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Ein Jahr nach Expo: Aufbruch und Altlasten



Vor einem Jahr öffneten sich die Tore der Expo Milano zum letzten Mal. Rund 20 Millionen Menschen besuchten die sechsmonatige Weltausstellung. Nun soll auf dem Gelände ein neuer Wissenschafts- und Forschungskomplex entstehen.

Zwölf Monate nach Ausstellungsende seien 45 von 52 Pavillons abgebaut, sagte Marco Dragone auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Er arbeitet für die Arexpo-Gesellschaft, welche mit der Nachnutzung des Expo-Geländes beauftragt ist.

Doch nicht alle Gebäude wurden abgerissen oder demontiert: Der «Palazzo Italia», in dem die italienische Ausstellung untergebracht war, blieb erhalten. Ebenso der «Baum des Lebens», welcher Expo-Besucher mit einer Wasser- und Lichtshow unterhielt. Das Amphitheater wurde bereits diesen Sommer für Konzerte genutzt.

Rund ein Fünftel des 1.1 Quadratkilometer grossen Geländes konnte in den vergangenen Monaten laut Dragone auch wieder für die Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Im November sollen dann während drei Tagen Snowboard- und Ski-Freestyler für einen Wettbewerb den Weg nach Mailand-Rho finden.

«Park des Wissens» als Ziel

Derzeit werden gemäss der Arexpo Pläne ausgearbeitet, wie das bereits gut erschlossene und mit moderner Infrastruktur ausgestattete Gelände in einen Wissenschaftspark umgewandelt werden kann. Einerseits sollen einige Wissenschaftsfakultäten und Forschungsinstitute der Mailänder Universitäten zum Messegelände in Rho umziehen - andererseits verfolgt auch die italienische Regierung mit dem «Human Technopole» ehrgeizige Pläne.

Dort, wo einmal die Pavillons einluden, um sich mit Ernährungsfragen zu beschäftigen, soll ein interdisziplinäres Forschungszentrum entstehen. Als zentrale Themen vorgesehen sind die Erforschung von Alzheimer und Parkinson sowie die Alterung der westlichen Gesellschaften. Aber auch die Ernährungswissenschaften und «Agro-Sciences» sollen dort einen Ort zum Forschen finden.

Ende September hatte die italienische Regierung bekanntgegeben, das Projekt mit einem 80-Millionen-Euro-Kredit zu unterstützen. Der italienische Premier Matteo Renzi hatte bei der Vorstellung des «Human Technopole»-Projekts vollmundig erklärt, dass Mailand damit wieder zur «Lokomotive Europas» werden könne.

Brexit als Chance

Italien verfolgt laut Dragone ausserdem das Ziel, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nach Mailand auf das ehemalige Expo-Gelände locken zu können. Nach dem britischen Brexit-Votum hatten sich mehrere Länder um eine Ansiedlung der Agentur bemüht.

Gespräche gebe es auch mit internationalen Pharma- und IT-Unternehmen, die einmal den Wissenschafts-Hub nutzen könnten.

Der nächste Schritt bei der Umwandlung des Expo-Geländes in einen Forschungsort ist eine Änderung der Beteiligungsstruktur: Das italienische Wirtschaftsministerium steigt mit 50 Millionen in der Arexpo-Gesellschaft ein. Die anderen beiden grossen Anteilseigner sind die Region Lombardei und die Stadt Mailand.

Korruptionsfälle ans Licht gekommen

Schon im Vorfeld der Weltausstellung hatte es Hinweise darauf gegeben, dass Baufirmen auf dem Expo-Gelände zum Teil mafiös unterwandert waren. Eine eingesetzte Anti-Mafia-Direktion versuchte der Lage in Mailand-Rho Herr zu werden - kein leichtes Unterfangen, da teilweise bis zu 3000 Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle tätig waren und sich 145 Länder an der Expo beteiligten.

Anfang Woche wurde nun laut der Nachrichtenagentur ANSA bekannt, dass der Bau der Pavillons von China und Ecuador von Firmen bewerkstelligt wurde, die in den Händen von N'drangheta-Clans waren.

Die Finanzwacht und die Anti-Mafia-Direktion beschlagnahmten in diesem Zusammenhang Güter im Wert von 15 Millionen Euro. Von der Mafia infiltrierte Subunternehmen sollen ausserdem bei der Erschliessung des Expo-Geländes sowie bei der Verkehrsinfrastruktur mitgewirkt haben. (sda)

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