Schweiz

Der Bundespräsident im Gespräch mit Jean-Claude Juncker.
Bild: Mark Schiefelbein/AP/KEYSTONE

Schneider-Ammann trifft Juncker: Nette Worte, keine Zusagen

16.07.16, 15:44 16.07.16, 16:29

Am Rand des Asien-Europa-Gipfels (ASEM) in Ulan-Bator hat Johann Schneider-Ammann mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker über die Umsetzung der SVP-Masseneinwanderungsinitiative diskutiert. Nach dem Gespräch zeigte sich der Bundespräsident befriedigt.

«Wir werden die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU auf technischem Niveau intensivieren», sagte Schneider-Ammann am Samstag der Nachrichtenagentur SDA. Es müsse unablässig daran gearbeitet werden, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden. Das Treffen mit Juncker fand kurz vor dem Ende des ASEM-Gipfels statt.

Am Rand des Gipfels traf sich der Bundespräsident ausserdem mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, der kroatischen Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović, der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydlo sowie dem Ministerpräsidenten von Malta, Joseph Muscat.

Lage wegen Brexit komplizierter

Bei der Abreise aus der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator zeigte sich der Wirtschaftsminister zwar positiv. Die EU-Kommission habe allerdings betont, dass nach dem Brexit-Entscheid die Lage komplizierter geworden sei, räumte er ein.

Schneider-Ammann im Gespräch mit Angela Merkel.
Bild: Mark Schiefelbein/AP/KEYSTONE

Wie Schneider-Ammanns Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) zu der Zusammenkunft mitteilte, betonten beide Gesprächspartner das gemeinsame Interesse der Schweiz und der EU an einer Konsolidierung und Weiterentwicklung des bilateralen Weges. Schneider-Ammann und Juncker wollen sich laut WBF am 19. September erneut treffen.

Die Zeit drängt

Dass es in Ulan-Bator überhaupt zu einem Treffen mit Juncker kommen würde, war alles andere als sicher. Seit der Brexit-Abstimmung am 23. Juni hat Juncker eine besonders volle Agenda. Die Schweiz muss die SVP-Masseneinwanderung, die eine eigenständige Regelung der Zuwanderung verlangt, bis im Februar 2017 umsetzen.

Ein Vorschlag für eine einvernehmliche Lösung mit der EU müsste dem Parlament in der Herbstsession vorliegen – die Botschaft müsste etwa Mitte August bereit sein. Kommt keine Verhandlungslösung mit der EU zu Stande, müsste die Schweiz die Initiative einseitig umsetzen. (pbl/sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 16.07.2016 23:42
    Highlight Es gibt einen Unterschied zwischen autonom und einseitig. Autonom wäre im Einklang mit dem internationalen Vertrag.
    Dies ist ein wichtiger Zusatz.
    1 2 Melden
  • Karl33 16.07.2016 18:26
    Highlight Volksverächter und Zudiener der Grossfinanz und Superreichen unter sich.
    10 9 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.07.2016 17:57
    Highlight Am besten man bringt die RASA-Initiative inkl. Konkordanzartikel als Gegenvorschlag im November zur Abstimmung. Wenn Volk und Stände zu beidem Nein sagen, gilt dies quasi als Durchsetzungsinitiative der MEI und man könnte gleich die Bilateralen kündigen. Aber das wird das Volk vermutlich nicht tun, die Bilateralen werden von einer Mehrheit höher gewichtet als die genaue Umsetzung der MEI...
    7 9 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.07.2016 16:55
    Highlight Nette Worte - keine Zusage. Die Schweiz sollte nicht auf eine Zusage der EU hoffen - die kommt bestimmt nicht, zumindest nicht in absehbarer Zeit.
    Jetzt sollte die Initiative endlich einseitig umgesetzt werden.
    22 13 Melden
    • Fabio74 17.07.2016 01:43
      Highlight Die Schweiz hat wie erwartet wenig Priorität. Ist halt als aussenszehender so
      2 4 Melden
    • andersen 20.07.2016 09:46
      Highlight Ja, der PFZ gehört zur die Grundfreiheiten in der EU und wir schützen dieser Grundrechte, die übrigens auch für die Schweizer gelten.
      0 1 Melden

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