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Schicksalswahl in Frankreich - Anlauf bis Mittag eher schleppend



Mit eher mässiger Beteiligung hat am Sonntag die entscheidende Runde der französischen Präsidentenwahl begonnen. Bis zum Mittag gaben nach Angaben des Innenministeriums fast genauso viele Wahlberechtigte ihre Stimme ab wie in der ersten Runde vor zwei Wochen.

In den vergangenen Jahrzehnten war die Wahlbeteiligung im zweiten Durchgang aber immer höher gewesen als im ersten. Die Wahllokale sind noch bis 19.00 Uhr geöffnet, in grossen Städten bis 20.00 Uhr. Dann gibt es auch die ersten Hochrechnungen. In einigen französischen Überseegebieten stimmten die Wähler wegen der Zeitverschiebung bereits am Samstag ab.

Als klarer Favorit der europaweit mit grosser Spannung verfolgten Wahl gilt der pro-europäische Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron. Er lag in letzten offiziellen Umfragen vom Freitag mit 62 bis 63 Prozent deutlich vor der Rechtspopulistin und EU-Gegnerin Marine Le Pen, die demnach lediglich auf 37 bis 38 Prozent käme.

Der offizielle Wahlkampf war in der Nacht zum Samstag zu Ende gegangen, am Wochenende gab es keine Kundgebungen mehr. Fernseh- und Radiointerviews mit den Kandidaten waren verboten, auch neue Umfrageergebnisse durften nicht mehr veröffentlicht werden.

Vom Norden nach Paris

Macron stimmte am Sonntagvormittag gemeinsam mit seiner Frau Brigitte im nordfranzösischen Le Touquet am Ärmelkanal ab. Er wollte sich im Laufe des Wahltags nach Paris begeben und im Fall eines Wahlsiegs am Louvre-Museum im Herzen der französischen Hauptstadt feiern.

Le Pen, Vorsitzende des Front National (FN), gab ihre Stimme in Hénin-Beaumont ab. Der ebenfalls in Nordfrankreich gelegene Ort ist eine Hochburg des FN. In der Stadt hatte sie im ersten Wahlgang vor zwei Wochen 46.5 Prozent der Stimmen erhalten, landesweit waren es nur 21.3 Prozent.

Wie Macron wollte auch Le Pen später nach Paris fahren. Den Wahlabend verbringt sie in einem Veranstaltungsort im Bois de Vincennes, einem der beiden Pariser Stadtwälder.

Neue Ära beginnt

Für Frankreich beginnt mit der Wahl in jedem Fall eine neue politische Ära. Denn die Bewerber der traditionellen Regierungsparteien - Konservative und Sozialisten - waren schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen ausgeschieden.

Die gemässigten Kräfte der französischen Politik stellten sich anschliessend hinter Macron, um eine mögliche Präsidentschaft Le Pens zu verhindern. Allerdings lehnen viele linke Wähler Macrons wirtschaftsfreundliche Linie ab.

Le Pen will im Fall eines Wahlsiegs eine Volksabstimmung über den Verbleib Frankreichs in der EU organisieren und den Euro als gängiges Zahlungsmittel abschaffen. Dass sie nächste Staatschefin werden könnte, ist deswegen für viele Menschen in anderen EU-Staaten eine Horrorvorstellung.

Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker Macron gilt hingegen als Hoffnungsträger der Pro-Europäer. Er will die französische Wirtschaft mit Reformen wettbewerbsfähiger machen, damit sich sein Land in der Globalisierung besser behaupten kann.

Macron war von 2014 bis 2016 Wirtschaftsminister unter dem amtierenden sozialistischen Staatschefs François Hollande, der nicht wieder antritt. Er wäre mit 39 Jahren der jüngste französische Präsident aller Zeiten und tritt unabhängig von den etablierten Parteien an.

Interne Dokumente veröffentlicht

Kurz vor der Wahl war Macrons Wahlkampfteam Opfer eines massiven Hackernangriffs geworden. Zehntausende interne Dokumente seiner Bewegung «En Marche!» wurden in der Nacht zum Samstag im Internet veröffentlicht. Macrons Bewegung sprach von einer «massiven und koordinierten» Destabilisierungskampagne.

Die französische Regierung hatte wiederholt vor einer russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf gewarnt. Sie verdächtigte Moskau, die Wahl zugunsten von Macrons rechtspopulistischer Gegnerin Le Pen beeinflussen zu wollen, die als russlandfreundlich gilt.

Wegen der anhaltenden Anschlagsgefahr findet die Wahl unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Im Einsatz sind mehr als 50'000 Polizisten und tausende Soldaten. Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. (sda/dpa/afp/reu)

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