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A380-Triebwerksausfall: «Die Kabine wackelte. Jemand hat geschrien, und da wussten wir...»

Ein Knall über Grönland: Dann musste der Airbus A380 der Air France nach bangen Minuten notlanden. Augenzeugen berichten.

01.10.17, 12:55 01.10.17, 15:26

«Als wären wir in 35'000 Fuss Höhe mit einem Jeep zusammengestossen»: So beschreibt eine Passagierin der französischen A380 den Moment, als auf dem Weg nach Los Angeles ein Triebwerk ausfällt.

«Die Kabine wackelte. Jemand hat geschrien, und da wussten wir, dass etwas nicht stimmt», schilderte die Passagierin Sarah Eamigh dem kanadischen Sender CBC News.

Nach der Notlandung des französischen Riesen-Airbus A380 in Kanada sollen Experten die Ursache für den Ausfall des Triebwerks klären.

Die Crew des Air-France-Flugs auf dem Weg von Paris nach Los Angeles hatte nach einem «schweren Schaden» an einem der vier Triebwerke einen «Mayday»-Ruf abgesetzt.

Die A380 konnte schliesslich sicher auf dem vergleichsweise kleinen Flughafen Goose Bay in Neufundland landen. Die 497 Passagiere und die Besatzung blieben unversehrt.

Wenn eines von vier Triebwerken ausfalle, sei dies kein grosses Problem, schreibt dieser Twitter-User. Es sei unklug und nicht professionell, über die Gründe zu spekulieren.

Augenzeugen: Die Maschine sank kurzzeitig ab

Der Notfall ereignete sich nach Angaben eines Air-France-Sprechers am Samstag über Grönland. «Es gab einen lauten Knall, das ganze Flugzeug vibrierte», berichtete ein 59-Jähriger der «New York Times». Dem kanadischen Sender CBC sagten Fluggäste, dass die Maschine daraufhin kurzzeitig abgesunken sei.

«Es gab einen lauten Knall, und wegen der Vibrationen dachte ich sofort, dass das Triebwerk ausgefallen war», sagte der Passagier und frühere Flugzeugmechaniker David Rehmar der BBC. «Einen Moment lang dachte ich, dass wir abstürzen.»

«Ich habe ein paar Yoga-Übungen gemacht, und plötzlich fühlte es sich an, als wären wir in 35'000 Fuss Höhe mit einem Jeep zusammengestossen», erzählte Passagierin Pamela Adams. «Es klang nicht so sehr wie eine Explosion, sondern eher wie eine Triebwerkspanne.»

Menschen hätten sich «mit weissen Knöcheln» festgeklammert, erzählte Sarah Eamigh dem kanadischen Sender. Einige Fluggäste veröffentlichten Fotos und Videoaufnahmen des schwer beschädigten Triebwerks, das die komplette Abdeckung verloren hatte.

«Es gab nicht die Panik, die ich erwartet hätte», sagte Passagierin Adams. Um 17.42 Uhr mitteleuropäischer Zeit landete die Maschine dann in Goose Bay. Passagiere berichteten, dass sie anschliessend noch länger an Bord bleiben mussten.

Mit Zwischenstopps nach LA

Piloten und Kabinencrew seien «perfekt mit diesem schweren Zwischenfall umgegangen», so Air France. Die Passagiere sollten am Sonntag mit zwei anderen Flugzeugen aus Goose Bay abreisen und mit Zwischenstopps nach Los Angeles gebracht werden.

Die französische Luftfahrt-Untersuchungsbehörde BEA schickte Mitarbeiter nach Kanada, wie ein Sprecher am Sonntag bestätigte. Auch Experten der Fluggesellschaft, des Herstellers Airbus und des Triebwerksherstellers Engine Alliance sollen nach Angaben von Airbus an der Ursachenforschung mitwirken.

Die doppelstöckige A380 ist das weltgrösste Passagierflugzeug. Im November 2010 war eine Maschine des Typs in Singapur notgelandet, als ein Triebwerk nach dem Start Feuer gefangen hatte und in der Luft teilweise explodiert war.

Der Fehler lag im Triebwerk – viele Fluggesellschaften liessen die Triebwerke ihrer A380 daraufhin nachrüsten oder auswechseln. Bei Air France ist ein anderer Triebwerkstyp im Einsatz als bei dem damaligen Vorfall.

(dsc/sda/dpa)

Explosion zwingt A380 von Air France zu Notlandung in Kanada

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 02.10.2017 13:05
    Highlight Natürlich bin ich froh, nicht an Bord gewesen zu sein, aber auch bei diesem Vorfall beweist sich, wie sicher Fliegen geworden ist. Erinnert sich noch jemand an die Zeit von vor 20 Jahren und davor? Es gab jährlich mehrere Abstürze von Passagiermaschinen, heute, wo der Flugverkehr um das Mehrfache angewachsen ist, geschieht im Vergleich zu früh so gut wie nichts Fatales mehr. Schäden am Flugwerk gab es auch damals, davon wurde allerdings selten bis gar nicht berichtet. Somit bleibt es dabei: Fliegen ist wunderbar sicher.
    0 0 Melden
  • Lümmel 01.10.2017 17:37
    Highlight Unglaublich wieviele Klugsch... ähm ich mein Flugzeugkenner hier kommentieren.
    3 1 Melden
  • Franz Rosenkohl (1) 01.10.2017 16:13
    Highlight Hier der ganze RealATC Funkverkehr

    6 1 Melden
  • sebi25 01.10.2017 14:19
    Highlight "Hier spricht ihr Pilot. Wir haben soeben ein Triebwerk verloren, haha."

    Nein ganz ehrlich, Flugzeuge sind konzipiert um mit der Hälfte ihrer Triebwerke immer noch fliegen zu können ^^'
    31 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.10.2017 15:28
      Highlight Zudem ist das ganze Triebwerk an einem Scherbolzen, damit der Flügel nicht gefährdet wird.

      21 1 Melden
    • Pokus 01.10.2017 15:56
      Highlight Und segeln können die auch ganz gut.
      5 7 Melden
  • Dario4Play 01.10.2017 14:06
    Highlight «Es klang nicht so sehr wie eine Explosion, sondern eher wie eine Triebwerkspanne

    Zum glück hatten die schon Triebwerksspezialisten an bord
    59 1 Melden
  • Padi Engel #Kanngarnix 01.10.2017 13:30
    Highlight Was der twitteruser da schreibt von wegen "ein ausgefallenes Triebwerk bei ner A380 ist nicht wirklich gefährlich" stimmt schon, aber da reden wir nicht von einer Turbine, die sich selber zerlegt und wohlmöglich ihre Schaufeln in umliegende Tanks oder sogar in die Passagierturbine jagt...

    Ich weiss, dass die Turbienen grundlegend bei einer Explosion darauf ausgelegt sind, dass sie die Energie der nach aussen fliegenden schaufeln aushalten müssen. Da sie das hier aber anscheinend nicht gemacht haben kann das noch sehr hässlich für Airbus werden.
    18 14 Melden
    • TRL 01.10.2017 15:11
      Highlight Die Passagierturbine. Gefällt mir das Wort. Allerdings hoffe ich, nie in einer solchen sitzen zu müssen :-)
      35 0 Melden
    • undduso 01.10.2017 16:30
      Highlight Woher willst du wissen, dass die Triebwerkshülle eben genau ihre Sicherheitsfunktion erfüllt hat und anschliessend kollabierte?
      Wie der von dir zitierte Twitter-User schrieb, Spekulationen sind fehl am Platz.
      Solche Zwischenfälle zeigen auch, wie sicher das Fliegen dank redundanter Sicherheitsmechanismen geworden ist.
      In erster Linie wird es wohl für den Triebwerkhersteller hässlich werden. Heute baut ja kein grosser Flugzeughersteller mehr eigene Triebwerke.
      5 1 Melden
    • roger_dodger 01.10.2017 16:47
      Highlight Der komplette Bläser (vorderstes Schaufelrad) wurde abgerissen, das ist schon ein bisschen erschreckend. Wenn es nur eine einzelne Schaufel wäre OK, aber das ist ziemlich heftig. Weiss nicht, ob solch ein enormer Schaden überhaupt simuliert wird. Zum Glück scheint kein grösseres Teil Flügel oder Rumpf getroffen zu haben.
      3 1 Melden
  • Sascha Carlin 01.10.2017 13:14
    Highlight Sieht fast aus wie CRTL+C von QF32 vom 4.11.2010
    1 15 Melden
    • Verifiable Truth 01.10.2017 15:16
      Highlight Schadenvorfälle mit A380 nehmen langsam zu. Ich frage mich ob es mit dem Design von A380 oder mit dem Alter der betroffenen Maschinen zu tun hat.
      Werden Wartungen vernünftig gemacht, wer sind Lieferanten von Ersatzteilen?
      Kann faul play von Konkurenz ausgeschlossen werden?
      Ich hoffe diese Sachen werden von unabhängigen europäischen Luftraumbehörde und industriesicherheitsdienst gründlich untersucht...
      3 36 Melden

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