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Tom Lüthi (r.) und Dominique Aegerter fahren in der nächsten Saison im gleichen Team. Bild: David Goldman/freshfocus

Die Töffwelt staunt

Ein sportliches Wunder: 2015 fahren fünf Schweizer in der Moto2-WM

Seit dem GP von Malaysia steht fest: Nächste Saison werden fünf Schweizer Piloten um die Moto2-WM fahren. Die Töffwelt staunt und murrt.

27.10.14, 13:08 27.10.14, 13:26

klaus zaugg, kuala lumpur

Die spanische Sportvermarktungsagentur Dorna hält alle Rechte im Töff-Zirkus und sorgt für eine höchst professionelle Organisation, Vermarktung und TV-Produktion. Im Auftrag von Dorna kümmert sich die Vereinigung der Töffteambesitzer (IRTA) um die praktische Umsetzung.

Zu den drei WM-Klassen (MotoGP, Moto2, Moto3) wird nur eine bestimmte Anzahl Teams mit einer bestimmten Anzahl Fahrern zugelassen. Für die Moto2-WM 2015 sind es 32 Piloten plus einzelne Wildcard-Fahrer für ein Rennen.

Tom Lüthi ist als ehemaliger 125ccm-Weltmeister der bekannteste Schweizer Töffpilot. Bild: Lai Seng Sin/AP/KEYSTONE

Die Spanier sind die dominierende Töffmacht. Diese Saison bestreiten acht Spanier die Moto2-WM. Dahinter folgen bereits die Schweiz und Italien mit je vier Piloten. Gemessen am Marktpotenzial sind die Schweizer bereits diese Saison stark übervertreten. Die Deutschen, die Franzosen haben nur je drei Piloten, die Engländer sogar nur zwei – und dabei handelt es sich um traditionelle Motorsportnationen mit eigenen Rennstrecken und einem eigenen GP. Die Schweiz hat keine einzige Töffstrecke und kennt inzwischen als einziges Land der Welt ein Rundstreckenverbot.

Nicht den Modetrends unterworfen

Nun haben die Schweizer für die WM 2015 sogar fünf Startplätze erhalten. Das ist umso erstaunlicher, weil Gesuche um einen Startplatz aus Spanien, den USA, Deutschland, Italien und Frankreich nicht bewilligt worden sind. Was gerade an diesem Wochenende im Fahrerlager in Malaysia immer wieder zu reden gibt. Warum die Schweizer? Wie ist das möglich? Die gehören – in Anspielung auf Dorna – doch nicht zur «spanischen Mafia»!

Dabei ist die Erklärung einfach. Die Schweizer Teams werden nicht durch grosse internationale Konzerne finanziert. Es sind durchwegs kleinere und grössere KMU, die unsere Töffhelden finanzieren. Nur ein wichtiger Sponsor – die österreichische Sportwettenfirma Interwetten – kommt aus dem Ausland. Dadurch haben die Schweizer bei der Suche nach Geldgebern keine internationale Konkurrenz und sind viel weniger Modetrends in der Sportwerbung unterworfen.

Das Quartett der aktuellen Saison: Robin Mulhauser, Tom Lüthi, Dominique Aegerter und Randy Krummenacher (im Uhrzeigersinn). Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Eine wichtige Rolle spielen die Medien. Die Schweiz ist neben Belgien das einzige westliche Land, das die Töff-GP im Staatsfernsehen live überträgt und nicht auf Nischen- und Privatkanälen. Dadurch ist eine nationale Medienpräsenz garantiert. Die Schweiz gehört zu den wenigen Ländern, in denen die Zeitungen regelmässig über den Töffrennsport berichten. In England, Deutschland oder Frankreich kommen die Töffhelden in den Tageszeitungen nicht über den Resultatteil hinaus.

Bezahlte Rechnungen, eingehaltene Abmachungen

Der Einstieg in den Rennsport hat zwar gerade wegen der hohen Medienpräsenz durchaus sinnvolle wirtschaftliche Gründe. Aber am Ende des Tages ist es doch die Leidenschaft für den Motorsport, die unsere Firmenchefs dazu motiviert, ihre Werbebudgets in den GP-Zirkus zu investieren. Das gibt bei aller Rivalität dem Schweizer Töffrennsport auch einen ganz besonderen Kitt und eine Dynamik.

Wie wird sich Jesko Raffin in der Moto2-Klasse einführen? Bild: EPA

Unsere Unternehmenskultur prägt den Auftritt der Schweizer Rennteams und der Schweizer Piloten, die sich mit ihren Sponsoren aus unserem Land in einem ausländischen Team einkaufen. Das bedeutet, dass Rechnungen pünktlich bezahlt und Abmachungen verlässlich eingehalten werden. Dass der Umgangston auf allen Ebenen anständig ist.

In einem Sport-Zirkus, der um die ganze Welt reist und auf fünf Kontinenten auftritt, ist wahres und klares Geschäftsgebaren nicht selbstverständlich. Hinzu kommt, dass die Schweizer Fahrer und ihre Berater weltoffen und sprachgewandt sind sowie klug verhandeln. Sie können ihre Interessen sehr gut vertreten.

Schweizer Piloten sind gefragt

Wenn nun ausländische Teambesitzer die Wahl zwischen einem ungefähr gleich talentierten Schweizer und einem Piloten einer anderen Nationalität haben, dann entscheiden sie sich sehr oft für den Schweizer. So haben sich Randy Krummenacher und Jesko Raffin ihre Plätze in einem japanisch-italienischen und in einem spanischen Team gesichert. Tom Lüthi, Dominque Aegerter und Robin Mulhauser treten in einem Schweizer Team an.

Robin Mulhauser ist bei einem Schweizer Team untergekommen. Bild: shizuo kambayashi/AP/KEYSTONE

Unser Motorradrennsport repräsentiert auf eine sehr gute Art und Weise die internationale Leistungsfähigkeit und die Weltoffenheit, kurzum die Qualitäten unserer Wirtschaft. Unsere Töffhelden und ihre Manager sind sehr gute Botschafter für unser Land.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • droelfmalbumst 27.10.2014 14:12
    Highlight Traurig dass die Schweiz ein Rundstreckenverbot hat!
    Man hätte so viele Orte die man dazu nutzen könnte und es wäre eine Win-Win Situation.

    - Arbeitsplätze generieren
    - Motorsport fördern
    - Raserdelikte würden sicherlich rückgängig werden da man sich auf einer Rundstrecke austoben kann

    Aber nein, lieber müssen die Motorsport-Fans ins Ausland und dort ihr Geld ausgeben...
    8 1 Melden

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