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Nach Flüchtlings-Massentod im Mittelmeer: EU beruft Krisensitzung ein, Papst übt scharfe Kritik

19.04.15, 09:39 19.04.15, 14:35


Nach der neuen Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer hat die Europäische Union eine Krisensitzung einberufen. Die EU-Kommission äusserte sich am Sonntag in Brüssel «zutiefst betroffen» von dem Unglück mit Hunderten Toten. 

Die EU kündigte eine Dringlichkeitssitzung der Innen- und Aussenminister der EU-Länder an. Dabei solle es vor allem darum gehen, mit den Herkunfts- und Transitländern daran zu arbeiten, die Flüchtlinge von der gefährlichen Reise über das Mittelmeer abzuhalten. 

Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte alle Termine ab und reiste nach Rom zurück, wo er für den späten Nachmittag ein Ministertreffen einberief. Frankreichs Präsident François Hollande telefonierte mit Renzi. «Wir haben darüber beraten, wie wir rasch handeln können», sagte Hollande laut dem französischen Sender «Canal Plus». 

Italiens Innenminister Angelino Alfano berichtete EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos über die neue Flüchtlingstragödie im Mittelmeer. Der EU-Kommissar wird am Donnerstag in Rom zu Gesprächen erwartet. 

Papst: «Männer und Frauen wie wir»

Kritiker werfen der EU seit langem Tatenlosigkeit angesichts des Massensterbens im Mittelmeer vor. Zu diesen Kritikern zählt auch Papst Franziskus. Er rief die internationale Gemeinschaft am Sonntag auf, angesichts der sich häufenden Flüchtlingstragödien «entschieden und schnell» zu handeln. 

Mit Blick auf das Unglück sagte er beim Angelus-Gebet vor den Gläubigen auf dem Petersplatz, es seien «Männer und Frauen wie wir, Brüder auf der Suche nach einem besseren Leben». Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer «von Menschen gemachten Tragödie». 

«Flüchtlinge sind Männer und Frauen wie wir, Brüder auf der Suche nach einem besseren Leben.»

Papst Franziskus

Italien hatte im vergangenen Herbst die Rettungsmission «Mare Nostrum» eingestellt, weil sich die EU-Partner nicht an der Finanzierung des Marineeinsatzes beteiligen wollten. Seitdem läuft unter Führung der EU-Grenzschutzagentur Frontex die deutlich kleinere Mission «Triton», die aber vorwiegend der Sicherung der EU-Aussengrenzen und nicht der Rettung der Flüchtlinge dient. 

Bisher grösste Flüchtlingskatastrophe?

Einige EU-Staaten hatten Italien vorgeworfen, mit «Mare Nostrum» die Flüchtlinge zu der gefährlichen Überfahrt ermutigt zu haben. Kritiker werfen der EU nun aber vor, mit «Triton» den Tod von Flüchtlingen in Kauf zu nehmen. 

Bei dem neuen Schiffsunglück vor der libyschen Küste kamen in der Nacht zum Sonntag Hunderte Menschen ums Leben. Augenzeugen berichteten von bis zu 700 Insassen auf dem gekenterten Boot. 

Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR sprach von bis zu tausend Flüchtlingen. Es geht davon aus, dass es keine weiteren Überlebenden gibt. Wenn sich die ersten Informationen zu dem Unglück bestätigen, war es die bisher grösste Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. (pma/sda/apa) 

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • picu 19.04.2015 19:33
    Highlight Die Tragödie im Mittelmeer und um Lampedusa dauert nun schon mehrere Jahrzehnte. Und es wird nur noch schlimmer, wie das aktuelle Ereignis und die Ereignisse davor deutlich machen. Was gibt es da noch zu diskutieren, es muss gehandelt werden, und zwar vorgestern!
    10 2 Melden
  • Jol Bear 19.04.2015 19:32
    Highlight Verstehe die Flüchtlinge, die sich ein besseres Leben erhoffen. Die Sichtweise, dass Europa und USA am Elend in Afrika hauptschuldig sind, ist nicht richtig. Eine Mitschuld tragen sie und die UNO zweifellos, vor allem darum, weil sie auf die Regierungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge nicht den erforderlichen Druck ausüben. Diese afrikanischen Regierungen tragen die grösste Verantwortung für die Flüchtlingsströme. In der Regel sind es diktatorische Regimes, Korruption an der Tagesordnung, reines Machtstreben ohne Rücksicht auf die eigene Bevölkerung, alles Übel wird dankbar mit der kolonialistischen Vergangnheit begründet um den eigenen fehlenden Willen zu kaschieren. Ein Teil ihrer Opfer ertrinkt im Meer.
    12 3 Melden
  • syknows 19.04.2015 16:04
    Highlight 'Europe or die' ist eine kürzlich erschienene Dokumentation zu diesem Thema. Wer Englisch spricht oder Deutsch lesen möchte bekommt mit dieser Reihe einen schrecklich tiefen Einblick in das Ganze. Freizugänglich auf vice.com oder youtube (kein Link scusi, bin auf dem Smartphone).
    18 0 Melden
  • amore 19.04.2015 12:53
    Highlight So ähnlich wie die UNO seinerzeit den Juden einen Staat zur Verfügung gestellt hat, könnte man z.B. In Libyen eine sehr grosse Fläche aussondern und darauf so quasi einen Flüchtlingsstaat errichten. Mit unserem Geld und Know-how errichten wir Spitäler, Bäckereien, Ausbildungseinrichtungen etc. Dadurch bekämen alle eine Arbeit. In diesem Staat würden natürlich nur echte Flüchtlinge aufgenommen. So könnte man jedenfalls die Tragödien im Mttelmeer beenden.
    40 15 Melden
    • Petar Marjanović 19.04.2015 15:15
      Highlight Genau. Schliesslich sind alle Flüchtlinge gleich, haben denselben Glauben, dieselbe Kultur, sprechen dieselbe Sprache.
      20 31 Melden
    • Petar Marjanović 19.04.2015 16:46
      Highlight Spannende Antwort, Stichwort Willensnation. Ich persönlich glaube aber eher, dass dieses «Funktionieren» nur im Kopf so ist. Tessiner fühlen sich ignoriert, Westschweizer regen sich über die Übermacht der Deutschschweizer auf. Selbsternannte Patrioten beleidigen Romands, Linke spielen im «Guerre des langues» mit.
      12 21 Melden
    • stadtzuercher 19.04.2015 19:17
      Highlight amore, dein vorschlag ist nicht nur zynisch (das einrichten eines riesen-ghettos), sondern auch dumm. du hast nicht kapiert, das tagtäglich in palästina krieg herrscht, dass mehr als 4 mio menschen täglich gefangengehalten werden und aus dem ghetto weggehen würden, würden sie nicht von israelischem militär dort eingeschlossen. die haben wohl bäckereien dort, aber kein getreide zum backen. ist das das bildungsferne nivau, in dem in der svp die asylpolitik diskutiert wird?
      14 15 Melden
    • Monachus 19.04.2015 19:40
      Highlight Ganz so dumm wäre die Idee nicht. Wieso nicht eine von der UNO und der Afrikanischen Union abgesegneten Sonderwirtschaftszone, wo NGOs und Firmen Strukturen aufbauen? Was daran zynisch sein soll...immer noch besser als die Leute ersaufen zu lassen!
      10 3 Melden
    • _kokolorix 19.04.2015 20:30
      Highlight was die uno mit dem staat für die juden angerichtet hat kann jeder heute 70 jahre später sehen. was sollen denn die leute in lybien deiner meinung nach machen? zusammenrücken und den hunger mit den millionen von afrikanischen flüchtlingen teilen? hast du wirklich das gefühl europa kann in lybien eine gewalt und korruptionsfreie zone schaffen? das gelingt ja nicht einmal hier in der schweiz
      5 4 Melden
    • 's all good, man! 19.04.2015 20:56
      Highlight Und auch hier wieder auffallend, dass ein solch zynischer und völlig weltfremder Kommentar noch so viele Likes erhält...

      Ich kann nur hoffen, ich habe die Ironie in deinem Beitrag nicht erkannt.
      3 0 Melden
    • Monachus 20.04.2015 10:11
      Highlight Wenn ein paar Germanistik-Studenten in ihrer Juso-Gruppe zwischen Bier und Joints das Ende des Kapitalismus vollmundig als DIE Lösung für das Problem diskutieren ist das noch zynischer: noch weltfremder geht's nämlich nicht.
      0 3 Melden
  • zombie1969 19.04.2015 10:22
    Highlight Europa kann nicht die Probleme unfähiger Regierungen weltweit lösen und es ist dem Normalbürger nicht zuzumuten, immer höhere Kosten zu bezahlen.
    Europa sollte sich an der Flüchtlingspolitik von AUS orientieren: Weltweit Anzeigen, die klar erklären, dass illegale Flüchtlinge niemals aufgenommen, zwar aus Seenot gerettet, dann aber umgehend zurück geschickt werden. Zusätzlich Videos in 100 Sprachen, die das Gleiche erklären.
    Diese harte, ehrliche und klare Linie müsste durchgezogen werden, bis sich rumspricht, das man sinnlos sein Leben riskiert, um als Flüchtling nach Europa kommen zu wollen.
    66 48 Melden
    • PetitBeurre 19.04.2015 10:54
      Highlight Ja, was wenn man eh nichts mehr zu verlieren hat?
      Die meisten Leute nehmen das Risiko gerne an.
      33 16 Melden
    • Benja 19.04.2015 11:42
      Highlight Ja und noch ein paar Videos darüber, dass es sich nicht lohnt, zu schnell zu fahren oder Steuern zu hinterziehen, weil man ja damit nicht glücklicher wird. Auf diese Weise könnten wir eigentlich alle Probleme der Welt lösen - Warum da noch niemand drauf gekommen ist?
      30 24 Melden
    • pun 19.04.2015 12:02
      Highlight zombie: Geht wirklich schon dein ganzes Mitgefühl für das Portemonnaie der "Normalbürger" drauf, so dass du nichts aber auch gar nichts übrig hast für das Elend von sogenannten "Ausländern"? Pfui! Die Flüchtlinge waren vor dem Krieg, dem Mangel oder der politischen Verfolgung auch "Normalbürger" in ihren Ländern!
      43 25 Melden
    • saukaibli 19.04.2015 14:53
      Highlight Was würdest du machen, wenn du in so einer Situation wärst wie diese Flüchtlinge? Wenn du keine Perspektive hast, wenn irgendwelche religiösen Fanatiker deine Familie bedrohen, dein Dorf zerstören und deine Kinder entführen? Wenn du keine Arbeit und kein Geld hast um deine Familie zu ernähren, würdest du nicht ein besseres Leben suchen? Was ist mit unseren "christlichen Werten" auf die sich Europäer so gerne berufen? Europa hat über Jahrhunderte von der Ausbeutung Afrikas profitiert und wäre ohne niemals so reich wie es ist. Wäre es nicht fair mal etwas zurückzugeben?
      10 12 Melden
    • Michèle Seiler 19.04.2015 15:06
      Highlight pun, ich sehe es wie du. Danke für die Worte.

      Zombie: Ich glaube, es würde genügen, Beiträge wie deinen übersetzt den Flüchtlingen zu zeigen.

      Ich wette, die wollen nirgendwo hin gehen, wo die Fähigkeit zu Mitgefühl so stark fehlt - ich hab' da auch keinen Bock mehr drauf ...
      10 15 Melden
    • Michèle Seiler 19.04.2015 15:12
      Highlight Tan Long, bitte nicht von sich auf andere schliessen! Nur, weil Ihnen offenbar etwas fehlt, heisst das nicht, dass es allen so geht (ich dachte, das lernt man schon im Kindergarten ...).

      Und wenn Aussagen wie die von pun Sie unangenehm berühren, ist es konstruktiver, an sich zu arbeiten, als andere zu schwächen.
      3 10 Melden
    • Zuagroasta 20.04.2015 01:13
      Highlight Plutokratie kann man es schon nennen, aber nur auf Europa und die USA zu zeigen ist schon dürftig.
      Es gibt noch einige andere Länder z.B. China...sehr sehr gross im Kommen, die sich in Afrika bedienen.
      Aber diese Länder bezahlen sehr viel Geld für die Waren, die sie kaufen.
      Nur wo ist dieses Geld? Jetzt kommt Plutokratie wieder ins Spiel. Die jeweiligen Regierungen der afrikanischen Länder haben immens viel Geld, nur das behalten sie für sich und die Menschen in diesen Ländern sind extrem arm und haben so null Perpektive.
      Leider ein wenige beachteter Punkt.
      0 0 Melden

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