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Völlig ausgepumpt bedankt sich die Nati nach dem 0:0 gegen Frankreich bei den Fans für die Unterstützung. Bild: LAURENT DUBRULE/EPA/KEYSTONE

Minimalziel Achtelfinal trotz grossem Sorgenkind erreicht – und jetzt weiter, immer weiter

Mit einem hart erkämpften 0:0 gegen Frankreich hat sich die Schweizer Nati ungeschlagen für die EM-Achtelfinals qualifiziert. So weit, so gut. Doch jetzt muss das Team von Vladimir Petkovic zeigen, dass es auf dem Platz zu einem Exploit fähig ist.

Publiziert: 20.06.16, 04:03 Aktualisiert: 20.06.16, 14:08

Es war ein hartes Stück Arbeit, dieses 0:0 gegen Gastgeber Frankreich. Die Erleichterung und der Stolz war den Schweizern nach dem Schlusspfiff anzusehen: «Geschafft», war in ihren Gesichtern zu lesen. Ungeschlagen und aus eigener Kraft hat die Nati ihr Minimalziel und als Gruppenzweiter die Achtelfinals erreicht. Verdientermassen liessen sich Spieler und Staff danach von den Fans feiern. 

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Denn der Schweiz wurde dieser Erfolg nicht geschenkt. Im Gegenteil: Sie hat ihn sich hart erarbeiten müssen. Gegen Albanien stimmte spielerisch vieles noch nicht, gegen Rumänien spielte man mutig nach vorne und gegen Frankreich hat man einem Grossen die Stirn geboten.

In diesen drei Spielen innert acht Tagen hat sich das Team von Vladimir Petkovic kontinuierlich gesteigert und angedeutet, zu was es fähig sein könnte. Und – nicht zu unterschätzen – es hat in der Heimat wieder Begeisterung entfacht. Die Nati spielt nach zwei schwierigen Jahren an dieser EM einen Fussball, mit dem sich die Fans endlich wieder identifizieren können.

Duo Xhaka/Behrami überragend

Das Prunkstück im Schweizer Spiel ist neben dem bärenstarken Torhüter Yann Sommer das defensive Mittelfeld. Der unermüdliche Kämpfer Valon Behrami und der geniale Stratege Granit Xhaka halten die Mannschaft zusammen, geben den Takt vor und sorgen für die taktische Organisation.

In ihrem Sog haben sich auch die Teamkollegen von Spiel zu Spiel stabilisiert, etwa die vor allem bei schnellen Gegenstössen anfällige Innenverteidigung oder die etwas ungestümen Aussenverteidiger. Selbst der launische Xherdan Shaqiri wirbelte gegen Frankreich schon fast so, wie man sich das von ihm gewöhnt ist.

Weltklasse: Granit Xhaka hat an der EM in Frankreich nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. Bild: KEYSTONE

Dank Xhaka und Behrami gehört die Schweiz defensiv definitiv zu den besten Mannschaften an dieser EM. In drei Spielen hat man nur gerade ein Tor zugelassen, gegen Rumänien den Penaltytreffer von Bogdan Stancu. Doch es gibt auch ein paar Mängel bei den Schweizern. Und zwar nicht nur bei den Trikots, die gegen Frankreich so leicht rissen wie einlagiges WC-Papier.

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Effizienz als Unterschied zu Topteams

Das grosse Sorgenkind ist und bleibt die Offensive. Erst zwei Tore sind der Schweiz gelungen – sowohl das 1:0 gegen Albanien durch Fabian Schär als auch Admir Mehmedis 1:1-Ausgleich gegen Rumänien fiel nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach einer Standard-Situation. Klar zu wenig, da muss mehr kommen.

Schärs 1:0 gegen Albanien. streamable

Mehmedis 1:1 gegen Rumänien. streamable

Zwar hat die Schweiz alle drei Partien kontrolliert, hatte sogar gegen Frankreich mehr Ballbesitz, doch schoss Rotweiss gegen «Les Bleus» in 90 Minuten kein einziges Mal aufs Tor. Gegen Albanien und Rumänien kamen die Schweizer zwar zu Chancen, liessen ihre Möglichkeiten aber teils fahrlässig liegen.

Der Schweiz fehlt ein Strafraumstürmer, ein geborener Skorer. Haris Seferovic und Breel Embolo sind zwar ständig in Bewegung, immer anspielbar und arbeiten auch gegen hinten gut mit, doch nach vorne sind sie nicht mehr als ein laues Lüftchen. Es ist augenscheinlich: Bei der Effizienz im Abschluss liegt der grösste Steigerungsbedarf. Hier zeigt sich der Unterschied zu den Topnationen.

Hungrig und konzentriert

Dennoch darf die Schweiz guten Mutes auf den Achtelfinal vom kommenden Samstag (15 Uhr) in Saint-Étienne schauen. Vieles stimmt und die Mannschaft wirkt nach dem Erreichen der K.o.-Phase keineswegs selbstzufrieden oder selbstgefällig, sondern immer noch konzentriert und hungrig. Die «Weiter, immer weiter»-Mentalität von Oliver Kahn scheint in der Nati angekommen zu sein und hat Selbstzufriedenheit verdrängt.

Xherdan Shaqiri: Hat er sich seine Geniestreiche für die K.o.-Phase aufbewahrt?  Bild: KEYSTONE

Das muss auch so sein. Gegen Deutschland, Polen oder Nordirland bietet sich dieser goldenen Schweizer Generation nun zum zweiten Mal die Chance, nicht nur vom grossen Coup zu reden, sondern ihn auch zu schaffen. Dazu braucht es allerdings eine weitere Leistungssteigerung.

Der lange Schatten von Ottmar Hitzfeld ist immer noch da, nun kann Petkovic mit seinem Team ihn endlich abschütteln. An der WM 2014 ist die Nati im Achtelfinal denkbar knapp (0:1 n.V.) an Argentinien gescheitert. Eine Begegnung, die nicht so schnell aus den Köpfen der Spieler verschwunden ist. Nun können sie zeigen, dass sie einen weiteren Schritt nach vorne gemacht haben und zum sehnlich erwarteten Exploit fähig sind.

Die Noten der Schweizer Nati im Spiel gegen Frankreich

Yann Sommer: Note 4,5 – Eine starke Parade gegen Pogbas Schrägschuss. Hat Glück, als er dessen Distanzschuss auf die Latte lenkt. Einige Probleme in der Luft. X01095 / Gonzalo Fuentes
Stephan Lichtsteiner: Note 4,5 – Auffallend offensiv und initiativ. Wenn nur seine Flanken eine bessere Qualität hätten. Bei Payets Lattenschuss zu zentral positioniert. EPA/EPA / ROLEX DELA PENA
Fabian Schär: Note 5,5 – Eine blitzsaubere Vorstellung. Schnörkellos und präsent auch bei ruhenden Bällen gegen die französischen Hünen. Eine Klasseleistung. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Johan Djourou: Note 5,5 – Will nicht zu viel und konzentriert sich ganz auf seine Kernaufgabe: das Verteidigen. Äusserst abgeklärt. Vielleicht sein bestes Länderspiel. AP/AP / Thibault Camus
Ricardo Rodriguez: Note 5 – Sorgt für Stabilität auf der linken Seite. Bissig und cool in den Duellen. Schlägt einen schlechten Freistoss, der zu einem gefährlichen Konter führt. AP/AP / Thibault Camus
Valon Behrami: Note 5,5 – Wirft all seine Routine in die Waagschale. Sehr positionstreu stopft er viele Lücken. Ein leichter Ballverlust, sonst aber auch im Passspiel sicher. AP/AP / Frank Augstein
Granit Xhaka: Note 6 – Tankt früh mit einem magistral gewonnenen Zweikampf Moral und ist unter den Augen Arsène Wengers danach ein glänzender Regisseur. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Xherdan Shaqiri: Note 5 – Spielfreudig und klar verbessert, auch wenn nicht alles gelingt. Aber er steigt unerschrocken in die Zweikämpfe; die Premier-League Erfahrung… EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Blerim Dzemaili: Note 5 – Immer auf der Suche nach einem Abschluss und viel unterwegs. Stellt sich in den Dienst des Teams. Bezüglich Effizienz hat er Luft nach oben. AP/AP / Geert Vanden Wijngaert
Admir Mehmedi: Note 5 – Lässt in der Startphase bei einem Rückpass die Übersicht vermissen. Sonst gibt es von ihm nur Positives zu berichten. Ein Arbeitstier par exellence. freshfocus / Alain Grosclaude/freshfocus
Breel Embolo: Note 5 – Ein forscher Auftritt des Youngsters, ohne dass er die grosse Szene hat. Generös in der Defensivarbeit; wertvoll bei gegnerischen Standards. Witters / Tim Groothuis/freshfocus
Haris Seferovic: ohne Note – Petkovic bringt ihn eine Viertelstunde vor Schluss für Embolo. Kommt im Gegensatz zu den ersten Spielen aber zu keiner Torchance mehr. Ohne Note. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Gelson Fernandes: ohne Note – Ersetzt in der Schlussphase Shaqiri. Zu kurz im Spiel für eine Bewertung. EPA/EPA / SHAWN THEW
Michael Lang: ohne Note – Fünf Minuten vor Schluss ersetzt er Mehmedi. Auch hier keine Bewertung möglich. AP/AP / Thibault Camus

Schweizer Nati dank 0:0 gegen Frankreich im Achtelfinal

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