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Mit Atalanta Bergamo steht Freuler im Viertelfinal der Champions League. Bild: AP

Remo Freuler lebt in Bergamo in der Sperrzone: «Nur Einkaufen funktioniert noch knapp»

Der Schweizer Remo Freuler vom Champions-League-Viertelfinalisten Atalanta Bergamo sitzt in Norditalien im europäischen Epizentrum des Coronavirus fest. Der Nati-Spieler schildert die dramatische Lage rund um seinen Arbeitgeber.

Publiziert: 12.03.20, 13:25 Aktualisiert: 12.03.20, 13:47

Acht Treffer in 180 spektakulären Champions-League-Minuten gegen den FC Valencia und ein märchenhafter Vorstoss in die Viertelfinals des besten Klubwettbewerbs: Unter normalen Umständen wären Atalanta Bergamos Helden in der Nacht auf Mittwoch von ihrer Tifoseria auf Händen getragen worden. So wie früher ist in Bergamo seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie aber nichts mehr. Das öffentliche Leben ist von Amtes wegen stillgelegt. Ganz Italien hat den Notstand ausgerufen.

Ein globaler Krankheitserreger relativiert die beste Phase der Klubgeschichte vollumfänglich. Remo Freuler wird mit einer grotesken Situation konfrontiert. Der Schweizer Internationale hat die Europacup-Partien seines Lebens hinter sich und schildert während eines Telefonats mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA seine diffusen Achtelfinal-Eindrücke: «Man geht auf den Platz, hört die Champions-League-Hymne und später jeden einzelnen Schrei der anderen Spieler. Das ist schon sehr frustrierend.»

Die Highlights des Atalanta-Rückspiels bei Valencia. Video: YouTube/Teleclub Zoom

Nur Einkaufen funktioniert noch knapp

Aber die Gesundheit gehe vor, stellt Freuler klar. Innerhalb weniger Tage habe sich der Alltag in Norditalien massiv verändert. «Bevor wir nach Spanien geflogen sind, ging es vor allem darum, die Hände gründlich zu waschen. Auf den Strassen sah man vielleicht zwei, drei Passanten mit Masken. Die Cafés waren gut besucht», so der 27-Jährige. «Dann wurden bis Dienstagabend drastische Massnahmen verhängt. Inzwischen ist alles komplett abgeriegelt. Einkaufen funktioniert knapp noch.»

Eine temporäre Flucht aus dem «Wuhan Italiens» («Die Welt») ist keine Option. «Ein Camp im Ausland war ein Thema. Aber wir können Italien momentan ohnehin nicht verlassen», so Freuler. Dem Verein bleiben nur schriftliche Anordnungen, die Gesundheit der international begehrten Spieler zu schützen: «Sie haben uns angeboten, in der Unterkunft unserer Trainingsanlage zu schlafen und geben uns Essen mit nach Hause.»

Freuler bleibt gelassen

Freuler hat sich mit dem Leben in der Sperrzone so gut wie möglich arrangiert: «Garage, Trainingsplatz, Garage, Wohnung.» Für jede Fahrt ins Trainingszentrum der Bergamasken benötigt er die nötigen Dokumente. «Ohne spezielle Genehmigung der Polizei fährt niemand mehr in eine andere Stadt.»

Wann Freuler wieder Fussball spielen darf, steht derzeit in den Sternen. Bild: EPA

Den rigiden Kurs der Behörden trägt Freuler mit: «Zuvor handelten sie zu wenig konsequent. Irgendwann muss man die Reissleine ziehen.» Nach über vierjährigem Engagement in der Serie A kennt Freuler den italienischen Krisenmechanismus. Mit etwas Verzögerung hätten nun alle die Dimension der Problematik erfasst und verstanden, «dass wir alle solidarisch handeln müssen».

Einen allzu weiten Ausblick will Freuler nicht wagen: «Ich male mir die unmittelbare Zukunft nicht im Detail aus. Aktuell überwiegt die Hoffnung auf eine spürbare Besserung. Erst danach müssen wir an neue Lösungen denken.» Bis zum 3. April ruht der Meisterschaftsbetrieb, bis sich die Pandemie womöglich abschwächt – aber davon geht derzeit kein Experte mehr aus. «Das ist zwar schade, aber der Sport muss in den Hintergrund rücken.» (pre/sda)

Das Coronavirus legt ganz Italien lahm

Der Petersplatz in Rom: Hier stehen sich normalerweise die Touristen auf den Füssen. Am 11. März 2020 ist er praktisch leer. EPA/Massimo Percossi EPA / Massimo Percossi
Gähnende Leere auch in diesem Einkaufsviertel von Rom. Bis gestern schlossen die Läden um 18 Uhr, jetzt müssen sie ganz zu bleiben. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Rom ist das beliebtestes Reiseziel in Italien. 15,2 Millionen Ankünfte und 36,6 Millionen Übernachtungen wurden 2018 gemeldet. Jetzt sieht es dort so aus. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Der Verkehr auf den Autobahnen rund um Mailand ist normalerweise berüchtigt für sein Verkehrsaufkommen. Nicht so seit dem Lockdown. EPA / ANDREA FASANI
Auch hier in einer Strasse in Mailand ist kein Mensch. AP / Luca Bruno
Viel Platz und freie Sicht auf den Vesuv hat dieser Jogger in Neapel. AP / Alessandro Pone
Die San Gregorio Armeno ist eine berühmte Einkaufsstrasse in Neapel. Am 11. März war sie komplett ausgestorben. AP / Alessandro Pone
Die 89-jährige Albina Pascucci, 89, posiert für ein Foto aus dem Fenster ihrer Wohnung in Rom. AP / Alessandra Tarantino
Die Via della Conciliazione führt zum Petersplatz in Rom. Tausende Menschen passieren hier an normalen Tagen. Aber am 12. März 2020 ist nichts normal in Italien. EPA / RICCARDO ANTIMIANI
Die Via delle Medaglie d'Oro, ist eine von Roms meistbefahrenen Strassen. Sie führt zum Vatikan. Am 12. März ist sie leergefegt. EPA / ALESSANDRO DI MEO
Noch ein Blick in eine Strasse Roms. Kein Mensch weit und breit. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Ein Marktplatz in Rom am 12. März 2020. Das Restaurant bleibt zu, der Markt wartet auf Kundschaft. EPA / Alessandro Di Meo

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Video: SRF / SDA SRF

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