Demonstration gegen Sonderverwaltungsregion in Hongkong
Zehntausende Menschen haben in Hongkong gegen die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert. Die Organisatoren schätzten die Teilnehmerzahl auf 200'000 Menschen, die Polizei hingegen auf nur 22'800.
Der Protest am Sonntag entzündete sich an Plänen für eine Auslieferung von Verdächtigen nach China sowie an den jüngsten Urteilen gegen prodemokratische Aktivisten.
Viele Menschen trugen gelbe Regenschirme als Zeichen der Solidarität mit den Anführern der «Regenschirm»-Bewegung, die am Mittwoch zu Haftstrafen bis 16 Monate verurteilt worden waren. Die Empörung über die Schuldsprüche gegen die Führer der Bewegung von 2014 für freie Wahlen in Hongkong sorgte für besonders grossen Zulauf von Demonstranten.
Eigentlich sollte gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz protestiert werden. Es würde den Behörden erlauben, verdächtige Kriminelle auf Ersuchen chinesischer Stellen an China auszuliefern. Kritiker weisen darauf hin, dass das Justizsystem in der Volksrepublik nicht unabhängig ist, nicht internationalen Standards entspricht und auch Andersdenkende politisch verfolgt.
Seit der Rückgabe der britischen Kronkolonie 1997 an China wird die sieben Millionen Einwohner zählende Wirtschaftsmetropole nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» unter chinesischer Souveränität autonom als eigenes Territorium regiert. Nach den prodemokratischen Demonstrationen 2014, die Teile der Hafenstadt wochenlang lahmgelegt hatten, hat die kommunistische Führung in Peking die Zügel im Umgang mit Hongkong angezogen. (sda/dpa)
