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Theo Zwanziger will die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar boykottieren.  
Bild: ENNIO LEANZA/EPA/KEYSTONE

Ex-DFB-Chef Zwanziger: «Ich würde als Fan nicht zur WM nach Katar fahren»

«Ethisch ist ein solcher Besuch nicht zu begründen»: Der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger fordert einen Boykott der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar - wegen der Menschenrechtslage. Es gebe aber auch eine Alternative.

18.12.15, 08:11 18.12.15, 08:39

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Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat angesichts der Menschenrechtslage in Katar zu einem Fan-Boykott bei der Fussball-WM 2022 in dem Emirat aufgerufen. «Ich würde als Fan nicht zur WM nach Katar fahren. Ethisch ist ein solcher Besuch nicht zu begründen», sagte Zwanziger der «Welt». Rechtlich sei ein Boykott hingegen nicht einfach, «aber am besten wäre es, wenn die neue Fifa-Führung Katar die WM entzieht», betonte Zwanziger.

Beim Bau der Stadien in Katar werden die Bauarbeiter ausgebeutet. 
Bild: EPA

Hintergrund der Forderung ist ein neuer Report der Internationalen Gewerkschaftsunion ITUC zur Ausbeutung von Arbeitskräften in Katar. Darin spricht der Verband inzwischen von 7000 Bauarbeitern, die bis zum WM-Beginn ums Leben kommen werden. Ursprünglich war von 4000 Toten die Rede.

«Die grosse Mehrheit der Arbeiter arbeitet, um die Infrastrukturprogramme der WM 2022 fertigzustellen», sagte ITUC-Generalsekretärin Sharan Burrow laut der «Welt». Burrow nannte die ursprüngliche Prognose demnach eine «traurige Unterschätzung». «In die Notaufnahmen der katarischen Krankenhäuser werden derzeit 2800 Patienten täglich eingeliefert. Das sind 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.»

«Krebsgeschwür des Weltfussballs»

«Man muss enttäuscht und resigniert feststellen, dass sich unsere Massstäbe nicht auf Katar anwenden lassen», sagte Zwanziger. «Ich hatte zwischenzeitlich die Hoffnung, dass sie sich aufraffen und tatsächlich etwas verändern. Sie wären auch in der Lage, aber sie wollen einfach nicht.»

Gegen Zwanziger läuft bereits eine Unterlassungsklage, die der Fussball-Verband des Emirats eingereicht hat. Der 70-Jährige hatte Katar im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe der WM 2022 als «Krebsgeschwür des Weltfussballs» bezeichnet.

mxw/dpa/ndö

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  • Triesen 18.12.2015 10:15
    Highlight Wenn Coca-Cola, McDonalds und andere Sponsoren das auch so sehen, umso besser. Dann ändert sich vielleicht etwas...
    3 0 Melden
  • riqqo 18.12.2015 08:36
    Highlight das problem ist, dass es die spieler oder die verbände sein müssten. man müsste aufstehen und sagen: nein, mit uns nicht! wir unterstützen das nicht.
    aber genau da zeigt es sich doch; millionen kassieren auf kosten anderer. aber keine eier zu haben, wenn etwas so daneben läuft wie bei katar. schon bei brasilien verstand ich das nicht. da ist ein grosser teil der seleção in favelas aufgewachsen und kümmern sich einen dreck, was mit derengleichen passiert. das macht irgendwie weh…
    7 0 Melden

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