Schweiz

Die Behörden und Lehrer lassen kein gutes Haar an der PISA-Studie. Bild: EPA DPA

PISA-Frust: Behörden kritisieren Methode, Lehrer fordern Austritt

An der gestrigen Medienkonferenz stellten Vertreter des Bundes, der Kantone und der Lehrerschaft die Resultate der PISA-Studie in Frage. Sogar Rufe nach einem Austritt aus dem Test wurden laut. 

07.12.16, 05:47 07.12.16, 06:05

Die Ergebnisse der neuesten PISA-Studie sorgten gestern für massive Kritik: Die 15-jährigen Schweizer Schüler belegen in Mathematik immer noch den Spitzenplatz in Europa. Ihre Leistungen in der PISA-Studie 2015 sind allerdings durchwegs tiefer als 2012. Die Lesekompetenz ist gar auf das Niveau von 2000 zurückgefallen. Gestern zweifelten Vertreter von Bund, Kantonen und der Lehrerschaft vor den Medien die Aussagekraft des weltweit wichtigsten Schülervergleichstests an.

Folgende Kritikpunkte kamen zur Sprache:

Test am Computer

Stefan C. Wolter, Leiter der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, wies an der Veranstaltung auf die Schwächen des computerbasierten Tests hin. Bei Pilot-Tests habe die Gruppe am Computer 2014 in der Schweiz deutlich schlechter abgeschnitten als die Papier-und-Bleistift-Gruppe. In andern Ländern sei das Resultat umgekehrt ausgefallen. Das zeige, dass der computerbasierte Test von Land zu Land unterschiedliche Auswirkungen auf die Resultate habe.

«In Schweizer Schulen lernen die Kinder, zuerst die ganze Prüfung anzuschauen, um die einfachen Aufgaben prioritär zu lösen», zitiert ihn der «Tages-Anzeiger» in der heutigen Ausgabe. Die Forschung belege zudem, dass Knaben bei computerbasierten Tests besser abschneiden würden als Mädchen. 

Mehr Migranten-Kinder

Die Schweiz hat 6600 Schüler getestet; 2012 waren es noch 20'000 gewesen. Die Verkleinerung der Test-Gruppe hat Auswirkungen auf den Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Der Anteil fremdsprachiger Jugendlicher nahm um ganze zehn Prozentpunkte zu. Das ist statistisch nicht korrekt. Christoph Eymann, Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), kritisierte laut der NZZ: Ein Drittel der Verschlechterungen beim Lesen und fast zwei Drittel in der Mathematik und in den Naturwissenschaften seien allein darauf zurückzuführen.

Christoph Eymann, EDK-Präsident: Resultate sind «nicht interpretierbar». Bild: KEYSTONE

Neue Punkteskala

Die Differenz gegenüber der alten Skala beträgt minus 8 PISA-Punkte – das entspreche etwa einem Vierteljahr Schulstoff, wie Jürg Brühlmann vom Schweizerischen Lehrerverband laut dem TA sagte.

Lehrer reden von Austritt

Üblicherweise verfasst die EDK jeweils einen Bericht zu den PISA-Resultaten. Nicht so dieses Jahr. Weil die Ergebnisse «nicht interpretierbar sind», wie Eymann laut dem TA betonte.

Jürg Brühlmann geht noch weiter: «Wenn sich die OECD dieser Diskussion nicht stellt, drängt sich ein Ausstieg der Schweiz auf.» 

Rückendeckung erhält er vom Zürcher Verband für Lehrerinnen und Lehrer. «Die Schweiz muss sich ernsthaft fragen, ob die Studie das Geld noch wirklich wert ist», sagte dessen Präsidentin Lilo Lätzsch im Interview mit dem TA.

(rwy)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 11.12.2016 02:19
    Highlight Dass PISA nicht nur pädagogischer Stumpfsinn, sondern schlicht statistische Schlamperei und damit verantwortungsloseste Geldverschwendung ist, ist bereits seit 2012 bekannt:
    http://www.nzz.ch/die-i-l-lusion-der-statisti-ker-1.14634337
    0 1 Melden
  • c_meier 07.12.2016 08:32
    Highlight Wie wurden dann die 6'600 Testpersonen ausgewählt? Hätte man nicht da auf eine richtig gewichtete Auswahl achten sollen?
    4 0 Melden
  • Findolfin 07.12.2016 07:07
    Highlight Die Schweizer Schüler schneiden an Computern schlechter ab alsmauf Papier? Sollte man in einer mehr und mehr digitalisierten Welt nicht langsam mal gucken, dass sich das ändert?
    22 11 Melden
    • R&B 07.12.2016 08:36
      Highlight Erklärung dazu gelesen?
      4 1 Melden
    • Findolfin 07.12.2016 18:38
      Highlight Meinste, wie man in der Schweiz lernt, Prüfungen zu schreiben? Ja. Hab' ich ja nicht anders gelernt und ich findde das auch gut so.

      Es sollte auch kein Vorwurf sein. Aber wenn der Papierlose Unterricht immer mehr kommt, kommen wir dann theoretisch nicht ins Hintertreffen, wenn wir an der Papiermethode festhalten?

      Wobei man ja eine digitale Prüfung zuerst auch durchsehen kann ...
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  • teufelchen7 07.12.2016 07:00
    Highlight verstehe ich es richtig, die jugendlichen mit migrationshintergrund sollen schuld sein am schlechten ergebnis beim lesen und schreiben sein?!

    ich finde, das ist auch kein wunder, dass lesen und schreiben schlechter geworden ist! nachdem die kinder noch mehr und noch mehr in der gleichen zeit lernen müssen!! etwas muss ja darunter leiden... zudem will man ja sparen in der bildung!

    liebe fachleute... lasst doch die kinder einfach in frieden!!!
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    • Normi 07.12.2016 07:43
      Highlight in fin gibt es bis zur Oberstufe keine Hausaufgaben und prüfungen
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.12.2016 08:27
      Highlight Du verstehst richtig. Ist das etwa nicht logisch?! Deine Schulzeit liegt wohl schon etwas zurück oder wird ideologisch überdeckt.
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  • Ingolmo 07.12.2016 06:25
    Highlight PISA ist nicht "schlecht", nur extrem Teuer. Wenn ich mich recht erinnere über eine Million Franken, nur dass man da mitmachen darf (OECD). Genau die gleichen Resultat kannte man schon in den 80er Jahren, mit mehr Schülern für viel weniger Geld, napp 10 bis 12000 Fr. (Das einzige schwierige ist mit der "alten" Version der Internationale vergleich)
    So weit ich mich noch an die Vorlesung beim Erziehungswissenschaft Prof, erinnere.
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