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Über 6000 Zeckenbisse: Wir zeigen, wo es besonders gefährlich ist

Auch in urbanen Gegenden ist man nicht vor den Zecken gefeit. Das zeigt erstmals eine App der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), wo Nutzer Stichmeldungen melden können. Laut Werner Tischhauser von der ZHAW sind sich viele Menschen der Gefahr durch die blutsaugenden Viecher nicht bewusst.

Fabienne Eisenring / az Aargauer Zeitung



Die geografische Verteilung der in der ZHAW-App verzeichneten Zeckenstiche der Jahre 2015 und 2016. Viele Siedlungsgebiete sind betroffen.
© zVg.

Die geografische Verteilung der in der ZHAW-App verzeichneten Zeckenstiche der Jahre 2015 und 2016. Viele Siedlungsgebiete sind betroffen.© zVg.

Zecken sind wie Zahnarzttermine: Man vergisst sie allzu schnell. Dabei sind die Blutsauger aktiver als je zuvor. 28'980 Menschen suchten laut Bundesamt für Gesundheit im Jahr 2016 wegen eines Zeckenstichs einen Arzt auf. Die Frage stellt sich: Sind wir uns der Gefahr durch Zecken zu wenig bewusst? 

Mittelland besonders betroffen

Keine Region der Schweiz ist vor den blutsaugenden Milben gefeit. Das zeigt die erste Zeckenstichkarte der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein. Grundlage bilden knapp 6500 Stichmeldungen von Nutzern der App «Zecke», die Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) seit zwei Jahren sammeln. Wer gestochen wird oder eine Zecke sichtet, kann dies über die App melden. Über 45'000 Mal wurde die kostenlose App laut Angaben der ZHAW bisher heruntergeladen. 

«Viele wissen zu wenig über grundlegende Schutzmassnahmen Bescheid.»

Bei der Auswertung der gesammelten Daten fällt auf: Die Mehrheit der Stichmeldungen stammt aus dem urban geprägten Mittelland. Rund jeder zehnte Zeckenstich wird dabei im Kanton Aargau verzeichnet. Zürich schwingt mit 986 Stichmeldungen obenaus. Bern (674) und Vaud (630) gehören zu den anderen Sorgen-Kantonen. Dagegen fallen die Stichzahlen in ländlichen Gebieten kleiner aus: Gerade mal 2,8 Prozent der gesamtschweizerischen Zeckenbisse wurden in den östlichen Zentralalpen verzeichnet. 

Die biogeografische Verteilung der in der ZHAW-App verzeichneten Zeckenstiche der Jahre 2015 und 2016. Markant: Das Mittelland verzeichnet rund 59 Prozent der Stichmeldungen.
© zVg.

Die biogeografische Verteilung der in der ZHAW-App verzeichneten Zeckenstiche der Jahre 2015 und 2016. Markant: Das Mittelland verzeichnet rund 59 Prozent der Stichmeldungen.© zVg.

Zecken klettern in die Höhe

Eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen Stadt und Land ist schwierig zu finden: «Die Zeckenstichkarte bietet viel Interpretationsspielraum», sagt Werner Tischhauser, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Phytomedizin an der ZHAW. Durchaus sei möglich, dass Mittelländer die App «Zecke» einfach häufiger installiert haben als Menschen in ländlichen Gegenden. So würden in den urbanen Regionen auch logischerweise mehr Stichmeldungen verzeichnet: Ganze 23 Prozent aller Stichmeldungen kamen aus Siedlungsgebieten. Dies ist laut Tischhauser darauf zurückzuführen, dass es dort auch mehr Leute hat, die sich draussen bewegen. Hierauf nehme die Witterung starken Einfluss.

Die Auswertung der App-Daten zeigt Bedenkliches: Die Blutsauger sind immer häufiger in höheren Gefilden anzutreffen – sogar in Gebieten auf über 1500 Meter über Meer. Die Ausdehnung des Zecken-Lebensraums ist wahrscheinlich eine Folge des Klimawandels, mutmasst Tischhauser. 

Angst wolle man den Leuten aber auf keinen Fall machen: «Aus der Karte soll man nicht schliessen, dass die Zeckenpopulation in den markierten Gebieten grösser ist, als anderswo», betont Tischhauser. «Vielmehr wollen wir der breiten Bevölkerung aufzeigen, dass es nicht nur im Wald sondern auch in Siedlungsgebieten Zecken gibt und Menschen dort auch gestochen werden.» 

Viele Menschen kennen Schutzmassnahmen nicht

Die App soll deshalb zeigen, wie sich die Menschen schützen können. «Viele wissen zu wenig über grundlegende Schutzmassnahmen Bescheid.» Die ZHAW-App zeigt darum auch auf, wie man Zecken entfernen und die Anzeichen der durch Zecken übertragbaren Krankheiten – Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose – erkennen und behandeln kann. Das interaktive Hilfsmittel weist die Benutzer zudem mit einer Gefahrenpotenzial-Karte auf lokale Zeckenrisiken hin. 

Für den Wanderausflug durch Wald und Wiese empfiehlt die Tischhauser, lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen, sich vorgängig mit Zeckenschutzmittel einzusprühen und eine Zeckenpinzette einzupacken. Hält man sich häufig in einem bekannten Gebiet mit FSME-infizierten Zecken auf, solle man erwägen, sich vorab gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis impfen zu lassen. (aargauerzeitung.ch)

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zerpheros 12.04.2017 07:42
    Highlight Highlight Was ich mich manchmal frage, ist, wie diese FSME-Statistiken überhaupt zustande kommen: Ich war letztes Jahr mit einer Nachbarin im Krankenhaus, der es gar nicht gut ging (hohes Fieber, Schwindel, leichte Nackensteife, Kopfschmerzen aus der Hölle). Sie und ich haben mehrmals darauf hingewiesen, dass sie Zeckenbisse hatte und man sie auf FSME testen solle. Arzt so: Nö, nicht nötig. Ist kein FSME. Letztlich wurde doch getestet und der Test war positiv. Jottchen, war dem das peinlich. Wenn wir das nicht durchgedrückt hätten, wäre zumindest diese Infektion nicht erfasst worden.
  • Zat 11.04.2017 20:58
    Highlight Highlight Stellt sich auch die Frage, ob die Zeckenbisse den Orten zugeordnet wurden, wo die Zecken gebissen haben, oder einfach dem Wohnort der Meldenden.
  • luchs der alte hat das pw vergessen 11.04.2017 20:32
    Highlight Highlight Wenn das Biest so gross ist wie auf dem Bild hat du verloren.
    Wichtig: innert 24 Stunden weg-machen, und wenn der Kopf drinnen bleibt macht nichts, der wird wie ein "Spriesse" oder ähnliche Fremdkörper abgebaut. Diese Stelle kann dann leicht anschwellen und jucken.
    Hatte schon hunderte von diesen sch.... ...*ç&%&""ç".
  • Zerpheros 11.04.2017 19:47
    Highlight Highlight Wir machen das so: gegen FSME impfen. Durchmachen will das keiner freiwillig. Frühsommerlich ist übrigens irreführend - solange Zecken aktiv sind, kann man auch FSME kriegen, also auch in einem warmen Dezember und auch im Garten. Regelmässig kontrollieren (besonders Nacken, Ohren, Armbeugen, Kniekehlen). Falls gebissen, mit Zeckenzange gegen die Liegerichtung entfernen. Bissstelle einkreisen und beobachten. Schwillt sie an, rötet sich nach 3-4 Tagen (Wanderröte), mal begutachten lassen. Falls Borrelliose: Antibiotika bis zum Ende nehmen, auch wenn's nervt.
    • ovatta 12.04.2017 14:09
      Highlight Highlight Wichtig ist, dass lyme borelliose nicht zwangsläufig eine wanderröte hervorruft.. also auch nach grippeähnlichen symptoment ausschau halten.
      Auch ärzte ignorieren dies manchmal.
      Meiner hat damals auch abgewunken und erst nach insistieren den bluttest gemacht.
  • Vio Valla 11.04.2017 17:51
    Highlight Highlight Vielleicht sind die Leute auf dem Land auch nicht ganz so zimperlich wie die Städter? Ich hatte letztes Jahr auch drei Zeckenstiche und bin deswegen nicht gleich zum Arzt gegangen. Könnte also auch daran liegen. Oder noch wahrscheindlicher, da wo es mehr Menschen hat, sind auch mehr davon betroffen. Aufjedenfall nicht sonderlich aussagekräftig.
    • 90er 11.04.2017 19:39
      Highlight Highlight Naja, wenn die Zecke z.b. denn Borreliose Erreger auf sich trägt, ist es egal ob du Städter oder Ländler bist. Es sei denn die auf dem Land sind Borreliose resistent, was ich leider bezweifle.
    • mrmikech 11.04.2017 19:52
      Highlight Highlight Ziemlich dumm nicht zum arzt zu gehen. Infektionen die von zecken verursacht werden können lebensbedrohend sein.
    • Vio Valla 11.04.2017 20:17
      Highlight Highlight Gegen FSME bin ich geimpft und wenn sich keine Wanderröte zeigt (oder andere Symptome) ist es auch für einen Arzt schwirig festzustellen, ob ich jetzt wirklich mit Borrelien infiziert bin. Die Bluttests sind sehr unsicher und werden beim Arzt auch nicht routine mässig gemach und einfach mal so vorbeugend sich über mehere Wochen Antibiotika reinpfeifen halte ich noch für viel unklüger. Der Arzt wird also nicht mehr machen als mich zu beruhigen und sagen auf was ich achten soll. Das kann ich aber auch ohne einen Arztbesuch. Wichtig ist, gründliches Absuchen und Zecken schnell entfernen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • nilsnektarine 11.04.2017 16:49
    Highlight Highlight Bitte watson, Zecken beissen nicht, sie stechen...
    • Triple 11.04.2017 18:37
      Highlight Highlight Leider Falsch, Zecken beissen. Sie haben keinen Stachel, sondern Klauen mit denen sie sich durch das Hautgewebe schneiden.
    • nilsnektarine 11.04.2017 20:27
      Highlight Highlight Demfall irren sich fachbücher und meine drei Parasitologie-Dozenten...
    • nilsnektarine 11.04.2017 20:32
      Highlight Highlight sie haben stechend-leckende mundwerkzeuge, sind also so. pool-feeder, nicht wie z.b. Culicidae (stechmücken), welche stechend-saugende mundwerkzeuge besitzen. Trotzdem handelt es sich eindeutig um einen Stich
    Weitere Antworten anzeigen
  • Knut Knallmann 11.04.2017 15:37
    Highlight Highlight Mit anderen Worten: Der Grossteil der Zeckenbisse findet dort statt, wo auch der Grossteil der Bevölkerung lebt und sich aufhält...
    Hätte man das ganze nicht auch noch nach anderen Kriterien, beispielsweise Zeckenstiche pro Einwohner, Abhängigkeit von der Bevölkerungsdichte oder vom Landschaftstyp analysieren können? Die Aussagekraft wäre deutlich höher.
    • The Host 11.04.2017 20:02
      Highlight Highlight Der Artikel schreit geradezu danach!
  • Thom Mulder 11.04.2017 15:31
    Highlight Highlight Infos sind immer gut. Allerdings ist die Anzeige in der Karte grob verfälscht, denn sie zeigt nicht an wo es mehr oder weniger Zecken hat, sondern wo mehr gemeldet werden und das ist logischerweise da wo es mehr Menschen hat.
  • Wilhelm Dingo 11.04.2017 15:29
    Highlight Highlight Die Karte ist irreführend. Sie sagt nichts darüber aus wo das Risiko am grössten ist, sondern nur wo wieviele Bisse gemeldet wurden. Dass es in dicht besiedelten Gegenden mehr Bisse gibt ist zwar ein Tatsache aber nicht relevant. So ist z.B. nicht ersichtlich, dass Thurgau / Schaffhausen problematische Zeckengebiete sind. Es ist damit eine Nutzlose, sogar irreführende App. Relevant wären Aussgen über Zeckenhäufigkeit und pot. Ansteckungsgefahr mit Krankheiten, wie hier: http://www.zecken.ch/Karten/karten.html
  • Illuminati 11.04.2017 14:08
    Highlight Highlight Eine Frage: Wieso sind Zeckenbisse bei Tieren (zb Hunde haben ja sehr oft solche) weniger gefährlich als beim Mensch oder sind sie gar nicht weniger gefährlich?
    • 90er 11.04.2017 14:23
      Highlight Highlight Ich bin kein Experte, aber ich gehe davon aus das gewisse Krankheitserreger Hunden nichts ausmachen.
    • fabsli 11.04.2017 14:27
      Highlight Highlight Hunde werden deutlich häufiger von Zecken befallen als Menschen. Neben Borreliose und FSME gibt es noch andere Bakterien von Zecken, die Hunde krank machen können. Sie sind theoretisch also gefährdeter.
    • Bolly 11.04.2017 14:45
      Highlight Highlight Ja leider kann man sich nur gegen die eine Impfen, was wir auch getan haben. Sommer Sonne kurz. In Wald nix da. Lang und Schuhwerk was zu ist. Nicht immer einfach. Ohne Zeckenpray geht gar nichts.
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