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Interner Bericht zeigt: Swiss prüft Kurzarbeit für bis zu 12 Monate

Die Airline hat derzeit nur noch sechs Flugzeuge in Betrieb und für alle Angestellten Kurzarbeit für drei Monate beantragt. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb scheint in weiter Ferne, wie ein Schreiben der Firma zeigt.

Publiziert: 03.04.20, 10:48 Aktualisiert: 25.05.20, 11:24
Benjamin Weinmann / ch media

Vor dem Swiss-Personal stehen ungewisse Zeiten. Vor wenigen Tagen hat die Airline für ihre 9500 Angestellten Kurzarbeit beantragt. Im gesamten Lufthansa-Konzern wurde für 87000 Mitarbeitende Kurzarbeit eingereicht.

In welchem Umfang die Anträge der Swiss schlussendlich umgesetzt werden, hängt vom Staatssekretariat für Wirtschaft ab, welche diese prüft, und von der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Krise. Diesbezüglich rechnet die Swiss-Führung nicht mit einer raschen Besserung, wie ein interner Bericht zeigt, der vor wenigen Tagen an die fliegende Belegschaft verschickt wurde. CH Media liegt er vor.

Heckflossen so weit das Auge reicht: Zahlreiche Swiss-Maschinen stehen derzeit unbenutzt auf dem Militärflugplatz Dübendorf. Bild: KEYSTONE

Darin schreibt die Swiss, dass die Kurzarbeit für die nächsten drei Monate bewilligt worden sei. «Das gibt uns etwas Luft um zu atmen.» Man sei dankbar, dass man diese nützliche Massnahme in kürzester Zeit mit den Personalverbänden und den Behörden habe umsetzen können. «Das lindert unsere Liquiditätssituation bereits. Aber so wie es jetzt aussieht, werden wir sie schlicht und einfach erweitern müssen.»

Die heutigen Gesetze würden es erlauben, Kurzarbeit während bis zu 12 Monaten anzuwenden. «Und das ist ein Thema in unseren aktuellen Gesprächen mit den Personalverbänden», schreibt die Swiss.

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«Um ehrlich zu bleiben...»

Die Lufthansa-Tochter verweist auf die Prognosen des Branchenverbands IATA, der wegen der Corona-Krise mit Verlusten von 250 Milliarden Dollar für dieses Jahr in der Aviatik rechnet. Man befände sich deshalb auch in Verhandlungen mit den Gewerkschaften des Cockpit-, Kabinen- und Bodenpersonals.

«Es bleibt unsere Absicht, alle Mitglieder unseres Swiss-Teams an Bord zu halten. Aber um ehrlich zu bleiben, dieses Ziel wird jeden Tag eine grössere Herausforderung, da die Krise weltweit anhält.» Es werde auch zunehmend klar, dass auch nach der Krise die Nachfrage für Flugreisen deutlich schwächer sein werde.

In einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten» sagt Swiss-Chef Thomas Klühr, dass er vom Geschäftsmodell mit der aktuellen Flottengrösse auch mit Blick auf die Zukunft überzeugt sei. «Aber ich habe Respekt vor dem Zeitfenster, das es braucht, um wieder zur alten Stärke zurückzufinden.»

Es werde vermutlich bis Juli oder August dauern, bis die Swiss wieder loslegen könne. «Bis Ende Jahr rechne ich bei Edelweiss und Swiss mit einem Flugbetrieb von maximal 75 Prozent.» Immerhin: «Wir haben Vertrauen in unseren Heimatmarkt, die Schweiz. Dieser wird sich schneller erholen als andere.»

Swiss-Chef fordert Liquiditätsspritzen

Klühr betont, dass man die Kosten so stark wie möglich reduziere. In erster Linie sei für die Liquiditätssicherung die Eigentümerin gefordert, «in unserem Fall die Lufthansa-Gruppe.» Aber wie bei allen Airlines werde es auch bei der Swiss längerfristig nicht ohne staatliche Hilfe in Form von Bundesgarantien oder Überbrückungskrediten gehen. «Also Liquiditätsspritzen, die dann später zurückbezahlt werden.» Eine Bundesbeteiligung, so wie es von einigen Politikern gefordert wird, nennt Klühr nicht als Option.

Klühr betont im Interview, dass die Swiss ein Schweizer Unternehmen ist. «Wir haben hier unseren Sitz, wir zahlen hier unsere Steuern.» 90 Prozent der Mitarbeitenden würden in der in der Schweiz leben und man richte das Streckennetz gezielt an den Bedürfnissen der Schweiz. «Dieses Bewusstsein vermisse ich manchmal.»

Noch führt die Swiss einige wenige Flüge aus, unter anderem für wichtige Cargo-Transporte und Repatriierungsflüge für Schweizer im Ausland in Koordination mit dem Bund. Doch auch ein Grounding der sechs aktiven Flugzeuge schliesst die Swiss nicht aus, wie sie ihrem Personal schreibt: «Ob wir das verbliebene Flugprogramm über die nächsten Wochen aufrecht erhalten können, ist alles andere als sicher.» Die immer noch unkontrollierte Virusausbreitung und neue, stärkere Regeln der Behörden könnten es «jederzeit» beenden. (bzbasel.ch)

Grippe und Covid-19 im Vergleich

Bei der Diskussion um den Coronavirus wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Die WHO nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede: EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ähnlich ist demnach die Ausprägung der Infektionskrankheiten: Beide sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. EPA / IGOR KUPLJENIK
Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch direkten Kontakt übertragen. Darum greifen bei beiden auch die gleichen Vorsichtsmassnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden. KEYSTONE/TI-PRESS / Alessandro Crinari
Unterschiede gibt es laut WHO bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit: Influenza habe eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome, zudem erfolgten die Ansteckungen in den Infektionsketten rascher aufeinander. Bei Covid-19 liege dieses Intervall bei etwa 5 bis 6 Tagen, bei Influenza bei 3 Tagen. Das bedeute, dass sich Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Hinzu komme, dass bei Influenza oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen angesteckt würden. Bei Covid-19 seien zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt, sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe selten und spielten für die Weiterverbreitung kaum eine Rolle. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die Ansteckungsrate. Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben - und damit an mehr als bei Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heisst es von der WHO. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Erhebliche Unterschiede gibt es im Bezug auf Kinder: «Kinder sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft», so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken - Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. EPA / JALIL REZAYEE
Bei 5 Prozent der Infizierten ist demnach künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle - exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen. AP / Sakchai Lalit
Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen. EPA / NICOLA FOSSELLA
Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. «Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19», so die WHO. Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. EPA / ALEX PLAVEVSKI

Coronavirus: Schweizweit 4500 bis 5500 Zivilschützer täglich im Einsatz

Video: SRF / SDA SRF

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