Erneut Luftangriffe auf Libyens Hauptstadt Tripolis
Auf die libysche Hauptstadt Tripolis sind am späten Samstagabend erneut Luftangriffe geflogen worden. Journalisten und Einwohner von Tripolis berichteten vom Dröhnen von Flugzeugen über der Stadt und lauten Explosionen.
Die genauen Ziele der Angriffe waren zunächst unklar. Anwohner berichteten zudem von anhaltendem Gewehrfeuer aus Maschinenpistolen und Flugabwehrkanonen.
Anfang April hatte der abtrünnige libysche General Chalifa Haftar mit der Libysch-Nationalen Armee (LNA) einen Vorstoss auf Tripolis begonnen, den Sitz der international weitgehend anerkannten Einheitsregierung. Regierungstreue Truppen und Einheiten Haftars liefern sich seither erbitterte Gefechte um die Kontrolle der libyschen Hauptstadt. Die meisten Gefechte finden am Boden statt, gelegentlich gibt es aber auch Luftangriffe.
Die LNA schickte zudem ein Kriegsschiff in den Erdölhafen von Ras Lanuf im Osten des Landes, was sie auch erstmals bestätigte. Das Patrouillenboot «Alkarama» sei als Teil einer Übung entsandt worden und solle die Erdölanlagen sichern, sagte ein LNA-Sprecher.
Unterstützung der Emirate
Die LNA kontrolliert die Erdölhäfen im Osten des Landes ebenso wie die Erdölfelder. Die Verwaltung liegt aber weiter bei dem staatlichen Erdölkonzern NOC, da ausländische Erdölkäufer nur mit dieser, ihnen lange bekannten Firma Geschäfte machen wollen. Haftar war unter dem 2011 gestürzten Staatschef Muammar Gaddafi General. Er geniesst die Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens, die ihm mit Luftangriffen bei der Übernahme der Kontrolle im Osten Libyens halfen. Beide Länder haben die LNA laut Uno-Berichten auch mit militärischer Ausrüstung unterstützt, darunter Helikopter, und sogar einen Militärflughafen gebaut.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden bei den Kämpfen bisher rund 280 Menschen getötet und mehr als 1300 Personen verletzt.
In Libyen herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar unterstützt eine Gegenregierung im Osten Libyens. (sda/afp/reu)
