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Admir Mehmedi brachte Schwung ins Schweizer Spiel, aber auch keine Tore. Bild: KEYSTONE

Petkovic, der Sündenbock – doch das grösste Problem der Nati sind die fehlenden Tore

Drei Tage vor dem Match gegen Irland in Genf akzentuierte sich nicht nur das Problem der späten Gegentreffer. Die Schweizer Stürmer taten sich auch beim 0:1 in Dänemark schwer mit dem Toreschiessen.

Publiziert: 13.10.19, 19:29

Vladimir Petkovic musste ziemlich einstecken an diesem Samstag in Kopenhagen. Am Morgen wurde der Schweizer Nationalcoach in den grossen Schweizer Zeitungen angezählt, am Abend folgte der nächste Tiefschlag. Die Schweiz verlor entgegen dem Spielverlauf und geriet damit 2019 definitiv aus dem Tritt.

«NZZ», «Tages-Anzeiger» und «Blick» sind sich einig: Die Kommunikationsschwächen des Trainers in Kombination mit den nachlassenden Resultaten müssen Anlass für den Verband sein, sich kritische Gedanken über eine Verlängerung des nach dieser EM-Kampagne auslaufenden Vertrags mit Petkovic zu machen.

Für viele ist Petkovic der Sündenbock für die Schweizer Resultat-Krise. Bild: KEYSTONE

Nur, was kann der Trainer dafür, wenn sich die Mannschaft wiederholt selbst um die Früchte ihrer Arbeit bringt? Gegen die Dänen kassierte die Schweiz abermals ein fatales spätes Gegentor und schlug aus den eigenen Möglichkeiten kein Kapital. «Unsere Chancenauswertung war schlecht», bemängelte Petkovic nicht zum ersten Mal.

Das mag an diesem Abend zum wesentlichen Teil an einem gegnerischen Akteur gelegen haben. Kasper Schmeichel, Sohn der Goalie-Legende Peter Schmeichel, parierte alles. Viermal glänzte der Keeper der Dänen mit Weltklasse-Reflexen. Es gab aber auch diese eine Chance zu Beginn der zweiten Halbzeit, die man, so befand Petkovic, «auf diesem Niveau nutzen muss». Mit einem langen Ball von Ricardo Rodriguez lanciert, stürmte Admir Mehmedi auf das dänische Tor zu und schoss freistehend vor Schmeichel über das Tor.

Die vergebenen Schweizer Grosschancen gegen Dänemark. Video: streamable

«Ich habe eine super Ballannahme und entscheide mich dann, mit rechts zu schiessen. Vielleicht hätte ich den Ball noch einmal mitnehmen und mit links abschliessen müssen», schilderte Mehmedi. Der Wolfsburger war der beste Schweizer an diesem Abend, aber auch er blieb ohne Zählbares. Womit sich ein Problem der letzten Monate weiter akzentuierte: Kein Schweizer Stürmer hat in der laufenden EM-Qualifikation mehr als ein Tor erzielt. Seit dem Jahreswechsel erzielten die Stürmer in sieben Spielen drei Tore, zwei davon beim 4:0 gegen Gibraltar.

Die Schweiz hat zurzeit keinen Goalgetter vom Format eines Alex Frei, sie hat keinen Vollstrecker wie die Israeli mit Eran Zahavy (10 Tore), die Russen mit Artem Dsjuba (8) oder die Österreicher mit Marko Arnautovic (6) in ihren Reihen. Mehmedi, Mario Gavranovic und Breel Embolo trafen bislang je einmal, Haris Seferovic, letzte Saison Torschützenkönig in Portugal für Benfica Lissabon, noch nicht, ebenso wenig Josip Drmic und der bei West Ham noch nicht angekommene Albian Ajeti. Seferovics Triplette vor elf Monaten gegen die Belgier auf dem Weg ans Finalturnier der Nations League war ein Ausreisser, die Absenz von Xherdan Shaqiri nur teilweise verantwortlich für die Flaute.

Seferovic vermisst die genialen Pässe von Shaqiri. Bild: EPA

Auf zehn Tore in fünf Spielen kommt die Schweiz mitunter dank dem Offensivdrang aus der zweiten Reihe: Denis Zakaria war zweimal erfolgreich, zwei Verteidiger und drei weitere Mittelfeldspieler je einmal. Diese Ausgeglichenheit kann eine Stärke sein. Mehr Stürmertore würden dem Nationalteam im Finish der EM-Qualifikation aber helfen. (pre/sda)

Die 13 schönsten WM-Momente der Schweizer Fussball-Nati

13. Schweiz – Holland 3:2, WM 1934 Bei ihrem allerersten Spiel an einer Weltmeisterschaft gewinnt die Schweiz im San Siro sensationell dank Brillenstürmer Poldi Kielholz.
12. Schweiz – Südkorea 2:0, WM 2006 Der Torjubel Philippe Senderos', dem Blut über die Nase rinnt, ist ein Bild für die Schweizer Fussballewigkeit. AP / KAI-UWE KNOTH
11. Schweiz – Italien 2:1 und 4:1, WM 1954 Zum Auftakt der WM im eigenen Land schlägt die Schweiz Italien mit 2:1. Aufgrund des Modus trifft sie noch einmal auf die Azzurri und schlägt sie auch ein zweites Mal (4:1).
10. Die Nacht von Sheffield, WM 1966 Zwei junge Engländerinnen nehmen das Schweizer Trio Werner Leimgruber, Leo Eichmann und Köbi Kuhn im Mini Cooper mit, es wird ein lustiger Abend. Weniger lustig findet es Nati-Trainer Dottore Alfredo Foni, er erwischt die drei, verzichtet im Startspiel gegen Deutschland auf sie.
9. Schweiz – Brasilien 1:1, WM 2018 Die Nati ringt Rekordweltmeister Brasilien zum Auftakt ein 1:1 ab. Heroisch ist vor allem die Leistung von Valon Behrami, der Superstar Neymar nicht zur Entfaltung kommen lässt. AP/AP / Darko Vojinovic
8. Schweiz – USA 1:1, WM 1994 Leider gibt es doch einen zweiten wie Bregy – nämlich Eric Wynalda. Nach 28 Jahren aber endlich der erste WM-Punkt für die Schweiz. KEYSTONE / STR
7. Schweiz – Deutschland 4:2, WM 1938 Trotz 0:2-Rückstand schlägt die Nati die Elf von Adolf Hitlers Nazi-Deutschland im Achtelfinal sensationell und zieht in den Viertelfinal ein.
6. Schweiz – Honduras 3:0, WM 2014 Die Schweiz braucht einen Sieg für die Achtelfinal-Qualifkation. Dank einem Hattrick von Xherdan Shaqiri kein Problem. AP / FELIPE DANA
5. Schweiz – Brasilien 2:2, WM 1950 Zweimal geht der WM-Gastgeber und -Favorit vor der unfassbaren Menge von 142'000 Zuschauern in Führung, zweimal gelingt Servette-Legende Jacky Fatton der Ausgleich.
4. Schweiz – Ecuador 2:1, WM 2014 Nach Valon Behramis Sturmlauf erlöst Haris Seferovic die Schweiz in der 94. Minute. Der wichtige Auftaktsieg ist in letzter Sekunde geschafft. AP / THEMBA HADEBE
3. Schweiz – Spanien 1:0, WM 2010 Das hätte niemand gedacht: Dank dem goldenen Tor von Gelson Fernandes und einer überragenden Defensivleistung schlägt die Schweiz zum Auftakt den Europa- und späteren Weltmeister. AP / Roberto Candia
2. Schweiz – Rumänien 4:1, WM 1994 Es ist die beste Partie der goldenen Generation um Chapuisat, Sforza, Knup und Co. und nach dem 1:1 gegen die USA die Qualifikation für den Achtelfinal. KEYSTONE / STR
1. Schweiz – Togo 2:0, WM 2006 50'000 Fans schreien die Schweizer zum Sieg gegen Togo und damit zur Achtelfinal-Qualifikation. Ein Stadion in Rot-Weiss, Gänsehaut-Atmosphäre pur! AP / EUGENE HOSHIKO

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Video: watson / Lea Senn

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