Aktuelle Themen:

Dominic Thiem darf zum ersten Mal eine Grand-Slam-Siegertrophäe in die Höhe stemmen. Bild: keystone

Thiem gewinnt im 4. Final den 1. Grand-Slam-Titel: «Es musste so sein»

Dominic Thiem wird im Final des US Open trotz Fehlstart seiner Favoritenrolle gerecht. Der 27-jährige Österreicher besiegt Alexander Zverev in 4:02 Stunden mit 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (8:6).

Publiziert: 14.09.20, 06:40 Aktualisiert: 14.09.20, 07:21

Thiem gewann den Final à-la-Zverev. Denn der Deutsche hatte in den Tagen zuvor sowohl den Viertelfinal gegen Borna Coric (nach 1:6, 2:4) wie den Halbfinal gegen Pablo Carreño Busta (nach 3:6, 2:6) nach klaren Rückständen gewonnen.

Im Final erwischte Alexander «Sascha» Zverev einen Traumstart. Er ging in der ersten Stunde 6:2, 5:1 in Führung und führte später 6:2, 6:4, 2:1 (mit Break). Zverev spielte bis zu diesem Moment wie aus einem Guss. Er dominierte den «Dominator», der anfänglich weit unter seinen Möglichkeiten blieb.

Die Highlights des Spiels. Video: YouTube/US Open Tennis Championships

Wende im dritten Satz

Dennoch kippte die Partie. Zverev spielte nach dem Break-Vorsprung im dritten Satz etwas weniger gut, derweil sich Thiem steigerte. Im vierten Satz wurde es hochklassig. Am Ende geriet der Entscheidungssatz zur Abnützungsschlacht. Alexander Zverev, der überragende Aufschläger, servierte erste Aufschläge bloss noch mit 109 km/h. Das Tempo wurde langsamer und langsamer. Thiem hinkte in der Schlussphase mit Muskelkrämpfen auf dem Platz herum. Aber er gewann schliesslich mit dem dritten Matchball.

«Es musste so sein. Meine Karriere war schon immer genau wie das Spiel heute – viele Ups und Downs. Ich liebe, wie es herausgekommen ist.»

Dominic Thiem

Er beendete eine Achterbahnfahrt für alle Involvierten. Im Entscheidungssatz führte zuerst Dominic Thiem mit einem Break (2:1). Später sah Alexander Zverev beim Stand von 5:3 wie der sichere Sieger aus. Dann gewann wieder Thiem drei Games hintereinander, aber auch er konnte die Partie bei eigenem Aufschlag nicht beenden.

Zverevs Doppelfehler

Das Tiebreak verlief ebenfalls dramatisch: Zverev führte 2:0 und 3:2, leistete sich aber gegen den angezählten Gegner zwei Doppelfehler (zum 2:2 und 3:5).

Thiem sicherte sich nach drei Finalniederlagen an Major-Turnieren seinen ersten ganz grossen Titel trotz der Probleme am Ende dank der mutigeren Spielweise. Er ging mit zwei Servicewinnern erstmals in Führung (4:3) und erspielte sich mit zwei phantastischen Passierbällen die drei Matchbälle.

«Ich bin sicher, dass meine Eltern daheim stolz auf mich sind, auch wenn ich verloren habe.»

Alexander Zverev

Vor Thiem gewann letztmals der Argentinier Gaston Gaudio am French Open 2004 einen Grand-Slam-Final nach 0:2-Satzrückstand (0:6, 3:6, 6:4, 6:1, 8:6 gegen Landsmann Guillermo Coria). Am US Open gelang eine derartige Wende 1949 dem legendären amerikanischen Kämpfer Pancho Gonzales gegen Ted Schroeder mit 16:18, 2:6, 6:1, 6:2, 6:4. Thiem ist der zweite Österreicher nach Thomas Muster (French Open 1995), der ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte.

Die Siegerehrung im Video. Video: YouTube/US Open Tennis Championships

Thiems Premiere

Dass Dominic Thiem der erste Major-Turniersieger seit Stan Wawrinka (US Open 2016) wurde, der nicht Djokovic, Federer oder Nadal heisst, überraschte am Ende gewiss niemanden mehr. Thiem verdiente den Titel wie kein anderer. Der 27-jährige aus Wiener Neustadt in Niederösterreich stand in drei der letzten fünf Grand-Slam-Finals.

«Ich wünschte wirklich, es könnte heute zwei Sieger geben. Wir hätten es beide verdient.»

Dominic Thiem

Und Alexander Zverev? Der Deutsche verbessert sich in der Weltrangliste vorerst vom 7. auf den 6. Platz. Aber wie kann er die Niederlage verarbeiten? Schliesslich stand er in den Sätzen 3 und 5 dem Sieg äusserst nahe, schlug zum Turniersieg auf (bei 5:4 im fünften Satz), stand am Ende aber mit leeren Händen und Tränen in den Augen da. Zverev, der schon drei Masters-1000-Turniere gewann und 2018 an den ATP Finals in London triumphierte, verlor auf Grand-Slam-Stufe auch die elfte Partie gegen einen Top-10-Spieler.

Der Grand-Slam-Zirkus trifft sich bereits in zwei Wochen in Paris zum French Open wieder – womöglich sogar mit Zuschauern. Das French Open plant trotz der steigenden Infektionszahlen in Frankreich derzeit noch mit maximal 11'500 Zuschauern pro Tag (verteilt auf die drei Stadion-Courts). Auf den «Court Central» werden 5000 Zuschauer gelassen. Diese Woche testet das Gros der Profis in Rom auf Sand. Thiem und Zverev verzichteten beide auf dieses Turnier. (abu/sda)

Die One-Slam-Wonders im Herren-Tennis

US Open 2021: DANIIL MEDWEDEW – Novak Djokovic 6:4, 6:4, 6:4. keystone / JUSTIN LANE
US Open 2020: DOMINIC THIEM – Alexander Zverev 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6. keystone / Seth Wenig
US Open 2014: MARIN CILIC – Kei Nishikori 6:3, 6:3, 6:3. EPA/EPA / JUSTIN LANE
US Open 2009: JUAN MARTIN DEL POTRO – Roger Federer 3:6, 7:6, 4:6, 7:6, 6:2. AP / CHARLES KRUPA
French Open 2004: GASTON GAUDIO – Guillermo Coria 0:6, 3:6, 6:4, 6:1, 8:6. AP / MICHEL EULER
US Open 2003: ANDY RODDICK – Juan Carlos Ferrero 6:3, 7:6, 6:3. EPA / RHONA WISE
French Open 2003: JUAN CARLOS FERRERO – Martin Verkerk 6:1, 6:3, 6:2. AP / MICHEL EULER
French Open 2002: ALBERT COSTA – Juan Carlos Ferrero 6:1, 6:0, 4:6, 6:3. AP / MICHEL EULER
Australian Open 2002: THOMAS JOHANSSON – Marat Safin 3:6, 6:4, 6:4, 7:6. AP / TONY FEDER
Wimbledon 2001: GORAN IVANISEVIC – Patrick Rafter 6:3, 3:6, 6:3, 2:6, 9:7. PA / REBECCA NADEN
French Open 1998: CARLOS MOYA – Alex Corretja 6:3, 7:5, 6:3. AP / LIONEL CIRONNEAU
Australian Open 1998: PETR KORDA – Marcelo Rios 6:2, 6:2, 6:2.
Wimbledon 1996: RICHARD KRAJICEK – MaliVai Washington 6:3, 6:4, 6:3. AP / DAVE CAULKIN
French Open 1995: THOMAS MUSTER – Michael Chang 7:5, 6:2, 6:4. Getty Images Europe / Gary M. Prior
Wimbledon 1991: MICHAEL STICH – Boris Becker 6:4, 7:6, 6:4. Getty Images Europe / Getty Images
French Open 1990: ANDRES GOMEZ – Andre Agassi 6:3, 2:6, 6:4, 6:4. Getty Images Europe / Getty Images
French Open 1989: MICHAEL CHANG – Stefan Edberg 6:1, 3:6, 4:6, 6:4, 6:2. AP / PIERRE GLEIZES
Wimbledon 1987: PAT CASH – Ivan Lendl 7:6, 6:2, 7:5. Getty Images Europe / Getty Images
French Open 1983: YANNICK NOAH – Mats Wilander 6:2, 7:5, 7:6.
Australian Open 1980: BRIAN TEACHER – Kim Warwick 7:5, 7:6, 6:2.
Australian Open 1977 (Dezember): VITAS GERULAITIS – John Lloyd 6:3, 7:6, 5:7, 3:6, 6:2.
Australian Open 1977 (Januar): ROSCOE TANNER – Guillermo Vilas 6:3, 6:3, 6:3.
French Open 1976: ADRIANO PANATTA – Harold Solomon 6:1, 6:4, 4:6, 7:6.
Australian Open 1976: MARK EDMONDSON – John Newcombe 6:7, 6:3, 7:6, 6:1.
US Open 1975: MANUEL ORANTES – Jimmy Connors 6:4, 6:3, 6:3.
French Open 1972: ANDRES GIMENO – Patrick Proisy 4:6, 6:3, 6:1, 6:1.

Wawrinka beisst sich im Quiz über sich selbst die Zähne aus

Video: watson / Roberto Krone

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben