Da war die Welt noch heil: Sportchef Hasan Salihamidzic, Trainer Niko Kovac und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gemeinsam am Oktoberfest.
Bild: DPA Paulaner/Sampics
Das wahre Problem bei den Bayern sass nie auf der Trainerbank
Nun ist er also weg: Der FC Bayern München hat am Sonntag seinen Trainer Nico Kovac gefeuert. Kovac war 491 Tage im Amt. Wirklich erwünscht war er nie. Die Bayern-Bosse holten den früheren Frankfurt-Trainer im Sommer 2018 als Notlösung.
Das Zaudern von Hoeness und Rummenigge vor der Kovac-Ernennung im Sommer 2018 bleibt unvergessen: Vor allem Hoeness soll den vorherigen Bayern-Trainer Heynckes über Wochen und Monate gedrängt haben, doch noch ein Jahr dranzuhängen.
Doch Heynckes wollte nicht. Er wollte das Rentnerdasein lieber mit Hund Cando am Niederrhein als mit der Millionärstruppe an der Säbener Strasse verbringen. Einer Mannschaft, die von Jahr zu Jahr schlechter zusammengestellt wurde. Kovac bestritt seine letzten Spiele als Bayern-Trainer mit einer limitierten Truppe.
In der «Süddeutschen» stellte man schon vor dem Frankfurt-Desaster zu Kovacs Lage fest: «Jene Vorgesetzten, die ihn kritisch sehen, haben ihm einen Kader hingestellt, dessen Achse nur noch aus Neuer und Lewandowski besteht.»
Ein ungeliebter Trainer, der einen unvollständigen Kader betreuen muss – das weckt Erinnerungen an Carlo Ancelotti. Ähnlich wie Kovac erlebte der Italiener nach seinem Dienstbeginn am 1. Juli 2016 nur 455 Tage im Amt.
Damals endete eine ähnlich kurze Bayern-Karriere auch aufgrund einer schlechten Kaderplanung: Ancelotti bekam eine Altherrentruppe vorgesetzt, die mit einem Altersschnitt von 29 Jahren zwar über viel internationale Erfahrung, aber nicht mehr über die nötige Spritzigkeit und Hunger verfügte.
Heute in Neapel tätig: Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.
Bild: AP
Auch die Bilanz von Ancelottis erster Saison erinnerte an die erste Spielzeit unter Kovac: Lewandowski schoss die Bayern jeweils zur Meisterschaft, zu sehr viel mehr reichte es nicht. In der in München so wichtigen Champions League schied man im Viertelfinale aus, im DFB-Pokal im Halbfinale. Zum Vergleich: Kovac schaffte in seiner ersten Spielzeit zwar das Trostpflaster-Double aus Meisterschaft und Pokal, scheiterte aber im Achtelfinale der Champions League.
Zu wenig für die erfolgsverwöhnten Bayern: Sowohl Kovac als auch Ancelotti brachten mit ihrem Defensiv-Fussball Mannschaft und Fans gegen sich auf – und bei beiden verlor der Vorstand nach nicht einmal anderthalb Jahren die Geduld.
In München trifft seit Jahren ein schlecht zusammengestellter Kader – mal überaltert, mal nicht breit genug – auf übertriebene Träume von internationaler Dominanz. Für eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Probleme sind Hoeness und Rummenigge schlichtweg schon zu lange am Ruder.
Jede Fähigkeit zur Selbstkritik haben die beiden alten Männer des FC Bayern spätestens mit jener denkwürdigen Pressekonferenz aus dem Oktober des vergangenen Jahres abgelegt, bei der sie sich gegen jede Kritik mit Verweis auf die Würde des Menschen und das Grundgesetz beriefen.
Wenn in München Zweifel aufkommen, dann ist einzig und allein der Trainer schuld. Und um dessen Abschied zu verkünden, verwendet man an der Säbener Strasse mittlerweile auch einfach nur noch die ähnlichen Textbausteine. Das fiel auch auf Twitter auf.
Glaubst du nicht? Bitte schön:
In der Pressemitteilung zur Entlassung von Trainer Carlo Ancelotti hiess es von den Bayern Ende September 2017:
«Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen. Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten.»
Bei der Kovac-Entlassung hiess es am Sonntag:
«Die Leistungen unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen und auch die Resultate haben uns gezeigt, dass Handlungsbedarf bestand.»
Schon 2017 beschrieben die Bayern-Bosse Ancelottis Kündigungsgespräch als «offenes und seriöses Gespräch», genauso wie 2019 mit Kovac.
2017 rief Rummenigge die Mannschaft auf:
«Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.»
Ein Satz, den Sportchef Salihamidzic so schön fand, das er ihn 2019 gleich wiederholte:
«Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.»
Wie Focus.de berichtet, wurde in die Verkündung von Kovacs Entlassung später noch klammheimlich der Satz «Kovac hatte dem FC Bayern München seinen Rücktritt als Trainer angeboten» ergänzt – ohne Angaben von Gründen.
Dieser schludrige Copy-and-Paste-Umgang in der öffentlichen Trennung mit den eigenen Trainern ist auch ein Symptom dafür, dass es den Bayern-Bossen Hoeness und Rummenigge schon lange nicht mehr gelingt, die eigentlichen Probleme ihres Klubs richtig zu erfassen. Dieselben Erklärungen für verschiedene Trainer – das ist nicht einfach nur ein Kommunikationsfehler, so denkt man beim FC Bayern wohl wirklich.
Die beiden alternden Bayern-Bosse haben ihren Zenit überschritten. Man darf gespannt sein, welcher arme Coach sich als Nächster auf den Höllenritt Bayern München einlässt. Und ob er den Renteneintritt von Hoeness und Rummenigge dann tatsächlich auf der Trainerbank erleben darf.
Die merkwürdigsten Fussballstadien der Welt
Stadio Valerio Bacigalupo, Taormina: Auf Sizilien kann man Fussball aus der Gondelbahn geniessen, die vom Meer in die Altstadt führt. instagram/agneserizzo_ / instagram/agneserizzo_
Stadion Gospin dolac, Kroatien: Hier spielt der NK Imotski. Die Ruine Topana prägt das Bild der 4000 Zuschauer fassenden Arena.
Hinter der Ruine geht's 500 Meter runter bis zum Blauen See. Der Verein aus Dalmatien kickt in der zweithöchsten Liga Kroatiens.
Omnilife-Stadion, oder besser «el Volcan» in Guadalajara: Die Heimat des mexikanischen Spitzenklubs Chivas. Das ganze Stadion mit einer Tiefgarage liegt unter dem Erdhügel.
Vozdovac-Stadion in Serbien: Die Heimat des FK Vozdovac Belgrad fasst 5200 Zuschauer und steht ... auf einem Einkaufszentrum!
Nuevo Estadio Silvestre Carrillo auf Teneriffa: Das ist die Heimstätte von CD Mensajero, nahe dem Zentrum von Santa Cruz de la Palma. Das 1977 erbaute Stadion wurde von 2003 bis 2007 renoviert und hätte eigentlich mehr Plätze bieten sollen. Aber finanzielle Probleme liessen dies nicht zu. 6000 Fans finden heute drin Platz.
Stadion Sant'Elia in Italien: Die Heimstätte von Cagliari (Serie B) ist ein Stadion im Stadion. Weil die ursprünglich für die WM 1990 gebaute Arena 2002 den Sicherheitsbestimmungen nicht mehr entsprach, baute man kurzerhand ein Provisorium auf der Leichtathletikbahn. 2013 erhielt auch dieses die Bewilligung nicht mehr. Jetzt wird saniert, am Ende sollen 16'000 Fans Platz finden.
Mmabatho Stadium in Südafrika: Der Preis für die originellste Architektur geht nach Mahikeng. Hier kickt das Team von North West University vor maximal 59'000 Zuschauern.
Gebaut wurde das Prachtstück 1981 während der Apartheid von einer israelischen Firma.
Igraliste Batarija in Kroatien: Auf dieser schönen Postkartenaufnahme liegt unten rechts das Stadion von HNK Trogir.
Gleich neben der Festung Kamerlengo und dem Markusturm (beides UNESCO-Weltkulturerbe) kickte der Verein bis zu seiner Auflösung 2009.
Henningsvær-Stadion in Norwegen: Okay, von einem Stadion zu sprechen wäre vielleicht etwas übertrieben. Aber der Fussballplatz für das 500-Seelen-Dorf Henningsvær auf den Lofoten im Norden Norwegens musste dank Globetrotter Corsin einfach in unsere Liste.
Sapporo Dome in Japan: Das Stadion diente schon während der WM 2002 als Stätte für Vorrundenspiele. Der Rasen ist ausfahrbar und 41'484 Zuschauer passen rein. Das Baseball-Team der Hokkaido Nippon Ham Fighters und des J-League-Vereins Consadole Sapporo teilen sich die Arena hier.
Timsah Arena in der Türkei: Bursaspor trägt seine Heimspiele seit Dezember 2015 hier aus. Der Eingang bildet eine riesige Krokodilschnauze.
(Bild: Modell)
Ottmar Hitzfeld Gspon Arena in der Schweiz: Auf dem höchsten Fussballplatz Europas (2008 Meter über Meer) über Stalden im Wallis wurde 2008 die Bergdorf-EM durchgeführt.
Estadio Municipal de Aveiro in Portugal: Hier wurde während der EM 2004 gespielt und der Sport Clube Beira-Mar (zweithöchste Liga) nennt das farbige Ding seine Heimat. 30'127 Zuschauer passen rein.
Lahden stadion in Finnland: Am Fuss der legendären Salpausselkä-Schanze trägt der FC Lahti seine Heimspiele aus. Im Winter wird die Arena auch für Biathlon und Langlauf genutzt.
Marina Bay Floating Stadium in Singapur: Die schwimmende Plattform misst 120 × 83 Meter und wird teilweise für Fussballspiele genutzt. Die Tribüne an Land ist für 30'000 Zuschauer konstruiert.
Svangaskard auf den Färöer-Inseln: Das ehemalige Nationalstadion steht direkt am Meer. 1980 in Toftir erbaut erhielt es erst 1991 ein Rasenfeld. Teilweise wartete während den Spielen ein «Ballsammler» auf einem Boot im Meer, um Bälle einzusammeln. Die Kapazität beläuft sich auf 6000 Zuschauer. Heute trägt B68 Toftir seine Heimspiele hier aus.
Europa Point Stadium in Gibraltar: Gleich neben dem Affenfelsen in Gibraltar soll im Herbst 2016 das Nationalstadion für 8066 Zuschauer eröffnet werden.
Estadio Hernando Siles in Bolivien: In La Paz steht mittendrin das Nationalstadion des Andenstaates. Auf 3637 Metern gilt es als eines der höchstgelegenen der Welt. Dank einer FIFA-Sondergenehmigung von 2007 darf das Nationalteam hier spielen.
Stade Louis II in Monaco: Die Heimat der AS Monaco. Von aussen kaum zu erkennen, denn der Bau passt sich dem Stadtbild im Viertel Fontvieille an. Das Spielfeld liegt acht Meter über dem Erdboden und steht auf einem vierstöckigen Parkhaus, das 1700 Autos Platz bietet.
Estadio Municipal de Braga in Portugal: Direkt am Berghang finden im «Steinbruch» 30'268 Zuschauer Platz. Auch an der EM 2004 wurde hier gespielt.
Rock Stadium in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Das Ding in Al Ain an der Grenze zum Oman steht noch nicht, aber die Arena sahnte 2012 schon Architekturprojekt-Preise ab. Es soll direkt in die Hügelkette Jebel Hafeet gebaut werden.
40'000 Zuschauer sollen hier dereinst unter dem Erdboden Fussballspiele sehen können.
Der Fussball schreibt oft die schönsten Geschichten