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Apple-Gründer: Steve Wozniak (links) war der geniale Tüftler, Steve Jobs hatte den Geschäftssinn. Bild: APPLE

Der geniale Nerd, der mit Steve Jobs Streiche spielte und die Welt veränderte

Steve Wozniak, der Vater des Personal Computers, feiert am Dienstag seinen 70. Geburtstag. Ein Rückblick auf verrückte Zeiten.

Publiziert: 09.08.20, 15:00 Aktualisiert: 11.08.20, 06:37

Der erste brauchbare Personal Computer, der Apple I, wurde von einem einzigen Menschen erfunden und entwickelt: Steve Wozniak. Der Tüftler, der nun 70 Jahre alt wird, bildete beim Aufbau von Apple den Gegenpol zu seinem visionären Kumpanen Steve Jobs.

Die Computerrevolution begann für Apple-Mitbegründer Steve Wozniak in der Garage eines arbeitslosen Ingenieurs im Silicon Valley.

«Es passierte im März 1975 beim allerersten Treffen einer merkwürdigen, schrulligen Truppe von Leuten, die sich Homebrew Computer Club nannte.»

Steve, «Woz», Wozniak

Diese Nerds träumten davon, dass Computertechnologie für die Allgemeinheit erreichbar sein sollte. Menschen sollten es sich leisten können, einen eigenen Computer zu besitzen und damit zu arbeiten oder zu spielen. Und dank des Genies von Wozniak, der am 11. August 1950 in Sunnyvale (Kalifornien) geboren wurde, sollte es kein Traum bleiben.

Wozniak mit dem iPhone 4S, im Oktober 2011. Er stellte sich bei Verkaufsstarts jeweils in die Schlange. Bild: AP

Anfang der 70er Jahre gab es noch keine Personal Computer. Über schrankgrosse Rechenanlagen, die für normale Menschen unbezahlbare Technikmonster waren, verfügten nur wenige Unternehmen, einige Universitäten und das Militär. Im Homebrew Computer Club redeten sich die Hobbybastler aber darüber die Köpfe heiss, wie man die Technologie erschwinglich machen kann.

Ihr erster Streich

Wozniak wuchs mit elektronischen Bauteilen als liebstes Spielzeug auf. Als Teenager lötete «Woz», wie er von allen Freunden genannt wurde, gerne an Schaltkreisen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese unzugänglichen Maschinen zu gelangen.

Auf der High School lernte Woz den fast fünf Jahre jüngeren Steve Jobs kennen, der seine Begeisterung für Computer teilte. Trotz des Altersunterschieds fanden sie schnell gemeinsame Interessen – von den «elektronischen Sachen» bis hin zum Spass an ulkigen Scherzen.

«Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektronik wusste als ich», sagte Jobs später. Wozniak brachte ihm die Songs von Bob Dylan nahe, gemeinsam jagten sie Mitschnitten seiner Live-Auftritte nach. Und sie verabschiedeten eine Abschlussklasse an ihrer Highschool mit einem riesigen Stinkefinger-Transparent, das sich plötzlich von einem Balkon entrollte. Dieser Streich habe ihre Freundschaft besiegelt, erzählte Jobs später.

Der «Blue Box Hack»

Das erste gemeinsame technische Projekt der beiden Freunde war eigentlich kriminell. Sie waren darauf aufmerksam geworden, wie das Telefonsystem der USA so manipuliert werden konnte, dass man kostenlos Telefonate führen konnte. Alle Steuerfrequenzen waren in einem öffentlich zugänglichen Handbuch aufgeführt. Während der Telekom-Riese AT&T sich daran machte, die Handbücher schleunigst aus den Bibliotheken zu entfernen, schlichen sich die Freunde an einem Sonntag in eine geschlossene Bücherei und sicherten sich das Buch.

Schon beim «Blue Box Hack» zeichnete sich die Aufgabenteilung ab, die später bei Apple galt: Jobs war der weitsichtige Geschäftsmann, der die Box möglichst vielen verkaufen wollte, Woz der geniale Tüftler. Sie nutzten das Gerät aber vor allem zum Spass, um selbst kostenlose Ferngespräche zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefonzelle den Vatikan an, Wozniak gab sich als US-Aussenminister Henry Kissinger aus und verlangte, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchenoberhaupt wurden sie nicht durchgestellt – doch die Box funktionierte.

«Breakout» programmiert

Im Januar 1973 trat Wozniak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schaltkreisen zu arbeiten, die für Rechenmaschinen und Taschenrechner verwendet wurden. In seiner Freizeit sicherte er sich einen Platz in der Geschichte der Computerspiele, denn in nur vier Tagen programmierte Woz die Spielelektronik für das legendäre Game «Breakout» von Atari.

Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem von ihm vermittelten Gig übers Ohr gehauen hat. Wozniak schreibt in seiner Autobiografie «iWoz», er habe von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhalten, die er nach seinen Angaben dafür bekommen habe. «Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekommen hatte, als er mir damals gesagt hatte – etwa ein paar Tausend Dollar (...) Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine grosse Sache.» Jobs dementierte später, dass er Woz übervorteilt hat.

Sein Meisterstück

Geld und ökonomischer Erfolg spielte im Universum von Wozniak aber ohnehin eine untergeordnete Rolle: «Ich wollte immer nur Ingenieur sein», und seine Arbeit mit Freunden teilen, sagte er. Das Design des ersten brauchbaren Personal Computers, des Apple I, wollte Woz ursprünglich für andere Bastler offenlegen. Jobs musste ihn überreden, daraus eine Firma aufzubauen.

Wozniak mit seinem «Baby»

Video: YouTube/Bloomberg QuickTake Originals

Sein Meisterstück lieferte Wozniak 1977 mit dem Apple II. Jobs liess dafür ein Plastikgehäuse entwerfen, um auch Anwender ausserhalb der Bastlerszene anzusprechen und kümmerte sich um entsprechende Produktionskapazitäten. Er sorgte auch dafür, dass die nötigen Gelder zu Verfügung standen, indem er Investoren wie Mike Markkula und Arthur Rock mit ins Boot holte.

1984: Steve Jobs zeigt stolz einen Apple IIc Computer, daneben stehen der damalige Apple-CEO John Sculley und der geniale Chipdesigner Wozniak (von links). Bild: AP

Beim Design der Platine des Apple II erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang es, mit unvorstellbar wenigen Bauteilen auszukommen. Der Apple II konnte Farben und Grafiken darstellen, zudem war er vielseitig erweiterbar.

Der Rechner von Woz erwies sich für Apple als riesiger kommerzieller Erfolg. Er sorgte dafür, dass Apple Computer zu einer weltweit bekannten Marke wurde. Der Börsengang von Apple im Jahr 1980 machte Wozniak und Jobs zu Millionären.

Die Zusammenarbeit der beiden Steves dauerte aber nicht mehr lange: Im Februar 1981 verunglückte der Hobby-Pilot Wozniak beim Start eines Kleinflugzeugs. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochenlang unter Gedächtnisstörungen.

Danach nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organisierte zwei Festivals mit Musik und Technologie. 1983 kehrte er zurück – nur um sich 1985 endgültig zu verabschieden. Formal ist Woz bis heute Angestellter von Apple und bezieht ein symbolisches Gehalt.

Woz mit seiner Frau Janet vor dem Steve Jobs Theater in Cupertino. archivBild: AP

In den Zeiten vor der Coronavirus-Pandemie jettete Wozniak als Legende aus den Anfangszeiten der PC-Branche um die Welt, um auf Tech-Shows und anderen Events zu sprechen. Er tanzte aber auch ungelenk durch die TV-Show «Dancing with the Stars» im US-Fernsehen und hat als er selbst in der Serie «Big Bang Theory» einen Gastauftritt.

Sheldon trifft Woz

Video: YouTube/LosInklings

In jüngster Zeit konnten die US-Fernsehzuschauer ihn zusammen mit seiner Frau Janet in der Fox-Show «Celebrity Watch Party» sehen, wie sie sich in ihrem Wohnzimmer andere Fernsehsendungen anschauen und witzig kommentieren.

(dsc/sda/dpa)

Wie Apple Geschichte schrieb

Apple hat der Computerbranche in den letzten vier Jahrzehnten immer wieder die Richtung vorgegeben. Das sind die wichtigsten Meilensteine ... AP/AP / Marcio Jose Sanchez
1976: Die Firmengründer Steve Jobs und Steve Wozniak (l.) bauen in einer Garage die ersten Apple-Computer. Die Geräte, die sie für 666.66 Dollar verkaufen, bestehen nur aus der Hauptplatine, ohne Gehäuse oder Tastatur. Mit Apple beginnt die Ära der Personal Computer, während meist noch Grossrechner verwendet werden. DPA APPLE / STR
2066 Crist Drive, Los Altos, Kalifornien. In diesem Haus wuchs Steve Jobs bei seinen Adoptiveltern auf. AP / JEFF CHIU
1977: Mit dem Apple II bringt das Unternehmen einen fertigen PC im Plastikgehäuse und mit einer Farbgrafikkarte auf den Markt, der sich bis 1993 über zwei Millionen Mal verkaufte. AP / ERIC RISBERG
1980: Apple geht an die Börse und verkauft 4.6 Millionen Aktien zu einem Preis von 22 Dollar. Schon am ersten Tag steigt der Aktienkurs auf 29 Dollar, womit das Unternehmen einen Marktwert von knapp 1.8 Milliarden Dollar aufwies. EPA / JUSTIN LANE
1984: Jobs stellt den Macintosh-Computer vor, mit dem eine grafische Benutzeroberfläche und die Bedienung per Maus populär werden. APPLE / STR
1985: Jobs wird in einem Machtkampf aus dem Unternehmen gedrängt. Er gründet danach die Computer Firma Next und führt das Animations-Studio Pixar. AP NY / RICHARD DREW
Unter Steve Jobs wurden die Pixar-Filme «Findet Nemo» und «Die Unglaublichen – The Incredibles» mit je einem Oscar in der seit 2002 bestehenden Kategorie Bester animierter Spielfilm ausgezeichnet. AP, WALT DISNEY PICTURES, PIXAR / STR
1991: Apple bringt seinen ersten erfolgreichen Laptop auf den Markt, das PowerBook 100.
1993: Der Apple Newton wird vorgestellt, der PDA (Personal Digital Assistan) verkauft sich aber nur schlecht, weil viele der visionären Konzepte wie die Handschriftenerkennung in der Praxis nur mässig funktionieren.
1997: Apple steht finanziell mit dem Rücken zur Wand und holt Jobs zurück. Mit dem Kauf von Next für über 400 Millionen Dollar wird das bei Next entwickelte Betriebssystem zur Grundlage des Mac-Systems OS X, dass heute noch eingesetzt wird. AP / PAUL SAKUMA
1998: Der iMac, ein kompakter Computer mit buntem Plastikgehäuse, läutet die Wiedergeburt von Apple ein. Er wurde von Designer Jony Ive entworfen, der fortan das Aussehen der Apple-Geräte bestimmt. AP / PAUL SAKUMA
Apples Chef-Designer Jony Ive (links) und Jon Rubinstein, Senior Vice President of Engineering, posieren 1999 mit den knallbunten Rechnern. AP / Susan Ragan
2001: Apple steigt mit dem iPod ins Geschäft mit Musik-Playern ein. Das Gerät wird von Kritikern zunächst als zu teuer abgetan – wird aber zum Marktführer und die weissen Ohrstöpsel erlangen Kultstatus.
2003: Der iTunes Store wird gestartet, über den sich der Online-Verkauf von zunächst Musik und dann auch Apps etabliert. Im Bild: Werbung für die neue Vertriebsplattform in einem Apple-Verkaufsgeschäft in Palo Alto. AP / PAUL SAKUMA
2007: Mit dem iPhone gibt Apple die Richtung für den Smartphone-Markt vor. Zum Standard werden ein grosser berührungsempfindlicher Bildschirm und die Idee, das Telefon für Apps zu öffnen. AP / Paul Sakuma
2008: Apple stellt das besonders dünne Notebook Macbook Air aus Aluminium vor. Es löst den Trend zu kompakteren Laptops aus. Getty Images North America / David Paul Morris
2010: Mit dem iPad kann Apple den totgeglaubten Markt für Tablet-Computer wiederbeleben, an dem sich andere Hersteller zuvor die Zähne ausgebissen haben. Links im Bild: ein uralter Macintosh Classic. X00910 / CHRISTIAN CHARISIUS
2011: Jobs stirbt an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 56 Jahren. Die Führung des Unternehmens übertrug er wenige Wochen davor an Tim Cook. Getty Images North America / Andrew Burton
2015: Mit der Computer-Uhr Apple Watch stösst der Konzern erstmals seit Jobs' Tod eine neue Produktkategorie vor und wird auf Anhieb zum Marktführer. EPA/EPA / ANDREW COWIE
2016: Apple wehrt sich öffentlich gegen Druckversuche des FBI. Die US-Bundespolizei verlangt vom iPhone-Hersteller, eine Software zu entwickeln, die das Knacken eines Terroristen-Handys ermöglicht. EPA/EPA / JUSTIN LANE
2017: Zehn Jahre nach dem Ur-iPhone lanciert Apple ein Jubiläumsmodell mit innovativer Gesichtserkennungs-Technologie (Face ID). Das iPhone X hat keinen Home-Button mehr. EPA/EPA / SASCHA STEINBACH
2018: Apple erreicht als erstes Unternehmen der Welt einen Börsenwert von mehr als 1 Billion US-Dollar. EPA/EPA / ERDEM SAHIN

Apple und sein Logo

Der angebissene Apfel provoziert ... (Screenshot: androidfiguren.de)
Aber wer hat das (vermutlich) bekannteste und ziemlich sicher am besten verteidigte Firmenlogo der Welt entworfen?
Kaum zu glauben, aber er war's nicht ... KEYSTONE / ENNIO LEANZA
... sondern er hier: Rob Janoff. US-Designer. War in den 1970ern «Art Director» bei einer Werbeagentur, die von einem jungen Wilden einen Auftrag erhielt. (Bild: Twitter)
Steve Jobs und Steve Wozniak (links) waren auf der Suche nach einem Logo für ihre 1976 gegründete Apple Computer Inc. DPA APPLE / STR
Ron Wayne, einer der drei Apple-Gründer, hatte etwas entworfen, das wie ein Kupferstich aussah, mit Isaac Newton, einem der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten, unter einem Apfelbaum.
Der Slogan dazu lautete: «Newton … A Mind Forever Voyaging Through Strange Seas of Thought … Alone.» Doch wurde der Logo-Entwurf schnell verworfen, er erschien veraltet und nicht zeitgemäss. EPA/EPA FILE / JOHN G. MABANGLO
Und so prangte 1977 auf dem Apple II, einem PC im Plastikgehäuse und mit einer Farbgrafikkarte, das Logo von Rob Janoff. AP / ERIC RISBERG
Ab 1998 wurde das Apple-Logo nur noch einfarbig dargestellt. Von hellblau bis hin zu schwarz durchlief das Markenzeichen mehrere Entwicklungsstufen. Und neben farblichem Wechsel experimentierten die Designer auch immer wieder mit Oberflächenstrukturen. (Quelle: leoprinting.de)
«Der Biss sollte klarmachen, dass es sich um einen Apfel handelt, nicht um eine Tomate», erzählt der Erfinder des Apple-Logos.
Spätestens mit dem iPhone, ab 2007, ging das Logo um die Welt. AP/AP / PAUL SAKUMA
So konstruiert man übrigens das Logo mit Zirkel und Lineal. Aber Vorsicht! Der reichste Konzern der Welt schützt sein geistiges Eigentum und lässt schnell mal die Anwälte los ...

Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest

Video: watson / Knackeboul, Lya Saxer

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