Apple gestellt. Insgesamt 40 der führenden IT-Unternehmen haben am Donnerstag mehr als ein Dutzend Fürsprachen beim District Court for the District of Central California hinterlegt.

Nicht nur die Richter, auch die Intellektuellen schalten sich ein

Im Fall Apple vs. FBI geht es ums Grundsätzliche: Wie weit darf sich der Staat in die Privatsphäre einmischen? Seit der Affäre Snowden weiss schliesslich jedes Kind, dass sich der Geheimdienst NSA praktisch unbeschränkt selbst die intimsten Daten von unbescholtenen Bürgern verschafft hatte. Das Thema Big Data und Privatsphäre ist deshalb sehr brisant geworden.

Auch die Intellektuellen haben sich im grossen Stil eingeschaltet. Einer davon ist Evgeny Morozov, einer der bekanntesten IT-Kritiker der Gegenwart. In der «Financial Times» hat er die Weigerung von Apple gelobt. «Es wäre selbstmörderisch, die Sicherheit der IT-Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu schwächen, in dem verschiedenste Institutionen anfällig für Hackerangriffe geworden sind», stellt Morozov fest.

«Silicon Valley lebt nicht auf einem anderen Planeten, und Apples Profite sollten den demokratischen Prozess und die Sicherheit nicht übertrumpfen.»
Philip Stephens

Auf der konservativen Meinungsseite des «Wall Street Journal» hingegen wird getitelt: «Apple ist verfault». «Von Richtern angeordnete Überwachungen sind Routine geworden», heisst es dort. «Aber das Gesetz geht immer noch von veralteten Festanschlüssen aus. Die Technologie hat sich jedoch weiterentwickelt, die Verfassung ist immer noch die gleiche und verlangt, dass man in vertretbaren Fällen zusammenarbeitet. Das gilt auch für Apple.»

Arroganz der Macht?

Dieses Argument wird nicht nur von Konservativen, sondern auch von Liberalen angeführt. Philip Stephens, Kolumnist bei der «Financial Times», verurteilt ebenfalls, was er für Arroganz der IT-Unternehmen hält. «Mr Cook scheint zu denken, Apple stehe über dem demokratischen Prozess», schreibt er. «Apple ist dabei nicht allein. Hört man Google, Facebook und anderen IT-Konzernen zu, dann erhält man den Eindruck, sie würden ihrer eigenen Propaganda Glauben schenken: Als Wächter der digitalen Zukunft fühlen sie sich über Gerichte und Politiker moralisch erhaben.»

Die moralischen Appelle und der Messianismus seien gut und recht, so Stephens weiter. «Aber nein, Silicon Valley lebt nicht auf einem anderen Planeten, und Apples Profite sollten den demokratischen Prozess und die Sicherheit nicht übertrumpfen.»

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kronrod
04.03.2016 16:24registriert März 2015
Apple hat recht. Niemand unbeteiligtes soll gezwungen werden können, andere zu verpetzen. Der nächste Schritt wäre, alle Hersteller von GPS-Geräten zu zwingen, bei Geschwindigkeitsüberschreitungen automatisch die Polizei zu benachrichten.
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DailyGuy
04.03.2016 16:21registriert Dezember 2015
Die Republikaner und das FBI hätten am liebsten die volle Kontrolle über das Volk. Ich finde dieses Vorhaben, dass das FBI immer Zugriff haben will, irgendwie beängstigend. Nicht, weil ich etwas zu verbergen hätte, sondern, weil dies der erste Schritt zur Kontrolle der Bevölkerung sein wird. Und Staaten wie China zeigen ja gut, wie schön so eine staatliche Kontrolle ist.
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Karl Müller
04.03.2016 16:09registriert März 2015
"Im Fall Apple vs. FBI geht es ums Grundsätzliche: Wie weit darf sich der Staat in die Privatsphäre einmischen?"

Nein, darum geht es doch überhaupt nicht. Niemand bestreitet, dass das FBI das Recht hat, diese Daten einzusehen. Das wäre bei vergleichbaren Fällen weltweiter Standard. Die Frage ist hier vielmehr: Ist Apple dazu verpflichtet, das FBI bei seinen Ermittlungen zu unterstützen, und ihr eigenes Produkt zu hacken? DAS ist der Knackpunkt.
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