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Verteidiger im «IS»-Prozess in Bellinzona: «Bräutigam» bedeutet nicht Selbstmord-Attentäter

Publiziert: 02.03.16, 13:15 Aktualisiert: 02.03.16, 13:29

Der Verteidiger des Hauptangeklagten im «IS»-Prozess in Bellinzona hat am Mittwochvormittag mit seinem Plädoyer angefangen. Dabei ging er auf die einzelnen Facebook-Chats ein, mit welchen die Bundesanwaltschaft BA zu belegen versucht, dass der Hauptangeklagte für den «IS» Koordinationsaufgaben übernommen hatte und mitbeteiligt war beim Informationsaustausch zwischen einzelnen Mitgliedern und Abu Hajar.

Der Anwalt legte dabei die von der BA als Codewörter bezeichneten Wörter wie «Bräutigam», «Brüder» oder «arbeiten» so aus, dass sie nicht in einem terroristischen Zusammenhang gesehen werden.

So las er den Begriff «Bräutigam» tatsächlich als solchen und nicht als potentiellen Selbstmordattentäter. Dazu erklärte der Verteidiger, dass sich Personen aus dem Nahen Osten oftmals dort verheirateten. Wenn also die Rede davon sei, dass einer der anderen Angeklagten zwei Bräutigame nach Syrien bringen werde, so sei dies in diesem Zusammenhang zu verstehen.

Angebliche Führungsrolle von Abu Hajar

Der Verteidiger versuchte auch, die angebliche Führungsrolle von Abu Hajar im «IS», zu welchem der Angeklagte über Facebook Kontakt hatte, zu widerlegen.

Allein aufgrund der Chats auf Facebook lasse sich eine Führungsrolle nicht belegen, erklärte der Anwalt. Es sei naiv zu glauben, dass ein Führungsmitglied der Terrororganisation Islamischer Staat («IS») überhaupt ein Facebook-Konto führe. Zudem soll dieses – auch gemäss der Bundesanwaltschaft (BA) – von mehreren Personen genutzt worden sein.

Für den Hauptangeklagten und andere Chattende, die über dieses Konto Kontakt zu Abu Hajar hatten, könne es gemäss Verteidiger deshalb nicht klar gewesen sein, mit wem sie überhaupt kommunizierten.

Das Plädoyer wird am Nachmittag fortgesetzt. (whr/sda)

Der «IS» zerstört ein 1400 Jahre altes Kloster im Irak

Das Kloster Sankt Elias wurde um das Jahr 590 errichtet und galt lange als christliches Zentrum der Gegend um Mossul. Etwa 1743 ordnete ein persischer General seine Zerstörung an: Bis zu 150 Mönche weigerten sich damals, zum Islam zu konvertieren. Sie wurden hingerichtet. AP/Col. Juanita Chang / Col. Juanita Chang
Das Kloster gilt als das älteste im Irak. Diese Aufnahme einer Messe wurde um 1920 in der heiligen Stätte aufgenommen. Otrakji family collection on mideastimage.com / Otrakji family collection on mideastimage.com
Nach 2003 diente der Ort US-Truppen als Rückzugsort, erst später entdeckte ein Geistlicher unter ihnen die Bedeutung der Stätte. Es war der Beginn der Restaurierungsarbeiten. AP/U.S. Army / Staff Sgt. Russell Lee Klika
Anhänger der Terrormiliz «Islamischer Staat» haben die Stätte im Jahr 2014 zerstört, doch erst jetzt sorgt der Fall international für Aufsehen. AP/AP / Maya Alleruzzo
Die Nachrichtenagentur AP hat eine US-Firma damit beauftragt, Vorher-Nachher-Bilder von der Stätte zu erstellen – die Aufnahmen zeigen das Ausmass der Zerstörung: Von den Mauern des rund 1400 Jahre alten Klosters ist nichts mehr zu erkennen. AP/DigitalGlobe
Der US-Experte für Bildanalysen, Stephen Wood, meinte: «Bulldozer, schweres Geschütz, Vorschlaghammer und womöglich Sprengstoff haben die Wände aus Stein in ein Feld aus grauweissem Staub verwandelt. Sie haben es komplett zerstört.» AP/AP / Maya Alleruzzo

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