Trump wütet im Iran: Benzin in der Schweiz droht wieder teurer zu werden
Donald Trump, selbsterklärter Friedenspräsident, hat sein Land in einen Krieg gegen den Iran hineingezogen. Der Krieg hat bereits vielen Unschuldigen das Leben gekostet. Zum Beispiel haben die USA versehentlich eine iranische Primarschule getroffen und damit laut der «New York Times» rund 150 Menschen getötet und 100 weitere verletzt. Doch zugleich wird der Krieg finanzielle Folgen haben, auch in der Schweiz.
Der globale Preis für Erdöl ist deutlich bereits höher als vor Kriegsbeginn und könnte noch viel weiter steigen. Das schlägt hierzulande auf die Preise von Benzin oder Heizöl durch. «Die Schweizer Preise hängen voll und ganz vom Weltmarktpreis für Erdöl ab», sagt Ueli Bamert, Sprecher bei Avenergy Suisse, dem Verband der Schweizer Mineralölimporteure. «Wenn der globale Ölpreis steigt, werden Benzin oder Heizöl bei uns zwangsläufig teurer; wenn er sinkt, werden sie billiger, so einfach ist das.»
Die Tankstellen geben solche Ölpreiserhöhungen in der Regel nach rund drei Tagen an die Kunden weiter, sagte Energiespezialist Laurent Horvath gegenüber der Tageszeitung «Le Nouvelliste». Gemäss Zahlen des TCS kostete ein Liter Bleifrei 95 zuletzt 1.74 Franken. Diese Zahl dürfte in den nächsten Tagen steigen, wenn die Eskalation im Iran anhält. Ob der Preis erneut auf deutlich über 2 Franken klettert, wie im Nachgang zum Ukraine-Krieg?
Das hängt davon ab, wie stark und wie lange der Schiffsverkehr auf der Strasse von Hormus noch eingeschränkt sein wird. Derzeit kommen massiv weniger Schiffe durch als vor Kriegsbeginn, zeitweise 80 Prozent weniger. Die Nachrichtenagentur Bloomberg titelte: «Der Iran-Krieg bringt den Schiffsverkehr auf der Strasse von Hormus zum Stillstand.»
Die Strasse von Hormus: ein strategisch wichtiger Engpass
Das hat Folgen für den Ölpreis. Am Jahresanfang stand der Ölpreis noch bei 60 Dollar. Gegen Ende dieser Woche stand er schon nahe von 90 Dollar. Wenn es noch fünf Wochen bei diesem Stillstand bleiben sollte in der Strasse vom Hormus, dann wird laut der Investmentbank Goldman Sachs der Ölpreis nochmals deutlich steigen: Ein Fass der Sorte Brent wird dann um die 100 Dollar kosten. Der katarische Energieminister Saad al-Kaabi warnt in der «Financial Times» gar von Preisen von 150 Dollar pro Barrel schon in zwei bis drei Wochen. Das werde «Volkswirtschaften weltweit an den Boden bringen».
Hingegen erhalten die Schweizer Autofahrer von anderer Seite etwas Entlastung oder zumindest keine weitere Belastung.
So sind zurzeit die Frachtkosten gemäss dem Tankstellenanbieter Volenergy in der Schweiz stabil, neben Vertrieb und Steuern ein entscheidender Kostenblock. Denn das Schweizer Benzin kommt über den Rhein ins Land. Führt der Fluss nur wenig Wasser, können die Schiffe weniger laden und die Frachtkosten steigen. Das musste die Schweiz im Sommer 2022 erleben, als eine grosse Trockenheit die Rheinschifffahrt stark einschränkte. Weil zudem noch Putins Angriffskrieg die Ölpreise nach oben trieb, stiegen die Benzinpreise deutlich an.
Etwas Entlastung bringt auch der starke Franken. Da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird, kann die schwächelnde US-Währung zu tieferen Preisen an der Zapfsäule beitragen.
Doch entscheidend bleibt, was an der Strasse von Hormus geschieht. Sie ist das Nadelöhr, durch welches ein Grossteil des im Nahen Osten geförderten Erdöls in den Weltmarkt gelangt. Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Irak – all diese wichtigen Förderländer exportieren ihr Erdöl mehrheitlich durch Hormus. Insgesamt decken die durch Hormus transportierten Ölmengen ungefähr 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs.
Iran will Trump zu einem Rückzieher zwingen
Ausweichmöglichkeiten gibt es kaum. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen zwar über Pipelines auf dem Land. Doch deren Kapazitäten sind mit 5,5 Millionen Barrel pro Tag begrenzt. Zum Vergleich: Durch die Strasse von Hormus werden täglich rund 20 Millionen Barrel verschifft. Und Durchfahrten lassen sich relativ einfach verhindern. Die Strasse ist an der engsten Stelle nur 54 Kilometer breit, die grössten Tanker, die sogenannten Supertanker, können zum Teil sogar nur einen Korridor von vier Kilometern Breite befahren.
Indem der Iran die Strasse von Hormus so weit wie möglich blockiert, will er Trump zu einem Rückzieher zwingen. Ein hoher Ölpreis schadet weiten Teilen der US-Wirtschaft, erhöht in den USA die Benzinpreise und verärgert damit Trumps Wähler. Trump hat deshalb angekündigt, die Strasse wieder öffnen zu wollen. Die USA würden die Tanker von ihrer Navy begleiten lassen und sie zudem günstig versichern.
Dass dies zu einer grossflächigen Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs führt, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Gemäss «Financial Times» wären die Versicherungen extrem teuer. Und die Gefahr für Leib und Leben bleibt bestehen. Am Donnerstag teilten etwa die iranischen Revolutionsgarden mit, sie hätten einen Öltanker im Persischen Golf mit Raketen getroffen.
