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Militärische Spannungen zwischen Iraks Armee und Kurden bei Kirkuk



Im Streit um das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak wächst die Sorge vor einem bewaffneten Konflikt. Das Generalkommando der kurdischen Peschmerga-Kämpfer warf Iraks Regierungskräften am Freitag vor, einen «Krieg gegen Kurdistan» vorzubereiten.

Ein Peschmerga-Kommandant sagte der Nachrichtenagentur dpa, irakische Kräfte hätten versucht, die Front in der Region zu durchbrechen, um die Provinz Kirkuk zurückzuerobern. Als Peschmerga werden die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan bezeichnet.

Ein hoher irakischer Offizier teilte mit, Armee und verbündete Milizen seien in Gebiete bei Kirkuk vorgerückt, die die Kurden in der Nacht auf Freitag verlassen hätten. Am Freitagmorgen sei bereits ein Militärposten der Peschmerga westlich der Stadt Kirkuk eingenommen worden.

Das kurdische Peschmerga-Kommando warnte daraufhin vor einer «grossen Katastrophe». Die Peschmerga wollten kein Blutvergiessen, seien aber bereit, «das Volk Kurdistans» zu verteidigen, hiess es in einer Erklärung. «Wir werden niemandem erlauben, uns anzugreifen.»

Zehntausende kurdische Peschmerga und Sicherheitskräfte seien bereits in und rund um Kirkuk stationiert, sagte am Freitag der Vizepräsident der Region, Kosrat Rassul, dem kurdischen Fernsehsender Rudaw. Tausende Peschmerga seien seit Donnerstag dazugekommen, «um der Bedrohung entgegenzutreten».

Bagdad dementiert

Iraks Militärführung wies derweil Meldungen über den Beginn einer gegen die Kurden gerichteten Militäroperation zurück. Die Einheiten bei Kirkuk seien weiterhin dabei, von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreites Gebiet zu säubern und zu durchkämmen, hiess es in einer Erklärung.

Auch der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi bekräftige in Mitteilungen über Twitter, die Regierungskräfte könnten und würden keine irakischen Bürger angreifen, seien es Araber oder Kurden. Er wolle keinen arabisch-kurdischen Konflikt.

Irakische Regierungskräfte hatten Anfang des Monates südwestlich von Kirkuk die vom IS kontrollierte Stadt Hawidscha und deren Umland befreit. Damit kontrollieren die Extremisten nur noch Gebiete im Westen des Landes.

Umstrittenes Referendum

In der ölreichen Provinz Kirkuk ist der Konflikt zwischen Kurden und Zentralregierung besonders scharf, weil diese von beiden Seiten beansprucht wird. Die Peschmerga hatten 2014 die Kontrolle über die Provinz übernommen, nachdem die Armee vor dem IS-Ansturm geflohen war. Die Kurden exportieren von Kirkuk aus Öl über eine Pipeline in die Türkei.

In einem umstrittenen Referendum hatten sich die Kurden in der Kurdenregion und in Kirkuk im September mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen. Die Zentralregierung in Bagdad lehnte die Volksabstimmung jedoch als verfassungswidrig ab und pocht auf die Einheit des Landes.

Auch die Nachbarn Türkei und Iran erklärten das Referendum für null und nichtig. Wie die Zentralregierung haben sie den Luftraum der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geschlossen. Kirkuk gehört nicht zum kurdischen Autonomiegebiet, wird aber überwiegend von Angehörigen der Volksgruppe bewohnt. (sda/afp/dpa/reu)

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