Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: AP

Ungarisch-österreichische Grenze

Zeitenwende mit dem Bolzenschneider: Vor 25 Jahren riss Ungarn erste Löcher in den Eisernen Vorhang

Während in der Ukraine der Ost-West-Konflikt wieder aufbricht, begeht Europa den 25. Jahrestag der Öffnung des Eisernen Vorhangs. Am 2. Mai 1989 begannen ungarische Grenzsoldaten nahe dem Dorf Hegyeshalom mit der Demontage der Sperranlage zu Österreich. Der Untergang des Ostblocks war in seine Endphase getreten.

Für den dramatischen Richtungswechsel der ungarischen Regierung gab es neben politischen auch wirtschaftliche Gründe: Das Land war pleite, was sich nicht zuletzt – welche Ironie – an den maroden Grenzanlagen zeigte. Die elektrische Alarmanlage produzierte Falschmeldungen am Laufmeter, ausgelöst von Wildtieren, Wind oder sogar nur Plastiksäcken.

Bild: AP / KRONEN ZEITUNG

Video: SRF

Um täglich 600 Meter schrumpfte der Eiserne Vorgang an der ungarisch-österreichischen Grenze im Frühjahr 1989. Die vollständige Beseitigung am 27. Juni inszenierten die beiden Länder äusserst symbolträchtig: Mit dem Bolzenschneider in der Hand zerschnitten der österreichische Aussenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn die letzten Meter Stacheldraht eigenhändig. «Es ist der schönste Augenblick meiner politischen und diplomatischen Tätigkeit», erklärte Mock damals.

Der österreichische Aussenminister Alois Mock (links) und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn zerschneiden am 27. Juni 1989 das letzte Stück Stacheldraht.  Bild: AP

Auch in der DDR wurden die unglaublichen Vorgänge genau registriert. Hunderte Ungarn-Urlauber nutzten die symbolische Öffnung eines Grenztors am 19. August 1989 zur Flucht nach Österreich und von dort weiter nach Westdeutschland. Die ungarischen Grenzwächter griffen nicht ein. Das sogenannte Paneuropäische Picknick ging als erste «offizielle» Öffnung des Eisernen Vorhangs in die Geschichte ein. 

Hunderte DDR-Bürger, die in Ungarn Ferien machten, nutzen das Paneuropäische Frühstück am 19. August 1989 zur Flucht nach Österreich. Bild: AP

Mitorganisiert hatte das Picknick der CSU-Europaabgeordnete Otto von Habsburg. Die DDR-Führung versuchte das epochale Ereignis kleinzureden. Der britischen Zeitung «Daily Mirror» gab Staats- und Parteichef Erich Honecker folgende Erklärung ab: «Habsburg verteilte Flugblätter bis weit nach Polen hinein, auf denen die ostdeutschen Urlauber zu einem Picknick eingeladen wurden. Als sie dann zu dem Picknick kamen, gab man ihnen Geschenke, zu essen und Deutsche Mark, dann hat man sie überredet in den Westen zu kommen.»

Der Druck auf Ungarn, seine Westgrenze ganz und offiziell zu öffnen, wuchs. Am 11. September gab die Regierung in Budapest nach, was zu einer Massenflucht von DDR-Bürgern führte, die nahe der Grenze in Lagern ausgeharrt hatten. 

Ein behelfsmässig angebrachtes Schild weist DDR-Flüchtlingen am 11. September 1989 in Österreich den Weg nach Westdeutschland.  Bild: AP

Ein ungarischer General erinnerte sich später: «Ich stand hier auf meinem Balkon, als das Radio die Nachricht bekannt gab. Wir wussten bereits einige Zeit vorher was kommen würde, aber dann: Was für ein Schrei, was für ein Feuerwerk war das hier auf dem Malteser-Gelände nebenan, wo die deutschen Flüchtlinge wohnten. Ja diese Geschichte, was soll ich sagen, war einer der allerschönsten Augenblicke.»

Der heute verlassene Grenzübergang Hegyeshalom. Bild: Wikimedia Commons/Robert Illes

Auch in der DDR war der Zerfall nun nicht mehr aufzuhalten: Zwei Monate später, am 9. November 1989, fiel die Mauer.



Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Aïssé – von der Sklavin zur Gesellschaftsdame

Ihre Geschichte klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht, ist jedoch real: Die aus der Kaukasusregion stammende Aïssé (1693/4–1733), als Kind auf dem Sklavenmarkt verkauft, wuchs in Pariser Adelskreisen auf. Sie faszinierte ihre Zeitzeugen, inspirierte Romanautoren und verewigte sich in ihren Briefen als Literatin der Aufklärung.

Haïdé, so ihr ursprünglicher Name, kam irgendwann in den Jahren 1693 oder 1694 im Nordwestkaukasus zur Welt, das genaue Geburtsdatum ist unbekannt. Das Mädchen stammte aus einer Region, die sich heute in etwa mit der russischen Republik Karatschai-Tscherkessien deckt. Gemäss Überlieferung soll sie die Tochter eines zirkassischen (tscherkessischen) Stammesfürsten gewesen sein. 

Nachdem Aïssés Vater im Krieg von den Türken besiegt und getötet wurde, landete die rund Fünfjährige auf …

Artikel lesen
Link to Article