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Treffsicher wie kein Zweiter: Alan Shearer führt die ewige Rangliste der besten Premier-League-Skorer an. Bild: PA

22.04.2006: Newcastle-Legende Alan Shearer muss abtreten – ausgerechnet wegen Erzrivale Sunderland

22. April 2006: Wenige Tage, nachdem Newcastle-Legende Alan Shearer gegen Erzrivale Sunderland trifft und sich dabei einen Bänderriss holt, geht eine der aussergewöhnlichsten Fussballerkarrieren Englands zu Ende.

22.04.15, 00:01 22.04.15, 10:04
Tobias Wüst
Tobias Wüst

Alan Shearer ist in Newcastle ein Gott. Dabei gehört der Stürmer gar nicht in die Kategorie der Treueformate Gerrard oder Totti, die ihre Klubfarben seit jeher auf den Platz tragen.

Begonnen hat seine Karriere nämlich in Southampton. Von seiner zweiten Premier-League-Station Blackburn ist er dann 1996 für die damalige Rekordsumme von 20 Millionen Franken zu Newcastle transferiert worden. Für den waschechten «Geordie» ein Weg zurück zu den Wurzeln. Und zu seinem «Herzensklub».

Der Begriff «Geordie»

Unter «Geordie» versteht man sowohl einen Angehörigen der Bevölkerung der Umgebung von Newcastle upon Tyne in Nordengland als auch den dort vorherrschenden Dialekt des Englischen. 

wikipedia

Kein Topklub, kein Titel

In seiner Heimat mausert sich Shearer zum erfolgreichsten Torschützen der Premier League: Mit sagenhaften 260 Toren liegt er beruhigende 75 Tore vor Wayne Rooney, dem besten noch aktiven Spieler in der ewigen Tabelle. Die Schattenseite: Mit Newcastle hat der Starstürmer keinen absoluten Topklub im Rücken, in zehn Jahren gewinnt er keinen einzigen Titel.

Der typische Jubel der Newcastle-Legende. Hier kannst du ihn Schritt für Schritt selber lernen. Bild: AP

«Als ich ein kleiner Junge war, träumte ich davon, bei Newcastle zu spielen, die Nummer 9 zu tragen und im St.James' Park Tore zu schiessen. Ich habe meinen Traum gelebt.»

Alan Shearer über seine Karriere

Dennoch hat es Shearer alles bedeutet, für seine «Magpies» zu spielen: «Ausserhalb von Newcastle wird das niemand verstehen. Aber wenn du einen ‹Geordie› fragst, der in Newcastle aufgewachsen ist und sein ganzes Leben lang im schwarz-weissen Trikot einen Ball herumgekickt hat – wenn du ihn fragst, was es bedeutet, für diesen Verein zu spielen, wird er es verstehen.»

Auch in seiner Blütezeit hat der heute 44-Jährige seine Wurzeln nie verraten, trotz zahlreicher Angebote von grösseren Klubs. Vor allem ein Transfer zu Manchester United stand lange im Raum, doch für Shearer war immer klar: «Als ich ein kleiner Junge war, träumte ich davon, bei Newcastle zu spielen, die Nummer 9 zu tragen und im St.James' Park Tore zu schiessen. Ich habe meinen Traum gelebt.»

Die besten Tore einer eindrücklichen Karriere. video: youtube/joe halliday

Das Ende: «Ich wusste, etwas war verloren gegangen»

Am 17. April 2006 läuft Shearer ahnungslos zum letzten Ernstkampf seiner Karriere auf. Die Rücktrittsgedanken geistern dem 35-jährigen Shearer bereits durch den Kopf, die Saison will er aber unbedingt noch beenden.

Doch wie so oft im Fussball kommt alles anders: Gegen Lokalrivale Sunderland trifft er beim 4:1-Sieg, prallt keine zehn Minuten später unglücklich mit einem Gegenspieler zusammen und holt sich einen Bänderriss im linken Knie. Das «Stadium of Light» wird für Shearer zur Alptraum-Stätte.

Shearers 206. Tor für Newcastle ist gleichzeitig sein letztes. video: youtube/the narrator

«Gegen Sunderland treffen und das beste Resultat seit 50 Jahren erzielen? Kein schlechtes Ende!»

Alan Shearer über seinen Abgang

«Als ich am Montag vom Platz lief, wusste ich tief in mir, dass etwas verloren gegangen war», gesteht Shearer vier Tage und eine Untersuchung später. Tags darauf, am 22. April vor neun Jahren, verkündet die Newcastle-Legende offiziell seinen Rücktritt.

Ausgerechnet von Erzrivale Sunderland wird seine aussergewöhnliche Karriere abrupt beendet.

«Ich zahle dir alles, was du willst, wenn ich dieses Trikot nicht anziehen muss»: Der ultimative Beweis, wie Ernst die Rivalität zwischen Sunderland und Newcastle ist.  video: youtube/james simpson

Ein unwürdiger Abgang für den Weltklasse-Stürmer? «Gegen Sunderland treffen und das beste Resultat seit 50 Jahren erzielen? Kein schlechtes Ende!»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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