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NSU-Prozess: Anwalt beginnt mit Verlesung von Zschäpe-Aussage im NSU-Prozess



Die mutmassliche deutsche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe hat ihr mehr als zweieinhalbjähriges Schweigen im NSU-Prozess gebrochen. Ihr Anwalt Mathias Grasel begann am Mittwochvormittag damit, eine Aussage der Hauptangeklagten zu verlesen.

Grasel hatte im Vorfeld eine umfassende Erklärung angekündigt: Zschäpes Aussage soll Angaben zu allen Anklagepunkten enthalten, die die Bundesanwaltschaft dem «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) vorwirft, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde.

In der vorgelesenen Aussage ging es unter anderem um die Beziehung Zschäpes zu den beiden anderen mutmasslichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. An ihrem 19. Geburtstag habe sie Böhnhardt kennengelernt. Sie habe sich in ihn verliebt, sei aber noch mit Mundlos zusammen gewesen. Kurz nach Mundlos' Wehrdienst hätten sie sich getrennt.

Anschliessend sei sie eine Beziehung mit Böhnhardt eingegangen. So sei sie stärker in Kontakt zu Böhnhardts Freunden gekommen, die nationalistischer eingestellt gewesen seien als die von Mundlos.

Zschäpe berichtete zudem von ihrer schwierigen Kindheit und den Alkoholproblemen und Streitigkeiten mit ihrer Mutter. Von der Mutter habe sie so gut wie kein Geld bekommen, so dass sie sich an kleineren Diebstählen habe beteiligten müssen.

Neuer Anwalt und Angehörige von Opfern anwesend

Zschäpe liess sich zu Beginn der Verhandlung in München erstmals bereitwillig fotografieren. Kurz vor ihrer mit Spannung erwarteten Aussage wandte sie sich am Mittwochmorgen nicht - wie sonst - von den Kameras weg; sie lächelte.

Zschäpe will auch Fragen beantworten - aber nur des Gerichts und nur schriftlich und erst später. Grasel hat den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl um einen schriftlichen Fragenkatalog gebeten.

Auch Zschäpes neuer Anwalt Hermann Borchert nahm erstmals an einer NSU-Verhandlung teil. Unter den Nebenklagevertretern waren zum ersten Mal seit längerer Zeit auch wieder mehrere Angehörige der NSU-Opfer anwesend.

Zschäpe muss sich als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden. Seit Prozessbeginn im Mai 2013 hatte sie beharrlich geschwiegen. Die beiden anderen Mitglieder des NSU-Trios, Mundlos und Böhnhardt, starben 2011 nach einem Banküberfall. (sda/dpa/afp)

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