Hongkong
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Diese Menschenkette soll nicht etwa die Polizei stoppen, sondern andere Demonstranten.

Unklare Zukunft

Proteste in Hongkong: Beginnen jetzt die Grabenkämpfe?

Bis jetzt zogen die Demonstranten in Hongkong an einem Strang. Nach den jüngsten Ereignissen droht der Zusammenhalt jedoch zu bröckeln.

03.10.14, 07:35 14.11.14, 03:57

Die Menge vor dem Hongkonger Regierungsgebäude wirkt ratlos. Es ist kurz vor Mitternacht und Regierungschef Leung Chun-ying hat soeben seine Pressekonferenz beendet, die per Lautsprecher übertragen wurde. Sie wurde von Buhrufen begleitet. 

Die Studenten haben damit gedroht, den Regierungssitz zu stürmen, sollte der unpopuläre Regierungschef nicht zurücktreten. Dieses Ultimatum ist soeben abgelaufen, und Chun-ying denkt nicht daran, den Hut zu nehmen.

Auch bei der Ankündigung, dass sich seine rechte Hand Carrie Lam mit den Studenten treffen werde, bricht bei den Rund 3000 Demonstranten kein Jubel aus. Niemand wertet dies als wahres Zugeständnis. «Er erzählt nur Müll. Es ist immer das Gleiche», sagt der 29-jährige Charles zu watson.

Tumulte um eine Strassen-Blockade

Heftige Diskussionen entstehen: Einige wütende Demonstranten wollen eine wichtige Hauptverkehrsader mit dem Tunnel zwischen der Insel Hongkong und der Halbinsel Kowloon auch noch blockieren. Mit emotionalen Appellen versuchen andere, sie davon abzuhalten: «Wir müssen besonnen bleiben», ruft einer. Man will das alltägliche Leben in Hongkong nicht zu sehr stören und den Unmut der Bevölkerung auf sich ziehen.

Mit einer Menschenkette versuchen Demonstranten, den Verkehr wiederherzustellen. video: youtube/watson

Vergeblich: Ein hysterischer Demonstrant löst sich aus der Menge und setzt sich mitten auf die Strasse vor dem Regierungsgebäude. Drei andere stellen ihm nach und versuchen ihn von der Strasse zu ziehen – binnen Sekunden versammeln sich rund hundert Journalisten um die Szene, der Verkehr liegt lahm, ein Tumult bricht aus.

«Wir dürfen uns nicht gegenseitig bekämpfen!»

«Bleibt ruhig» und «Kommt zurück», skandiert die Menge. «Wir dürfen uns nicht gegenseitig bekämpfen», sagt eine aufgebrachte Demonstrantin mit Tränen in den Augen.

Mit einer Menschenkette gelingt es der Menge, die Strasse vor dem Regierungsgebäude kurzzeitig wieder frei zu bekommen. Doch später in der Nacht macht sich erneut eine Gruppe Demonstranten darauf breit und sperrt zwei Fahrspuren. Die Polizei leitet jedoch den Verkehr über die anderen Spuren, so dass die Auswirkungen gering bleiben. 

Ein paar Demonstranten bauen eine Strassensperre – viele missbilligen die Aktion. Bild: DENNIS M. SABANGAN/EPA/KEYSTONE

Es könnte sich um einen Schlüsselmoment handeln – oder zumindest um einen Vorboten davon, was der #UmbrellaRevolution droht: Der Hongkonger Protest wird von verschiedenen Gruppierungen mit unterschiedlichen Ansichten und Persönlichkeiten vorangetrieben. Was die einen besänftigt, erzürnt die anderen. 

Können die Gruppierungen ihre gemeinsame Front halten?

Bis jetzt haben alle an einem Strang gezogen, doch nach der jüngsten Rede Leung Chun-yings drohen Konflikte zwischen den Protestlern, die dem Regierungschef durchaus entgegenkommen könnten. Das Newsportal Quartz spekuliert, dass es sich dabei um eine bewusste Strategie handeln könnte: Divide et impera, teile und herrsche. Gelingt es einem Machthaber, das Volk in verschiedene Gruppen aufzuspalten, ist es leichter, es zu beherrschen.

Joshua Wong von der Scholarism-Bewegung. Bild: ALEX HOFFORD/EPA/KEYSTONE

Das sind die wichtigsten Gruppierungen:

Im Moment vertreten diese Gruppen noch mehr oder weniger eine gemeinsame Linie. Die Forderung nach Leung Chun-yings Rücktritt eint sie. Ob die Anführer der drei Bewegungen ihre gemeinsame Front halten können, könnte sich als entscheidend für den weiteren Verlauf der Regenschirm-Revolution erweisen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 03.10.2014 09:55
    Highlight Es ist die Nachfolgegeneration einer reichen Elite die sich hier auf den Strassen sammelt. Die Gebildeten, die schon wegen der Bildung ein anderes Demokratieverständnis haben, als die Mehrheit der Rotchinesen, die man allzu oft ausser Acht lässt. Ein Umsturz in Peking wird dann kommen, wenn auch unter der ländlichen Bevölkerung Chinas eine kritische Masse derer erreicht ist, die dank Internet und anderen nicht staatlich gelenkten Medien gut informiert ist. Man weiss aber auch, was Menschenleben für die Machthaber zählen, wenn es um ihren eigenen Machterhalt geht. Sie werden erbarmungslos zuschlagen. Früher oder später!
    Im Augenblick geht es noch um Gesichtswahrung und die Vermeidung eines zweiten Tienanmen. Dazu kommt, dass China sich wirtschaftlich noch immer in einer Aufwärtsbewegung befindet. Und das ist kein guter Nährboden für Umstürze!
    2 1 Melden
  • Adonis 03.10.2014 08:08
    Highlight Achtung Hongkong, wenn der King-Kong aus Peking kommt!
    1 4 Melden

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