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www.kafiexpress.ch: Günstig, fair, transparent. Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi. Meine Eltern sind seit kurzem geschieden. Eigentlich macht mir das nicht viel aus, aber jetzt habe ich den Salat. 

17.12.14, 14:54 18.12.14, 11:39

Es geht darum, bei wem ich angemeldet bin, was ja bekanntlich Auswirkungen auf die Steuern hat. Für meinen Vater gibt es keinen Kompromiss, aber wenn ich mich für ihn entscheide, treibe ich meine Mutter ins finanzielle Verderben. Sie wäre auf keinen Fall enttäuscht von mir, was ich von meinem (im Stolz verletzten) Vater nicht behaupten kann. Da ich volljährig bin, kann ich mich nicht vor dieser Entscheidung drücken ... Du wirst mir höchstwahrscheinlich nicht rechtzeitig antworten können, deine Meinung als geschiedenes Mami mit tollem Blog würde mich trotzdem sehr interessieren. Danke und liebe Grüsse. Lea, 19  

Liebe Lea 

Ihre Frage hat mich sehr berührt. Und zwar darum, weil ich in meiner Praxis oft Paaren gegenübersitze, die wegen einer Trennung zu mir kommen, und weil ich dann immer bemüht bin, die Interessen der Kinder in den Fokus zu rücken. Sie sind mit Ihren 19 Jahren zwar nicht mehr direkt emotional von der Trennung betroffen, aber indirekt eben doch, in dem Sie genau diese Entscheidung treffen müssen. Das zeigt mir einfach einmal mehr wieder auf, dass Kinder IMMER involviert sind, wenn sich Eltern trennen. Egal ob 19 Monate oder 19 Jahre alt.

Ich hoffe sehr, dass Sie meine Antwort noch rechtzeitig erreicht, Sie haben Sie heute Morgen gestellt, könnte also vielleicht klappen. Auf jeden Fall schreibe ich extra schnell, was sich mit Sicherheit begünstigend auf meine, ansonsten tadellose, Rechtschreibung auswirken wird. Aber auch egal. 

Also. Wenn ich als Coach mit Scheidungspaaren arbeite, dann ist mein höchstes Ziel immer, das gesamte Bild im Auge zu haben. Bei einer Trennung geht nie jemand als Sieger vom Tisch. Ziel ist es darum, dass man eine Lösung findet, die für das ganze System tragbar ist. Und wenn ich Ihre Situation nach diesem Gesichtspunkt anschaue, dann überlege ich mir Folgendes: 

Wenn Sie sich bei Ihrer Mutter melden würden, dann wäre Ihr Vater in seinem Stolz gekränkt. Das ist er aber vermutlich eh schon, weil eine Trennung immer auch am eigenen Stolz kratzt. Ihre Entscheidung wäre darum schmerzhaft für ihn, aber nicht der grosse Brocken, an dem er zu nagen hat. Der grosse Brocken ist die Trennung an sich, die vielen Menschen als Versagen einfährt. Die Gefühle des verletzten Stolzes hat er drum so oder so. Bearbeiten muss er diese auch so oder so. Und er wird darüber hinwegkommen. 

Das finanzielle Verderben, in dass Ihre Mutter stürzen würde, wiegt für mich persönlich schwerer. Und zwar überhaupt nicht darum, weil sie eine Frau ist und so. (Viele männliche Leser haben mir da in jüngster Zeit unterstellt, dass ich zu sehr auf weiblicher Seite stehe. Paare, die schon bei mir im Paarcoaching waren, würden das vielleicht weniger so sehen.) Sondern aus sehr professioneller Sicht. Wenn Ihre Mutter in finanzielle Schwierigkeiten kommt, dann belastet dies das gesamte System stark. Sie wird Mühe haben, wieder Fuss zu fassen und dadurch schwerer wieder zu ihrer eigenen Mitte finden. Und das wiederum wird einen Einfluss auf Ihren Vater haben. 

Paare, die sich trennen, tun sich einen Gefallen, wenn sie sich nicht gegenseitig über's Näscht abziehen. Denn seelischen Wunden können nur dann heilen, wenn man sich nicht auch noch finanziell übervorteilt fühlt. 

Wenn Ihre Mutter einen grossen finanziellen Schaden erleidet, wenn Sie bei Ihrem Vater gemeldet bleiben, so wird der Schaden für alle drei Betroffenen massiver ausfallen, als wenn Ihr Vater kurzfristig an seinem gekränkten Stolz zu knabbern hat. Es wird Auswirkungen auf Sie und Ihren Vater haben, wenn das finanzielle Gleichgewicht ins Wanken kommt. 

Und das kann meiner Meinung nach nicht Ziel der Sache sein. Sondern die Beruhigung der Gemüter und die Möglichkeit, dass sich beide Getrennten wieder erholen und wieder auf die Beine kommen können.

Ich hoffe fest, dass Ihnen meine Antwort bitzli hilft.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi. ​

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • little_miss_trouble 23.12.2014 10:59
    Highlight Uf. Ich habe eher Mühe damit, dass man/du erst in die Situation kommst wo du dich entscheiden musst mit einer solchen Ausgangslage. Vor allem Gefühle wie verletzter Stolz finde ich in einer solchen Situation sehr problematisch. Das riecht dann immer so nach "zeig uns wer du lieber hast". Scheidungskinder stehen (zu) oft zwischen ihren Elternteilen und müssen Entscheidungen treffen, die nicht für Kinder gedacht sind. (Gilt jetzt für dein Alter nicht unbedingt, Lea, ist eher allgemein gemeint).
    1 0 Melden
  • swissda 19.12.2014 10:33
    Highlight Ich denke, dass in diesem Fall, wo es sowieso nur Verlierer geben wird, der pragmatische Weg ist der falsche wäre. Geh in dich hinein und versuche zu spüren, was dein Herz dir sagt. Der erstbeste Gedanke wird der richtige sein. Dann musst du dich auch gar nicht erst erklären - denn Herzensentscheide müssen nicht begründet werden bzw. sie sind Entscheidung und Grund in einem. Dabei geht es nicht darum, wer du mehr liebst, sondern zu wem du dich mehr zugezogen fühlst. Letztlich: Egal, was du tust, du wirst das Richtige tun.
    3 1 Melden
  • chwolf 18.12.2014 14:58
    Highlight Liebe Lea, wir (3 Kinder) hatten kürzlich dasselbe Problem und einen anderen Weg gewählt. Bei Frau Freitags Vorschlag geht es darum Folgen zu gewichten, dies ist immer subjektiv und daher auch streitbar. Dh. Deine Eltern können dir vorwerfen, die Argumente des einen oder des anderen höher zu bewerten. Wir waren egoistisch, jeder hat sich zu seinem eigenen Wohl entschieden (Freunde, Arbeitsweg, ...) mit eben erwähnter Begründung. Es war auch nicht einfach, aber sie konnten es nachvollziehen, da es nicht um sie und ihren Streit sondern um uns und unsere Zukunft ging.
    6 3 Melden
  • Bruno Wüthrich 17.12.2014 23:00
    Highlight Da sich der Vater im Stolz verletzt fühlt, sieht er sich bei dieser Scheidung nicht im Fehler. Die Mutter, die für einen Entscheid der Tochter gegen sie Verständnis hätte, wird sich da eher im Fehler fühlen. Weshalb dies so ist, wissen wir nicht. Aus den Zeilen entnehme ich, dass sich die Tochter beiden Eltern nahe fühlt. Dass jedoch bei einem Entscheid für die Mutter deren zu befürchtender finanzielle Absturz als Grund herhält, lässt vermuten, dass auch die Tochter den Fehler bei der Mutter sieht. Ein heikler Entscheid, bei dem die Finanzen keine Rolle spielen sollten. Es gibt immer Lösungen.
    5 12 Melden
    • kafi 18.12.2014 08:35
      Highlight Herr Wüthrich
      Das Schuldprinzip, das bis 1977 noch in Kraft war, wurde mit der Scheidungsreform abgeschafft und es ist wenig sinnvoll, wenn Sie es nun auf diese Art und Weise und mit einer hanebüchenen Interpretation der beidseitigen Gefühle wieder einführen möchten. Darum macht es sehr wohl sinn, sich an die Fakten zu halten. Und diese sind hier nun mal das Geld. Beste Grüsse. Kafi.
      12 3 Melden
    • Bruno Wüthrich 18.12.2014 09:53
      Highlight Das will ich weder wieder einführen, noch wünsche ich es mir zurück. Dies wollte ich eigentlich in einem Einleitungssatz klar stellen, musste dann aber aus Platzgründen darauf verzichten. Doch auch wenn die Schuldfrage juristisch keine Rolle mehr spielt, so tut sie es emotional halt doch. Nach meiner Empfindung steckt die Tochter genau in diesem Dilemma. Und ich bleibe dabei: Die Geldprobleme der Mutter sind nicht die Probleme der Tochter. Sie haben bei deren Entscheidungsfindung nichts zu suchen. Doch auch der Vater muss seine kompromisslose Haltung ebenfalls aufgeben. Sie ist nicht haltbar.
      7 2 Melden

Liebe Frau Freitag, wie kann ich meine LGBT-Texte veröffentlichen?

Liebe Frau Freitag, ich liebe es, in meiner Freizeit zu lesen und zu schreiben. Ich schreibe Kurzgeschichten zum Thema LGBT und Fantasy und momentan auch an einem Buch, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Wie bringe ich die Leute dazu, auf meine Texte aufmerksam zu werden? Wie schaffe ich es, in Zeitschriften oder online erwähnt/gedruckt zu werden? Vielen Dank für die Hilfe. Sebastian, 22

Lieber Sebastian

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Allerdings kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen, ob es einen Markt für Lift-Gruben-Bau-Technik-Literatur gibt. Für ein Sachbuch stünden die Chancen vielleicht etwas besser, aber auch da kenne ich mich persönlich zu wenig aus, als dass ich Ihnen eine fundierte Antwort geben könnte. Fragen Sie doch direkt bei …

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