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Erneut Umwelt-Panne am Vorzeigebach im Nationalpark



Der Vorzeigebach Spöl im Schweizerischen Nationalpark ist erneut von einer Umweltpanne betroffen, die mit dem Livigno-Stausee zusammenhängt. Vor drei Jahren wurde der Bach mit Schlamm überschwemmt, nun wurde eine hohe Konzentration des krebsauslösenden PCB gefunden.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind die Polychlorierten Biphenyle (PCB) bei Revisionsarbeiten an der Stauanlage Punt dal Gall in Zernez in den Spöl gelangt, wie Remo Fehr, Leiter des Amtes für Natur und Umwelt, am Freitag auf Anfrage erklärte. Fest steht, dass Ende September bei einer Sandstrahlung des Korrosionsschutzes am Grundablass versehentlich PCB-Staub ins Innere der Staumauer gelangte.

Sicherheitsmessungen an zwei Stellen des Spöls ergaben in einiger Entfernung zur Staumauer sehr hohe PCB-Werte. Unmittelbar am Staumauerausfluss waren die Werte hingegen tief. Darum ist unklar, welche Strecken des Nationalparkbaches von der PCB-Verschmutzung betroffen sind.

«Es kann sein, dass der ganze Spöl betroffen ist oder nur die eine Stelle», erklärte Fehr. Denkbar sei zudem, dass das PCB von einem vor vielen Jahren liegen gelassenen Farbkübel stamme und nicht aus der Staumauer. Weitere Messungen nächste Woche und Analysen sollen Klarheit bringen.

Keine Gefahr für Menschen

Um eine weitere Verteilung des Schadstoffes zu verhindern, wurden die am Spöl praktizierten künstlichen Hochwasser vorerst ausgesetzt. Es sind diese periodischen Staumauerspülungen, die den Spöl zu einem Vorzeigeprojekt für die Renaturierung eines typischen Restwasserbachs machen.

PCB wurde bis in die 1980er-Jahre als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen und Kunststoffen verwendet. Mittlerweile ist es weltweit verboten.

Eine Gefahr für Menschen geht vom PCB im Spöl laut Amtsleiter Fehr nicht aus und auch nicht für die jetzt dort lebenden Fische. Es werde kein Fischsterben geben. Nicht ausgeschlossenen werden könne aber, dass spätere Fischgeneration geschädigt würden.

Die Polizei hat eine Untersuchung zum PCB-Nachweis am Wildbach eröffnet, wie sie mitteilte. Ermittelt wird, ob die Gewässerverschmutzung im Zusammenhang mit Revisionsarbeiten an der Stauanlage steht.

Umweltdesaster im 2013

Bereits 2013 war der Spöl von einem Umweltdesaster betroffen. Tausende Fische und andere Lebewesen verendeten, weil aus dem Livigno-Stausee kein Restwasser floss. Als die Engadiner Kraftwerke die Misere notfallmässig beheben wollten, überschwemmten sie das Bachbett auf einer Länge von sechs Kilometern ungewollt mit Schlamm und erstickten weiteres Leben.

Ein strafrechtlich relevantes Verhalten konnte allerdings niemandem angelastet werden. Die Bündner Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, dass Ereignisse zum Vorfall im Stausee führten, die spontan und ohne Zutun des Betriebs oder anderer Beteiligter entstanden. (sda)

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