Dumm gelaufen: Spanien verliert gegen Kroatien und trifft im Achtelfinal jetzt auf Italien.
Bild: ARMANDO BABANI/EPA/KEYSTONE
Das gibt ein Gemetzel! Die Grossen alle in der gleichen Tableau-Hälfte – der Weg für die Nati wäre frei
Die K.o.-Runde der EM in Frankreich wird dramatisch. Weil Spanien gegen Kroatien 1:2 verliert und nur Gruppenzweiter wird, kommt es bereits im Achtelfinal zur Wiederholung des letzten EM-Finals gegen Italien. In der gleichen Tableau-Hälfte sind ausserdem Frankreich, Deutschland und England.
» Hier gibt's die Story mit den Highlights der späten Dienstagsspiele.
Spanien gegen Italien, bereits im Achtelfinal treffen die beiden EM-Finalisten von 2012 und Weltmeister von 2010 bzw. 2006 aufeinander. Dass es soweit kommen konnte, ist die Schuld der Spanier. Sie verloren das Spitzenspiel in der Gruppe D gegen Kroatien 1:2.
Zwar ging das Team von Vicente del Bosque durch Alvaro Morata bereits in der 7. Minute in Führung, doch die Kroaten kamen kurz vor der Pause durch Nikola Kalinic wie aus dem Nichts zum 1:1-Ausgleich.
Spanien war danach dem Sieg näher. Sergio Ramos hatte bei einem Penalty in der 71. Minute den Siegtreffer auf dem Fuss, doch Kroatiens Keeper Danijel Subasic, der sich auf der Linie zwar viel zu früh bewegte, hielt und in der 87. Minute führte schliesslich ein Konter zum 2:1 von Ivan Perisic und zum Gruppensieg der Kroaten.
Der Penalty von Sergio Ramos.
streamable
Das Kontertor von Ivan Perisic.
streamable
Während nun die Kroaten im Achtelfinal auf einen Gruppendritten treffen, muss Spanien nach der ersten Niederlage bei einer EM seit dem 20. Juni 2004 gegen Italien antreten. Das ist für Italien natürlich sehr bitter.
Dass Italien als Gruppensieger im Achtelfinal auf einen Gruppenzweiten treffen wird, ist Pech – war aber schon seit der EM-Gruppenauslosung im Dezember klar. Weil nur vier Gruppendritte weiterkommen treffen die Sieger der beiden letzten Gruppen E und F auf einen Zweiten.
Weil neben Spanien auch England hinter Erzrivale Wales nur Zweiter wurde, präsentiert sich das Tableau der K.o.-Runde nun folgendermassen:
Das Tableau der K.o.-Runde
Mobile-User halten ihr Smartphone am besten quer.
bild: kicker/watson
Bereits für die Achtelfinals qualifiziert, jedoch noch keiner Partie zuzuordnen, sind die Slowakei (Dritter Gruppe B), Ungarn (Sieger, Zweiter oder Dritter Gruppe F) und Nordirland (Dritter Gruppe C).
Die Achtelfinal-Konstellationen
- Schweiz – Polen
- Italien – Spanien
- Wales – Nordirland oder Türkei
- Kroatien – 3. Gruppe E oder 3. Gruppe F
- Frankreich – Nordirland oder 3. Gruppe E
- Deutschland – Albanien oder Slowakei oder 3. Gruppe F
- Sieger Gruppe F – 2. Gruppe E
- England – 2. Gruppe F
Das Tableau der K.o.-Runde – wenn die Favoriten am letzten Spieltag gewinnen
Wenn Italien gegen Irland, Belgien gegen Schweden, Portugal gegen Ungarn und Österreich gegen Island je 1:0 gewinnen.
bild: kicker/watson
Interessant: Auf der linken Seite befinden sich mit der Schweiz, Polen, Kroatien und Wales bislang höchstens aussichtsreiche Aussenseiter. Mit Portugal, Belgien, der Türkei oder Österreich kommt ebenfalls kein wirklich «Grosser» hinzu.
Der Weg für die Schweiz, weit zu kommen, wäre also offen. Nach einem Achtelfinal-Sieg gegen Polen würde das Team von Vladimir Petkovic im Viertelfinal wohl auf Kroatien treffen. In Frage kämen aber auch die Dritten der Gruppe E oder F. Also Teams wie Schweden, Irland, Island, Österreich oder Ungarn.
Den Nati-Cracks wird nicht entgangen sein, dass Spanien wider Erwarten in der anderen Tableau-Hälfte gelandet ist.
Bild: KEYSTONE
Die rechte Hälfte ist dagegen ausschliesslich mit den Topfavoriten auf den Titel bestückt. Besonders schwierig wird der Weg zum Titel für Spanien und Italien. Sie müssten nach der gewonnenen Final-Reprise von 2012 auf dem weg ins Endspiel wohl auch noch Deutschland im Viertelfinal sowie Frankreich oder England im Halbfinal eliminieren. Das gibt ein schönes Gemetzel ...
Die Spanier nehmen es zumindest gegen aussen gelassen. «Was sich als Gruppenzweiter für uns ändert? Wir spielen gegen Italien. Spielen ab den Achtelfinals gegen andere Favoriten. Aber als Titelverteidiger müssen wir alle schlagen können», sagt Penalty-Versieber Sergio Ramos nach der Partie. Na dann, viel Spass!
Die Noten der Schweizer nach der Gruppenphase der EM 2016
Granit Xhaka: Note 6 – Je grösser die Bühne, desto wohler fühlt er sich. Seine Auftritte an dieser EM verdienen das Prädikat Weltklasse. Scheint tatsächlich angekommen als Chef dieser Mannschaft. Er übernimmt Verantwortung. Die allermeisten seiner Pässe sitzen – und das, obwohl er sich nicht scheut, Risiko einzugehen. Nach dem Transfer zu Arsenal wurde Xhaka von einem Engländer gefragt, ob er nicht fürchte, das Preisschild von 50 Mio. könne nun an der EM zu viel Last sein. Seine Antwort gab er auf dem Platz. Sie ist eindrücklich: Nein!
Witters / Tim Groothuis/freshfocus
Yann Sommer: Note 5,5 – Wie er die Schweiz in seinem ersten Spiel auf der ganz grossen Bühne gegen Albanien rettete, war Weltklasse. Gegen Rumänien fast ohne Beschäftigung. Dann gegen Frankreich mit der ersten und einzigen Unsicherheit gegen Pogba, steigert sich aber sofort wieder. Ist erst vom Penaltypunkt aus bezwungen. Kann bester Torhüter des Turniers werden und die Schweiz zum nächsten Schritt führen.
EPA/EPA / LAURENT DUBRULE
Stephan Lichtsteiner: Note 4 – Der neue Captain wirkt mit der Binde irgendwie gehemmt. Seine Leistungen schwanken zwischen rätselhaft und solid – mehr nicht. Manchmal wirkt er wie ausgetauscht, sobald er nicht das Juve-, sondern das Nati-Trikot übergezogen hat. Das Spiel gegen Frankreich ist sein bestes bisher, vielleicht wächst auch er mit den Anforderungen. Die Schweiz braucht im Achtelfinal den echten Lichtsteiner, um weiterzukommen.
KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Fabian Schär: Note 5,5 – Wäre dieser eine Fehler am Schluss des Albanien-Spiels nicht – man dürfte von einer bislang perfekten EM sprechen. Schär überzeugt mit herausragenden Zweikämpfen und gutem Stellungsspiel. Er ist stark in der Luft und genauso am Ball. Dazu strahlt er viel Ruhe aus. Das ist von Vorteil, wenn der Abwehrpartner Johan Djourou heisst. Kurz: Es ist eine überzeugende Reaktion des 24-Jährigen auf eine schwierige Saison mit Hoffenheim in der Bundesliga. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Johan Djourou: Note 5 – In jungen Jahren weckte er Hoffnungen, einmal ein neuer Frank Rijkaard zu werden. An guten Tagen ist er auch heute noch Spitzenklasse. Nur sind diese längst Ausnahme geworden. Wirkt immer ein bisschen zu locker lässig. Die Angst, der nächste Fehler steht kurz bevor, ist noch nicht gewichen. Aber: Er hat sich mit jedem Spiel gesteigert. Die Leistung gegen Frankreich muss er jetzt bestätigen.
EPA/EPA / SHAWN THEW
Ricardo Rodriguez: Note 4,5 – Er ist noch nicht der Rodriguez der WM 2014. Damals schritt er voran, als es wirklich zählte. Es ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben vom Versprechen, das er einmal war. Gerade seine Eckbälle und Freistösse sind verbesserungswürdig, wie sein Beitrag zur Offensive überhaupt. Immerhin steht er defensiv gut und lässt wenig über seine Seite zu. Trotzdem: Er muss sich noch steigern.
EPA/EPA / LAURENT DUBRULE
Valon Behrami: Note 5,5 – Der Aggressivleader zeigt eine sehr beachtliche EM. Es gibt Dinge, die sind immer drin, wo Behrami drauf steht: viele Balleroberungen, unermüdlicher Kampf, unzählige Läufe. Aber jetzt zeigt Behrami auch Aktionen, die man ihm nicht unbedingt zugetraut hätte. Er leitet Bälle geschickt weiter, es sind nicht grad 20- oder 30-Meter-Pässe, dieses Feld überlässt er Xhaka, aber eben doch so, dass die Offensivabteilung etwas damit anfangen kann. freshfocus / Alain Grosclaude/freshfocus
Xherdan Shaqiri: Note 4 – Galt einmal als Wunderkind. Als der Spieler, der in den entscheidenden Momenten für die aufregenden Dinge besorgt ist. Als der Spieler, der die wichtigen Tore schiesst. Das alles ist Vergangenheit. Shaqiri blieb bisher an der EM alles schuldig. Er hat seit über einem Jahr kein Tor mehr erzielt für das Nationalteam. Seine rätselhaften Auftritte mehren sich. Immerhin stellt er sich in den Dienst der Mannschaft.
EPA/EPA / ROLEX DELA PENA
Blerim Dzemaili: Note 5 – Dzemaili und das Nationalteam, es ist eine belastete Beziehung. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass es spät doch noch eine versöhnliche Wende gibt. Erstmals ist er als Stammspieler dabei. Petkovic vertraut ihm. Und Dzemaili zeigt an dieser EM in jedem Spiel, warum. Noch fehlt die Konstanz über 90 Minuten. Noch könnte er seine guten Ansätze in etwas mehr Zählbares verwandeln. Aber es bieten sich ja noch Gelegenheiten zur Steigerung.
AP/AP / Geert Vanden Wijngaert
Admir Mehmedi: Note 5 – Manchmal ist es erstaunlich, was ein einzelnes Tor auslösen kann. Seit dem Wahnsinnstreffer in den Winkel gegen Rumänien spielt er drei Klassen besser, mit mehr Selbstvertrauen und mit noch mehr Verve bei der Arbeit in der eigenen Platzhälfte. Zudem ist er nun der einzige Schweizer der Geschichte, der an einer WM und EM getroffen hat. Mehmedi hat sich zum Spezialisten für wichtige Spiele entwickelt. Das zeigte er schon an der WM in Brasilien.
freshfocus / Alain Grosclaude/freshfocus
Haris Seferovic: Note 4,5 – Um ihn sind während des Turniers die interessantesten Debatten entstanden. Soll man ihn kritisieren, weil er viele Chancen vergibt? Soll man ihn loben, weil er viel kreiert? Der zweite Ansatz scheint angebracht. Seine bisherigen Einsätze waren ansprechend. Die Frage ist nun, ob es ihm gelingt, den Kopf freizubekommen. Falls ja, kann er für die Schweiz plötzlich noch so wichtig werden wie auf dem Weg zum U17-Weltmeistertitel.
freshfocus / Alain Grosclaude/freshfocus
Breel Embolo: Note 4 – Was von ihm bisher in Erinnerung bleibt an dieser EM? Einige leidenschaftlich geführte Duelle mit Frankreichs Superstar Pogba. Und vor allem: Der Song «Oh Embolo», diese Hommage an ihn, der die Fan-Herzen erobert hat. Will er allerdings das Herz von José Mourinho und Manchester United definitiv erobern, muss er sich gewaltig steigern. Er hat noch nicht nachweisen können, ein solch grosses Talent zu sein. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
EM 2016: Wichtige Infos zum Fussballturnier in Frankreich
Das könnte dich auch interessieren: