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Hochrechnungen: CDU/CSU gewinnt Wahl trotz Verlusten



Die Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die Bundestagswahl vom Sonntag nach ersten Hochrechnungen der deutschen Fernsehsender mit deutlichen Stimmenverlusten gewonnen. Die SPD will in die Opposition gehen.

Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF (18.00 Uhr) kam die CDU/CSU auf 32.7 bis 33.3 Prozent (2013: 41.5). Ein Sieg der Christdemokraten im Bund hatte sich zwar seit Monaten abgezeichnet. Allerdings waren die Umfragewerte in den Tagen vor der Wahl zurückgegangen. Sie erzielten laut Hochrechnungen das zweitschlechteste Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will zum vierten Mal in Folge ein Regierungsbündnis unter ihrer Führung schmieden. «Wir haben einen Auftrag, eine Regierung zu bilden», sagte die CDU-Vorsitzende am Sonntag. Man brauche nicht drumherum zu reden, dass man sich ein besseres Ergebnis gewünscht hätte.

Die SPD von Kanzlerkandidat Martin Schulz landete mit 20.2 bis 20.8 Prozent (2013: 25.7) abgeschlagen auf Platz zwei. Damit erzielte die SPD ihr schlechtestes Bundestagsergebnis aller Zeiten. Sie will nach der historischen Wahlpleite vom Sonntag in die Opposition gehen. «Wir werden den Oppositionsauftrag der Wähler annehmen», sagte Parteivize Manuela Schwesig am Sonntagabend.

Die rechtspopulistische AfD erreichte 13.2 bis 13.4 Prozent (2013: 4.7) und ist damit erstmals im Parlament vertreten. AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland wertete das gute Wahlergebnis seiner Partei als Kampfansage an die künftige Bundesregierung . «Sie kann sich warm anziehen. Wir werden sie jagen», sagte er am Sonntagabend in Berlin.

Die FDP (Liberale) kehrt nach vier Jahren Abwesenheit mit 10.1 bis 10.5 Prozent (2013: 4.8) ins nationale Parlament zurück. Die Linke erreichte 8.9 Prozent (2013: 8.6), die Grünen 9.2 bis 9.4 Prozent (2013: 8.4).

Das vorläufige amtliche Endergebnis wird nach Mitternacht erwartet. Es ergibt sich folgende Sitzverteilung: CDU/CSU 217 bis 220, SPD 134 bis 138, AfD 87 bis 88, FDP 65 bis 70, Linke 60 bis 62, Grüne 62 Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 77 Prozent (2013: 70.8 Prozent).

SPD will in Opposition gehen

Nach ersten Hochrechnungen wäre rechnerisch eine Fortsetzung der regierenden «schwarz-roten» Koalition aus CDU/CSU und SPD möglich. Die Sozialdemokraten kündigten allerdings an, in die Opposition gehen zu wollen. «Für uns endet heute die grosse Koalition», sagte SPD-Vize Manuela Schwesig am Sonntagabend. «Heute ist ein schwerer und ein bitterer Tag für die deutsche Sozialdemokratie», sagte Parteichef Schulz.

Merkel könnte auch versuchen, eine «Jamaika-Koalition» (Schwarz-Gelb-Grün) mit FDP und Grünen zu bilden, die es auf Bundesebene in Deutschland bisher noch nicht gegeben hat.

Parallel zum Erfolg zum Erfolg der AfD bei der deutschen Bundestagswahl haben sich am Sonntagabend in der Hauptstadt Berlin Demonstranten vor der Wahlparty der Rechtspopulisten versammelt.

Etwa 100 Menschen zogen am Sonntagabend zum Alexanderplatz, wo die AfD-Anhänger sich in einem Club in einem Hochhaus versammelt hatten. Sie pfiffen und riefen Anti-AfD-Parolen. Die Polizei war mit einem grösseren Aufgebot vertreten. (sda)

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