DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this April 30, 2015, file ph

Steht vor einer kniffligen Entscheidung: Apple-CEO Tim Cook.
Bild: Richard Drew/AP/KEYSTONE

Ist der Apple faul geworden – oder verhindern Tim Cook & Co. einen Big-Brother-Staat?

Sämtliche IT-Firmen des Silicon Valleys unterstützen Apple im Kampf gegen das FBI. Für die einen ist das die Arroganz der neuen «Masters of the Universe», für die anderen der notwendige Widerstand gegen einen Schnüffelstaat.



Alle sprechen von der faschistischen Gefahr, die von einem denkbar gewordenen US-Präsidenten Donald Trump ausgeht. Im Windschatten dieser immer bizarrer werdenden Debatte spielt sich gleichzeitig ein epischer juristischer Streit zwischen Apple und dem FBI ab, dessen Ausgang ebenfalls weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts haben könnte.  

Nach zehn Mal ist Schluss

Das IT-Unternehmen weigert sich, der Bundespolizei Zugang zu den Daten zu verschaffen, die sich auf einem iPhone befinden, das die Terroristen von San Bernandino benützt haben. Jetzt müssen die Richter entscheiden, ob Apple dazu gezwungen werden kann oder nicht.   iPhones sind mit einem Sicherheitscode geschützt. Wenn man mehr als zehn Mal den falschen Code eingibt, werden alle Daten automatisch gelöscht. Bisher ist es den FBI-Spezialisten nicht gelungen, diesen Code zu knacken, deshalb fordern sie Hilfe bei den Apple-Software-Ingenieuren an.

epa05173006 The lock screen of an Apple iPhone 6 is seen in Columbia, South Carolina, USA, 20 February 2016. Apple and the US Federal Bureau of Investigation are currently at odds over creating software to unlock the iPhone of San Bernardino shooter Syed Farook without erasing the phone's data. Apple chief executive Tim Cook refused the judge's order in an open letter posted on the company's website 16 February 2016 shortly after Judge Sheri Pym ordered the company to help the FBI access data they believe is stored on the iPhone linked to the San Bernardino, California, terrorists. The December 2 attack in San Bernardino was carried out by Syed Rizwan Farook and his wife, Tashfeen Malik, at a holiday party at the county office where Farook worked. Fourteen people were killed. Police killed Farook and Malik later that same day in a shoot-out. The FBI wants Apple to help it hack into Farook's iPhone by building a new version of the iOS software that would circumvent security features and install the software on the iPhone, which was recovered during the investigation.  EPA/ERIK S. LESSER

Diesen Code kann das FBI nicht knacken.
Bild: ERIK S. LESSER/EPA/KEYSTONE

Dagegen hat Tim Cook sein Veto eingelegt. Das wäre ein gefährlicher Präzedenzfall, so der Apple-CEO, der eine Hintertür für alle denkbaren und ungebetenen Eindringlinge öffnen würde.

«Es wäre selbstmörderisch, die Sicherheit der IT-Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu schwächen, in dem verschiedenste Institutionen anfällig für Hackerangriffe geworden sind.»

Evgeny Morozov

Normalerweise bekämpfen sich die IT-Unternehmen im Silicon Valley bis aufs Blut. Jetzt aber ist es zu einer eindrücklichen Solidaritäts-Demonstration mit Apple gekommen. Google, Amazon, Facebook, Microsoft & Co. haben sich hinter Apple gestellt. Insgesamt 40 der führenden IT-Unternehmen haben am Donnerstag mehr als ein Dutzend Fürsprachen beim District Court for the District of Central California hinterlegt.

Nicht nur die Richter, auch die Intellektuellen schalten sich ein

Im Fall Apple vs. FBI geht es ums Grundsätzliche: Wie weit darf sich der Staat in die Privatsphäre einmischen? Seit der Affäre Snowden weiss schliesslich jedes Kind, dass sich der Geheimdienst NSA praktisch unbeschränkt selbst die intimsten Daten von unbescholtenen Bürgern verschafft hatte. Das Thema Big Data und Privatsphäre ist deshalb sehr brisant geworden.

Auch die Intellektuellen haben sich im grossen Stil eingeschaltet. Einer davon ist Evgeny Morozov, einer der bekanntesten IT-Kritiker der Gegenwart. In der «Financial Times» hat er die Weigerung von Apple gelobt. «Es wäre selbstmörderisch, die Sicherheit der IT-Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu schwächen, in dem verschiedenste Institutionen anfällig für Hackerangriffe geworden sind», stellt Morozov fest.

«Silicon Valley lebt nicht auf einem anderen Planeten, und Apples Profite sollten den demokratischen Prozess und die Sicherheit nicht übertrumpfen.»

Philip Stephens

Auf der konservativen Meinungsseite des «Wall Street Journal» hingegen wird getitelt: «Apple ist verfault». «Von Richtern angeordnete Überwachungen sind Routine geworden», heisst es dort. «Aber das Gesetz geht immer noch von veralteten Festanschlüssen aus. Die Technologie hat sich jedoch weiterentwickelt, die Verfassung ist immer noch die gleiche und verlangt, dass man in vertretbaren Fällen zusammenarbeitet. Das gilt auch für Apple.»

Arroganz der Macht?

Dieses Argument wird nicht nur von Konservativen, sondern auch von Liberalen angeführt. Philip Stephens, Kolumnist bei der «Financial Times», verurteilt ebenfalls, was er für Arroganz der IT-Unternehmen hält. «Mr Cook scheint zu denken, Apple stehe über dem demokratischen Prozess», schreibt er. «Apple ist dabei nicht allein. Hört man Google, Facebook und anderen IT-Konzernen zu, dann erhält man den Eindruck, sie würden ihrer eigenen Propaganda Glauben schenken: Als Wächter der digitalen Zukunft fühlen sie sich über Gerichte und Politiker moralisch erhaben.»

Die moralischen Appelle und der Messianismus seien gut und recht, so Stephens weiter. «Aber nein, Silicon Valley lebt nicht auf einem anderen Planeten, und Apples Profite sollten den demokratischen Prozess und die Sicherheit nicht übertrumpfen.»

So werden wir von Apple, Google und dem eigenen Staat überwacht

Das iPhone verfolgt jeden Schritt von dir. So stoppst du die Handy-Überwachung

Link zum Artikel

Faszinierend. Google weiss, was Sie letzten Sommer getan haben. Minute für Minute, Ort für Ort. Kein Grund zur Panik. So stoppt man die Handy-Überwachung

Link zum Artikel

Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? Minute für Minute, Ort für Ort? Swisscom oder Sunrise wissen es, Sie wissen es jetzt – und der Staat kann es jederzeit wissen

Link zum Artikel

Was der Staat von Ihrem Smartphone will. Und wann. Und weshalb.

Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Jack Ma nicht mehr reichster Chinese

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Chlorothalonil: Syngenta lässt dem Bund einen Maulkorb verpassen

Der Agrochemiekonzern Syngenta Agro hat im Zusammenhang mit einem Fungizid abermals erreicht, dass der Bund Informationen zu möglichen krebserregenden Folgen des Mittels nicht verbreiten darf. Das Bundesverwaltungsgericht hiess einen Antrag der Syngenta gut.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Zwischenverfügung erteilt das Bundesverwaltungsgericht dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) klare Anweisungen: Das Bundesamt darf vier verschiedene Abbaustoffe, …

Artikel lesen
Link zum Artikel